So

25

Jun

2017

Rotkehlchennest, Vogeljunge, Wasseramsel, viele Wildkräuter im Mai zur Ernährung, als Heilpflanzen

Vögel, Vogeljunge im Mai:

Die jungen, wenige Tage alten Vögel im Garten beobachten zu können, ist neben dem Lauschen der Vogelstimmen ein besonderer Genuss: Junge Amseln, Rotkehlchen, Singdrosseln machen erste Flugversuche in unserem Garten und die Schwanz- und Kohlmeisen sammeln Würmer zur Fütterung in ihren Schnäbeln.

Das Highlight war für uns in diesem Mai, dass wir in unserem Schuppen im Garten ein Rotkehlchen-Nest mit sechs Jungen hatten (s. Foto: Drei mit geöffnetem Schnabel, drei davor mit geschlossenem Schnabel). Außerdem hatte ich das Glück zum ersten Mal die auffallend bunten Distelfinken, ein Paar, nahe unseres Gartens zu sehen.

Buchfinken und Grünfinken besuchten häufig unseren Gartenteich, das so hübsche Gimpel-Männchen badete dort regelmäßig und auch das auffällige Buntspecht-Männchen kam regelmäßig vorbei, gern zum Vogelhaus.

Ein weiteres Highlight war, dass wir in der Enz, in Wildbad im Schwarzwald, eine Wasseramsel gesehen haben.  Eine Wacholderdrossel ließ sich auf einer Wiese in der Nähe nah, gut beobachten und Rotschwänze im Kurpark.

In Kaltern, in Südtirol, hatten wir Freude an dem Flug der Rauchschwalben und Mehlschwalben. Wir meinen auch Felsenschwalben gesehen zu haben. Auf dem Weg zum Kalterer See konnten wir an beiden Tagen einen Kuckuck hören und Laubsänger beobachten. Auf dem Kalterer See dann noch ein Highlight: Hier schwamm an beiden Tagen ein Haubentaucher-Pärchen mit drei Jungen, die mal auf dem Rücken im Gefieder zu sehen waren und mal nahe an den Eltern selber schwammen.

Breite Verwendung der Wildpflanzen

Auf dem Foto, links ist eine der ältesten verwendeten Pflanzen zu sehen, der Wein, der schon seit dem Altertum eine besondere Rolle gespielt hat, auch in der Medizin.

Dazwischen leuchtet der rote Klatsch-Mohn, der einerseits aufgrund der enthaltenen Alkaloide in allen Pflanzenteilen giftig ist, besonders der Milchsaft. Die ersten, jungen Blätter, vor der Blüte, sind roh in Salaten oder gekocht als Spinat, in Maßen verwendet unbedenklich. Das gilt auch für die roten Blütenblätter als essbare Dekoration von Speisen. Die Kronblätter wurden früher zur Herstellung roter Tinte verwendet.

Schon an diesen beiden Pflanzen, hier ein Foto vom Kalterer See in Südtirol, lässt sich die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten von Pflanzen erahnen. Ich bin bei meinen Recherchen immer wieder überrascht wie viele Wildpflanzen, selbst in meiner unmittelbaren Umgebung, essbar sind und/oder sich als Heilpflanze eignen.Siehe auch meinen blog-Artikel: "Unterschätzte Wildkräuter..." sowie "Wildkräuter für die Küche und als Heilkräuter wieder entdecken" und "Kräuter-Pilz-Wanderung mit 4-Gang-Menü".

  • Wildpflanzen, die ich im Mai gesehen habe, die sich als Lebensmittel eignen

von der Acker-Witwenblume, gefunden auf einer Blumenwiese im Mieminger Gebirge junge Blätter und Blüten,

von der Ährigen Teufelskralle, (auch Weiße Teufelskralle) gefunden am Sägebach in Ruhpolding, die jungen Blätter,

vom Barbarakraut, von der Halde Rheinelbe, (Ziel meines täglichen Spaziergangs) die Blätter und Blütenknospen,

von den Brennnesseln, reichlich in meinem nahen Umfeld, die Blätter, Blüten und knospigen Blütenstände,

von der Echten Nelkenwurz, reichlich in meinem nahen Umfeld, Blätter, Knospen, Blüten, Wurzeln,

vom Ehrenpreis, ebenfalls viel in meinem nahen Umfeld, die Blüten,

vom Frauenmantel, auf der Halde Rheinelbe, junge Blätter und Blüten,

von der Gewöhnlichen Braunelle, in meinem nahen Umfeld verbreitet, die nicht blühenden jungen Pflanzenteile,

von der Glockenblume, gefunden auf der Sommerwiese in Wildbad im Schwarzwald, die Blüten,

vom Gundermann, verbreitet in meinem nahen Umfeld, die Blätter und Blüten,

von der Schafgarbe, auch auf der Halde Rheinelbe, frische Triebe und Blätter,

vom Schlangen-Knöterich, in Wildbad verbreitet, die Blätter,

vom Schwarzen Holunder, in meiner Nähe verbreitet, die Blüten und Früchte (nur in kleinen Mengen roh essen),

vom Storchschnabel, auch in meiner Nähe, die Blüten und Knospen,

vom Weißdorn, wächst viel in unmittelbarer Nähe, die Blätter für Tee und Kräuterwein,

von der Wiesen-Margerite, gefunden auf der Sommerwiese auf dem Sommerberg, Blüten und Blütenknospen,

vom Wiesen-Salbei, von einer Blumenwiese im Mieminger Gebirge, die Stängel bis Juni und junge Blätter,

von der Vogelwicke, gefunden an den Weinbergen Kalterns, die Blüten.

Heilpflanzen im Mai

Die Nutzung ist auf wikipedia jeweils genauer nachzulesen

giftig; im Mittelalter und der frühen Neuzeit vielfältig in der Medizin verwendet; im Mittelalter die Samen als Aphrodisiakum

Bei Knochenbrüchen, offenen Wunden, Verletzungen von Bändern, Sehnen, Prelungen, Zerrungen, Verstauchungen, beschleunigt Zellaufbau, Zellbildung, nicht mehr innerlich (s. auch heilpflanzenkatalog)

  • Echte Nelkenwurz: Im Altertum gegen Brustbeschwerden; Hildergard von Bingen als Aphrodisiakum; Im Mittelalter, früher Neuzeit bei Gelbsucht, Unterleibskoliken, in der Homöopathie gegen Entzündigen der Harnblase etc. (s. auch heilpflanzenkatalog)
  • Frauenmantel: "In der Volksmedizin werden die Arten zur Behandlung von Wunden, Blutungen, Frauenkrankheiten, Geschwüren, Bauchschmerzen, Nierensteinen, Kopfschmerzen und anderen Beschwerden verwendet" (wikipedia) Gegen unspezifische Durchfllerkrankungen, s. Heilpflanzen-Katalog.
  • Gefleckter Aronstab, s. Foto: Bis ins 20. Jhdt. als Heilpflanze, für die Schulmedizin eine Giftpflanze, in der Homöopathie gegen Entzündungen der oberen Atemwege, Nasenpolypen.
  • Gewöhnliche Braunelle: Im Mittelalter gegen Diphtherie, traditionelle asiatische Heilpflanze und aufgrund der Rosmarinsäure in der Kosmetik zum Schutz der Haut vor UV; "gewisse Aktivität" gegen HIV und Wirksamkeit gegen Herpes simplex.
  • Goldlack: Giftig durch herzwirksame Cardenolide. Früher wurden Samen und Kraut als Heilpflanze, z.B. gegen Hautjucken, Geschwüre genutzt und zur Förderung der Menstruation, Geburt; aus Goldlackblüten stellte man Gesichtswasser her.
  • Gundermann: In der Voklsheilkunde, z.B. bei Hüftweh, Leberleiden; von Hildegard v. Bingen gegen Kopf-, Ohrenschmerzen; heute z.B. gegen Abszesse, Tumore
  • Hahnenfuß: Giftig aufgrund von Protoanemonin. Medizinisch wurde die ätzende Wirkung bei Hautkrankheiten genutzt.
  • Malve: Aufgrund des Aromas werden von manchen Arten die Blüten als Aroma in der Kosmetik verwandt oder als Tee. Der Tee aus den Blättern der wilden Malve gegen Reizhusten. (s. auch Heilpflanzenkatalog)
  • Olivenbaum: "als medizinische Pflanze. Das Öl ist gesund wegen des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren und wirkt sich positiv auf das Herzkreislaufsystem und den Fettstoffwechsel aus. Extra natives Olivenöl hat entzündungshemmende Wirkung. Der dafür verantwortliche Wirkstoff heißt Oleocanthal."(wikipedia)
  • Rote Lichtnelke: In der Volksmedizin gegen Schlangenbisse
  • Schafgarbe: Bei Verdauungsstörungen, Koliken, zur Pflege der Gesichtshaut; laut Heilpflanzenkatalog ist der Anwendungsbereich ähnlich wie bei der Kamille: Z.B.: Entzündungshemmend, krampflösend, Beschwerden der Verdauungsorgane, Sitzbäder, Spülungen
  • Schwarzer Holunder: "Holundersaft und die Holunderbeeren, aber auch Tees aus Rinde und Blütenständen gelten als probate Hausmittel gegen Erkältung, Nieren- und Blasenleiden sowie zur Stärkung von Herz und Kreislauf und finden bis heute Anwendung.[1"(wikipedia) Außerdem: Verlangsamung des Alterungsprozesses, entzündungshemmend, fiebersenkend,schmerzlindernd, zur Grippe-Behandlung,schweißtreibend, schleimlösend, bei Magenbeschwerden ...; s. auch Heilpflanzenkatalog
  • Storchschnabel: Das Ruprechtskraut ist adstringierend, entzündungshemmend
  • Weißdorn: "Haupt-Indikation ist die chronische Myokardinsuffizienz mit daraus resultierendem zu niedrigem Blutdruck in den Stadien I und II nach Definition der New York Heart Association (NYHA)." Er steigert die Kontraktionskraft des Herzens, die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels, ähnlich Digitalis, aber besser verträglich; Heilpflanze des Jahres 1990 (wikipedia). S. auch Heilpflanzenkatalog

 

Hier oben schon einmal ein paar Fotos als Vorgeschmack auf meine Entdeckungen im Juni.

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Fr

19

Mai

2017

April: Blütenmeer, Dohlennester auf Walcheren, Fütterung der Jungvögel, Schnee in Bayern

Frühlingserwachen in der Pflanzen- und Tierwelt

April "öffnen, ans Licht bringen"? Das passt doch sehr gut.

 

Blütenmeer: Der April zeigt sich mit einem Meer weißer Buschwindröschen, mit gelbem Scharbockskraut und zartlila Wiesen-Schaumkraut auf den Wiesen im Rheinelbe-Park, mit weiß-grünem Waldmeister und blauen Vergissmeinnicht in unserem Garten, mit weiß-grünem Bärlauch in Iphofen und Ruhpolding, neben gelben Primeln und gelbem Beinwell, mit goldgelb glänzenden Sumpfdotterblumen am Walchsee - was für ein Frühlingsgenuss. Dazu die fast verschwenderisch blühenden Obstbäume in unserem Garten und um die gesamte alte Stadtmauer von Iphofen, die reich blühende Gewöhnliche Traubenkirsche und der so interessant blühende Taschentuchbaum. Jeden Tag entdecke ich neue Blüten auf meinen Spaziergängen zur Halde Rheinelbe, im Von-Wedelstaedt-Park und im Rheinelbe-Park. Wie ein Wunder erschien uns, dass die Wiesen in Ruhpolding, die Ende April, bei unserer Ankunft, unter einer Schneedecke lagen, an den drei folgenden sonnigen Tagen immer mehr Blüten zum Vorschein brachten.

 

Tierwelt: Wir konnten drei besetzte Dohlen-Nester in den Schornsteinen, direkt gegenüber unserem Hotelzimmer in Zoutelande beobachten, immer mehr Vögel in unserem Garten hatten Würmer im Schnabel, eine Singdrossel fütterte ein Junges auf einem Lärchenzweig in unserem Garten, der erste Zaunkönig war zu sehen, ein Gimpel-Paar und ein Mönchsgrasmücken-Paar halten sich sehr oft in unserem Garten auf. Wir beobachteten einen Kranich-Zug und Kiebitze auf unserem Weg nach Walcheren, ein Milan-Paar (in der Wetterau) und Störche in den Ruhrwiesen.

Wir sahen viele Schafherden mit Lämmchen auf unserem Weg nach Holland, den ersten Aurorafalter in den Dünen von Zoutelande, die erste Weinbergschnecke, Raupen und Marienkäfer auf den Spaziergängen, Bachforellen im Sägebach von Ruhpolding und Kaulquappen auf unserem Abstieg von der Kampenwand.

 

Gartenarbeit: Die meisten Buchsbäume waren so von den Buchsbaumzünsler-Raupen befallen, dass wir sie entsorgen mussten; das war schon ein wenig traurig. Aber der April ist zumindest ein guter Monat zum Umpflanzen. Giersch und Bergahorn-Sämlinge habe ich zumindest aus dem Steingarten entfernt, um auch anderen Pflanzen eine Chance zu geben.

 

Kräutermischung: Ich konnte wieder frische Kräuter sammeln und trocknen und die mir so lieb gewordene Kräutermischung, zum Teil als Kräuter-Salz, herstellen aus: Basilikum (Küche), Brennnessel, Giersch, Gundermann, Löwenzahn, Rosmarin, Thymian und Zironenmelisse aus dem Garten.

Ich bin immer wieder überrascht wie viele der in unserer Nähe wachsenden Pflanzen eine aroma- und vitaminreiche Ergänzung unserer Speisen darstellen können, manche sehr vitaminreich, manche als Heilpflanzen, manche zusätzlich als hübsche, essbare Dekoration. Nicht alle lassen sich verwenden, da manche giftig sind, zumindest in Teilen oder in größeren Mengen. (s. auch meine blog-Artikel unter dem tag "Kräuter"

 

Je mehr ich mit offenen Augen durch die Natur gehe, desto mehr entdecke ich und desto mehr kann ich mich an ihr erfreuen. Schöne, interessante Entdeckungen gibt es jeden Tag auch direkt vor der Tür.

 

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So

23

Apr

2017

Hummeln, Schmetterlinge, Vögel, Lenzrosen, Sal-Weide, Scharbockskraut

Nestbau der Vögel, erste Hummeln und Schmetterlinge im März

Vögel zu beobachten macht mir immer Freude. Im Frühling sind sie in ihrem Prachtkleid aber besonders schön und sehr aktiv. Gimpel und Schwanzmeisen besuchen nun regelmäßig paarweise unseren Garten und scheinen in der Nähe zu nisten. Ein Heckenbraunellenpaar ist jeden Tag hinten in unserem Garten so gut zu beobachten, scheint dort in der Hecke zu nisten, Blaumeisen und Kohlmeisen inspizierten die Nistkästen in unserem Garten und ein Baumläufer hat in einer unserer Fensterwangen sein Nest gebaut. Immer mehr Vögel tragen Nistmaterial in ihrem Schnabel und auch am Teich im Von-Wedelstaedt-Park haben die Nilgänse, Kanadagänse und Stockenten Paare gebildet. Vorübergehend waren für mehrere Tage sogar mehrere Rotdrosseln in unserem Garten, in den Lärchen, zu sehen.

Die ersten Hummeln und Schmetterlinge, die Bienen und Schwebfliegen sind für mich so schöne Frühlingsboten. Der erste Zitronenfalter, ein zitronengelbes Männchen, flog bereits Anfang März durch unseren Garten und Ende März besuchten ein Admiral, ein Bläuling und ein C-Falter die Frühlingsblumen, z.B. die Weidenkätzchen. Leider waren auch die ersten Raupen des Buchsbaumzünslers wieder sehr aktiv und unsere Buchsbäume sind ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. Ob sie das wohl überleben werden?

Baum-, Erd-, Steinhummeln und Schwebfliegen besuchten eifrig die Frühlingsblüten, z.B. die vielen Lenzrosenblüten und wir konnten die vielen warmen Märztage im Garten, auf der Terrasse, aber auch auf den Spaziergängen zur Halde Rheinelbe, im Sonnenschein so richtig genießen. Im Garten buddeln, die Unmengen an Bergahorn-Sämlingen aus dem Steingarten entfernen, Büsche beschneiden, zum ersten Mal den Rasen mähen, grillen und draußen im Wok ein Frühlingsgemüse-Gericht zubereiten - so lässt sich die Natur gut beobachten, ist der März wunderbar.

In der Bildergalerie sind von oben nach unten und von links nach rechts zu sehen:

Admiral, Bläuling, Buchsbaumzünsler, C-Falter, weiblicher Zitronenfalter, Schwebfliege, Blaumeise, Gimpelpaar, Heckenbraunelle, Kohlmeise. 

Die Fotos stammen nicht alle vom März diesen Jahres und die Bilder habe ich mit Aquarellstiften für mein Naturtagebuch gemalt.

Baumläufer, Rotdrossel, Erdhummel

eine kleine Auswahl der im März beobachteten Tiere

Ihn haben wir in diesem März zum ersten Mal mehrere Tage hintereinander im Garten, an unserer Kastanie hinauf laufen sehen und konnten beobachten wie er immer wieder zur Fensterwange unseres Hauses flog und dort ein Nest baute. Wie schön!

Der Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) und der Waldbaumläufer (Certhis familiaris) aus der Familie der Baumläufer (Certhiidae) sind laut Brohmer (Fauna von Deutschland, Wiebelsheim 2010, S. 709) kurzbeinige Klettervögel, die ruckartig an Baumstämmen hochlaufen und Insekten suchen. Die beiden oben genannten Arten seien im Freien nicht sicher unterscheidbar. Wikipedia: "Das Nest ist napfförmig. Die Eier sind weiß, mit rotbraunen Punkten (...) und werden 14 bis 15 Tage bebrütet. Die Jungvögel verlassen das Nest nach 15 bis 17 Tagen."

Das Nest können wir jeden Tag von unserer Terrasse aus sehen. Wir hoffen, dass das Brüten erfolgreich sein wird und wir auch die jungen Vögel im April beobachten können.

Im letzten Jahr hat mir ein Vogelkundler zum ersten Mal eine Rotdrossel (Turdus iliacus L.) auf der Halde Rheinelbe gezeigt. Dass wir in diesem Jahr mehrere Rotdrosseln ein paar Tage hintereinander in unserem Garten beobachten konnten, war schon etwas Besonderes. Dadurch, dass sie oft ziemlich nah in der Lärche saßen, konnten wir den  hellen Überaugenstreif und die rostroten Flügelunterseiten durch unsere Ferngläser sehr gut erkennen. Dadurch sind sie gut von den gleich großen Singdrosseln (Turdus philomenos BREHM) zu unterscheiden. Die Singdrosseln sind regelmäßige Gartenbesucher und ich sehe sie immer wieder auf der Halde Rheinelbe. Laut Brohmer (Fauna von Deutschland, S. 712) ist die Rotdrossel ein häufiger Durchzügler und vereinzelt auch ein Wintergast. Laut wikipedia brüten die Rotdrosseln "...in Skandinavien, Schottland und Sibirien. Sie sind Zugvögel, die in Mittel-, vor allem jedoch in West- und Südeuropa überwintern. ...Sie sind in Mitteleuropa deswegen vor allem zu den Zugzeiten im Frühjahr und Herbst zu beobachten." Dann liegen wir ja vielleicht auf ihrer Zugvogelroute und können sie immer mal wieder hier im Frühling und Herbst beobachten.

Erst durch den Vortrag eines Hummelexperten im Mai 2015 habe ich die Bedeutung der Hummeln für die Natur, für uns ein wenig kennengelernt und seitdem hat sich mein Blick für diese kleinen, wichtigen Insekten geschärft und ich freue mich, dass so viele unseren Garten regelmäßig besuchen (s. meinen blog-Artikel: "Ein Hummel-Garten; denn ohne Hummeln keine Tomaten, kein Ketchup, keine Erdbeeren?"). Am häufigsten sehe ich die Erdhummel, die oben auf dem Foto zu sehen ist, in unserem Garten und auf der Halde. Laut NABU gehören zu den Erdhummeln vier verschiedene Arten, die für den Laien schwer unterscheidbar sind. Wie auf dem Foto zu sehen sind die Erdhummeln schwarz mit weißem Hinterteil und zwei gelben Streifen. Laut wikipedia lassen sich die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) und die Hellgelbe Erdhummel (Bomus lucorum) aufgrund ihrer Ähnlichkeit in der Natur kaum unterscheiden. "Die Dunkle Erdhummel ist die wichtigste Art in der kommerziellen Hummelzucht. Sie wird im Treibhausanbau vor allem zur Bestäubung von Tomaten eingesetzt."

Lenzrose, Salweide, Scharbockskraut

Eine kleine Auswahl der entdeckten Pflanzen im März (s. auch meinen blog-Artikel Blütenpracht ... im März)

Kennengelernt habe ich sie vor ein paar Jahren bei einer Führung im botanischen Garten in Münster und war sofort begeistert von der Blütenpracht dieser winterfesten, mehrfarbigen Stauden zu Frühlingsbeginn. Die Lenzrosen, auch Orientalische Nieswurze oder Frühlings-Christrosen genannt, kommen jedes Jahr wieder in voller Pracht, in weiß, gelbgrün und lila und haben einen festen Platz in unserem Garten (s. Foto). Es sind prächtige, anspruchslose Frühblüher aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae), häufig Hybriden, aber giftig. (s. auch Pflanzenporträt) Beheimatet ist die Lenzrose laut wikipedia in der Türkei und dem Kaukasus, komme lokal aber auch in Baden-Württemberg als Neophyt vor.

Die Kätzchen der Sal-Weide sind für mich die ersten in meiner Nähe gut sichtbaren Baumblüten, die mir den nahenden Frühling anzeigen. Sie stehen, schon als große Bäume in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, aber auch seit Kurzem als noch kleines Bäumchen in meinem Garten. Die Sal-Weiden oder Kätzchenweiden sind Weidengewächse (Salicaceae). Da sie bereits im März blühen, erfreuen sie nicht nur uns, sondern sind eine wichtige erste Futterpflanze für die Insekten. Die Kätzchen sind laut wikipedia die erste wichtige Bienennahrung und bieten auch früh fliegenden Falterarten wie Zitronenfalter, Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge zu Frühlingsbeginn nahrhaften Nektar. "Zusammen mit der Eiche ist die Salweide die bedeutendste Pflanze für die heimische Schmetterlingsfauna. Beinahe einhundert Arten ernähren sich von der Salweide, entweder als Futterstrauch für die Raupen oder als Nährpflanze für die erwachsene Imago."

Über sie freue ich mich immer im Frühling, weil sie als erstes auf meinen Spaziergängen auf der Halde Rheinelbe durch ihre gelben Blüten ein wenig Farbe auf den Waldboden bringen. Dieses Hahnenfußgewächs ist laut Schmeil-Fitschen (Die Flora Deutschlands und der angrenzenden Länder! ) aber giftig. Bei wikipedia erfuhr ich, dass sich der Name von Skorbut ableitet, weil die Blätter des Scharbockskrauts gegen Vitamin-C-Mangel eingenommen wurden. Die Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen (S. 141) nennt viele Möglichkeiten der Verwendung der jungen Blätter von März bis April weist aber auch daraufhin, dass die Pflanze, vor allem frisch, wegen des enthaltenen Protoanemonins nicht in großen Mengen gegessen werden sollte. Die Pflanze reinige das Blut und würde bei Hautunreinheiten und Hämorrhoiden eingesetzt. Aufgrund des hohen Vitamin-C-Gehalts sei sie früher nicht nur bei Skorbut, sondern auch bei Frühjahrsmüdigkeit gegessen worden.

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Do

13

Apr

2017

Blütenpracht, Nestbau, Hummeln, erste Schmetterlinge im März

Frühlingserwachen

Was für eine Freude, wenn die Sonne immer mehr wärmt, fast jeden Tag neue Blüten zu entdecken sind, die Vögel in ihrem Prachtkleid singen, immer öfter paarweise auftreten, unsere Nistkästen inspizieren, Nistmaterial im Schnabel haben und Nester bauen. Einige Bienen, Schwebfliegen und Hummeln besuchen bereits die bunten Blüten und die Salweidenkätzchen und die ersten Schmetterlinge sind im Garten zu sehen. Umgeben vom vielstimmigen Vogelgesang macht es mir besondere Freude bei den täglichen Spaziergängen die Natur zu entdecken, z.B. diesen prächtig blühenden Magnolienbaum, wieder im Garten zu graben, zu pflanzen und anschließend beim ersten Grillen und Wok auf unserer Terrasse alles zu genießen, in Ruhe zu beobachten.  

Was für eine Blütenpracht ganz nah bereits im März

Blaue und weiße Anemonen (Balkan-Windröschen, Hahnenfußgewächs), weißer Beinwell (Raublattgewächs), weiße Buschwindröschen (giftig! Hahnenfußgewächs), weißes Dickmännchen (Japanischer Ysander, Buchsbaumgewächs), blaues Ehrenpreis (Wegerichgewächs), gelbe Forsythien (Ölbaumgewächs), rosa-weiße Gänseblümchen (Maßliebchen, Korbblütler), blaues Gedenkemein (Raublattgewächs), blau-violetter Gundermann (Lippenblütler), weiße und blaue Hyazinthen (Spargelgewächse), rosa blühende japanische Kirsche (Rosengewächs), blauviolettes Immergrün), , lila Krokusse (Schwertliliengewächs), blaue Leberblümchen (Hahnenfußgewächs), weiße, gelbgrüne und lila Lenzrosen (Orientalische Nieswurz:von Kopf bis Fuß giftig! Hahnenfußgewächse), gelber Löwenzahn (Korbblütler), rosa-blaues Lungenkraut (Raublattgewächs), rosa und weiße Magnolien, gelbe japanische Mahonie (Berberitzengewächs), blaue Milchsterne (Spargelgewächs), gelbe Narzissen (Amaryllisgewächs), rosa Pflaumenblüte (Rosengewächs), gelbe Ranunkeln (Goldröschen/Kerrie,Rosengewächs), blaulila Rosmarinblüten (Lippenblütler), gebe Salweidenkätzchen, gelbes Scharbockskraut (giftig! Hahnenfußgewächs), weiße Schleifenblume (Kreuzblütler), gelb-orange Schlüsselblume (Primelgewächs), grün-weißes Schneeglöckchen (Amaryllisgewächs), blaue Schwertlilie, weißer Steinbrech, erste Tulpen (Liliengewächs), blaulila Veilchen, blauviolettes Vergissmeinnicht (Raublattgewächs) und rote Zierquitten (Rosengewächs). An all diesen Blüten konnte ich mich in unserem Garten und auf den Spaziergängen mit Birka in meinem nahen Umfeld erfreuen.

In der Bildergalerie sind von links nach rechts und von oben nach unten folgende ausgewählte Blüten meiner Spaziergänge und aus unserem Garten zu sehen: Anemone, Gundermann, hier zusammen mit rot-schwarzen Feuerwanzen, weiße und lila Hyazinthe, Schwertlilie, Krokusse, Leberblümchen, Lenzrose, Pflaume, Ranunkel, Scharbockskraut, Vergissmeinnicht mit weißer Tulpe, Hain-Veilchen, Immergrün, Beinwell, japanische-Mahonie, Zierquitte, Salweide

Im nächsten Artikel werde ich einige dieser Pflanzen genauer vorstellen und die Beobachtungen der Tierwelt im März ergänzen.

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Fr

10

Mär

2017

Die Natur erwacht immer mehr: Vogelgesänge,  einige blühende Pflanzen, Bienen, Fledermäuse im Februar

Vielfalt in meiner nahen Natur im Februar

Es ist immer wieder eine Freude, wenn schon morgens Vogelgesang zu hören ist, in unserem Garten, auf meinen täglichen Spaziergängen immer mehr Vögel zu sehen und zu hören sind: Amseln, Blaumeisen, Buchfinken, Buntspechte, Eichelhäher, Elstern, Gimpel, Goldhähnchen, Grünspechte, Kernbeißer, Kohlmeisen, Mäusebussarde, Rotdrosseln, Rotkehlchen,  Schwanzmeisen, Singdrosseln,- einige scheinen schon um Reviere und Weibchen zu kämpfen, immer mehr treten paarweise auf und stets begleitet und erfreut mich der vielfältige Gesang der verschiedenen Vögel.

 

Zu Beginn des Jahres freue ich mich besonders über jede Blüte in meinem Garten und am Wegesrand, über jeden blühenden Strauch oder Baum: Die langen, gelben männlichen und die so kleinen, roten weiblichen Haselblüten, die ich zum ersten Mal so richtig entdeckt habe, die so intensiv roten Zaubernuss-Blüten, die auf dem Bild oben in unserem Garten aus dem Schnee leuchten, das erste Veilchen, das den Frühling ahnen lässt, die so zarten, hübschen Schnee- bzw. Frühlingsglöckchen, das erste Frühlings-Nabelnüsschen (Gedenkemein), die erste Huflattichblüte in meinem Garten, die Kornelkirsche, die Schwarzerlenblüten, den so intensiv rosa blühenden Winterschneeball auf meinen Spaziergängen im Von-Wedelstaedt-Park und im Skulpturenwald.

Wenn ich dann auch schon Gundermann- und Waldmeister- Blätter sehe und die auffallenden Blätter des Leberblümchen in unserem Garten entdecke, an einem Tag sogar schon die Bienen an der Forststation Rheinelbe emsig flogen und die Schwarzerlenblüten besuchten, die erste Fledermaus in unseren Garten zu sehen war, scheint der Frühling nicht mehr weit zu sein, obwohl das Wetter alles bot: Schnee und Sonne, Frost und Regen, tagsüber Temperaturen von 3°C bis 11°C,

Ausgewählte Tiere im Februar

Ich höre ihn oft eher als ich ihn sehe; denn sein Reviergesang klingt wie ein lautes Lachen. Er wird laut NABU deshalb auch "lachender Specht" genannt und war "Vogel des Jahres 2014". Gesehen habe ich ihn auf einer Wiese im Von-Wedelstaedt-Park, wo er wahrscheinlich auf der Suche nach seiner Lieblingsspeise, den Ameisen, mit seinem Schnabel Löcher in die Wiese gebohrt hat. "Auch Industriebrachen hat der Grünspecht zunehmend für sich entdeckt. Dort nimmt er im Gegensatz zu den Streuobstwiesen sogar stark zu. Im städtischen Bereich bieten besonders Ortsränder und Gegenden mit altem Baumbestand ideale Bedingungen für den Grünspecht – sofern dort keine Pestizide verwendet werden, die seine Nahrungsgrundlage, die Ameisen, beeinträchtigen."(NABU)

  • Der Buntspecht (Dendrocopus major, s. Foto unten rechts)

Der Buntspecht ist in den letzten Jahren ein sehr häufiger, regelmäßiger Gast in unserem Garten und besucht auch gerne unser Vogelhaus (s. Foto). Mit seinen leuchtend roten Unterschwanzdecken fällt er natürlich sofort auf und das Männchen hat dazu auch noch einen auffallend roten Genickfleck. Im Gegensatz zum Grünspecht sucht der Buntspecht seine Nahrung nicht auf dem Boden, sondern eher in Baumkronen, wo er häufig auf meinen Spaziergängen zu sehen ist. Sobald ich die "Trommelwirbel" höre,die laut wikipedia während der Balzzeit, ab Dezember, besonders deutlich zu hören sind, schaue ich nach ihm die Baumstämme ab und sehe ihn dann oft. Hier sucht er Insekten und Larven, kann im Winter aber seine Nahrung auf Samen, Früchte und Beeren umstellen. Wie alle Spechte (Picidae) sei auch der Buntspecht ein Höhlenbrüter und baue seine Nester z.B. in Baumhöhlen. 

  • Der Gimpel oder Dompfaff (Foto unten links)

Vor allem das Männchen ist auffällig hübsch mit seiner leuchtend roten Brust und dem schwarzen Kopf. Das Weibchen, das ganz in seiner Nähe war, ist wesentlich unauffälliger. Wir freuen uns immer, wenn die Gimpel in unseren Garten kommen, mit ihrem schönen, bunten Gefieder. Laut wikipedia findet die Paarbildung häufig im Januar statt. "Der Gimpel führt eine monogame Brutehe". Außerhalb der Brutzeit lassen sich die wenig scheuen Vögel oft in kleinen Gruppen sehen. (Was fliegt denn da?) Im letzten Jahr haben wir im Garten einmal sechs Männchen auf einmal gesehen. An dem kräftigen Schnabel lässt sich gut erkennen, dass der Gimpel oder Dompfaff (Pyrrhula pyrrhula (L.) zur Familie der Finkenvögel (Fringillidae) gehört, die sich vor allem von Samen, Früchten und Knospen ernähren. (wikipedia)

Ausgewählte Pflanzen im Februar

Die Kornelkirsche, auch Herlitze oder Gelber Hartriegel genannt, gehört zur Familie der Hartriegelgewächse (Cornaceae). Die im Februar so intensiv gelb blühenden, großen Sträucher, von denen mehrere in meiner Nähe stehen, erfreuen nicht nur mich, sondern sind auch, im Gegensatz zu den auch gelb, etwas später blühenden Forsythien, eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, "Durch die frühe Blütezeit ist die Kornelkirsche eine besonders wichtige Bienennährpflanze..."(wikipedia) Die vor den Blättern erscheinenden Blüten können laut Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen ( Seite 269) im Februar und März als Aroma für Tee und Spirituosen verwendet werden. Der Name Kornelkirsche weist auf die im Herbst vorhandenen roten, fleischigen Früchte hin, die aber mit Kirschen botanisch nicht näher verwandt seien. "Die Kirschen werden von Vogelarten wie Kernbeißer, Dompfaff, Kleiber und Eichelhäher sowie Haselmaus und Siebenschläfer gefressen." (wikipedia) Ich denke, dass die Kornelkirsche also eine gute Bereicherung für unsere Garten ist und mein Mann versucht deshalb sie in unserem Garten zu züchten.

Mir gefallen diese zarten weißen Blüten immer sehr und sie erinnern mich an kleine, hübsche Laternen, aber auch an Glöckchen, die den Frühling einläuten, weswegen sie auch teilweise als Frühlingsglöckchen bezeichnet werden. Wie schön! Laut wikipedia hat der deutsche Name seinen Ursprung daher, dass es im Frühling aus dem Schnee herausragt und der botanische Name leite sich von gala für Milch und anthos für Blüte ab. " Bestäuber sind vor allem Honigbienen, die besonders am Pollen interessiert sind, sowie Schmetterlinge. Vor dem Verblühen erfolgt Selbstbestäubung. Die Samen besitzen ein gekrümmtes Anhängsel (Elaiosom), welches der Verbreitung durch Ameisen dient." (wikipedia) Prima, dass der Garten auch den Tieren nützt. Das ist unser Ziel.

Auch das Leberblümchen ist laut wikipedia ein wichtiger Pollenlieferant für die Bienen und eine der ersten blühenden Pflanzen im Frühling. Wie  schön, dass es in unserem Garten wächst. Die besonderen dreilappigen Blätter, die der Blume ihren Namen gegeben haben, da ihre Form, ihr Umriss, an eine menschliche Leber erinnern soll, erkenne ich immer sofort und freue mich dann auf die bald erscheinenden blauen Blüten. Besonders schön und beeindruckend waren die Leberblümchen in einem Frühlingsurlaub auf Rügen, im Mönchgut: Auf unserem Spaziergang trafen wir auf dem Waldboden auf einen ziemlich großen, leuchtend blauen Blütenteppich.

 

Bereits Mitte März sind schon wieder so viele weitere blühende Pflanzen zu sehen und immer mehr Vögel zu beobachten, auch wie sie Nester bauen, tummeln sich dort schon Bienen und Hummeln und wir können immer mehr Zeit in unserem Garten und auf der Terrasse verbringen. Toll. Mehr dazu im April.

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Do

02

Mär

2017

Natur ganz nah im Januar 2017: Fuchs, Vögel, Pflanzen

Meine Entdeckungen im Januar

Die schönste Beobachtung im Januar diesen Jahres war ein Rotfuchs, der in ca. 10 m Entfernung für wenige Minuten ruhig auf einem Grundstück an der Leithestraße stand. Ich war fasziniert; er sah gut genährt aus, mit einem schönen Fell. Toll fand ich ebenfalls, dass ein Habicht um die Himmelstreppe flog und bei dem Anblick der hübschen grün-weißen Blätter des italienischen Aronstabs, der sich zunehmend auf der Halde Rheinelbe ausbreitet, bekomme ich schon richtig Vorfreude auf den Frühling.

Auch einige Vögel waren schon ziemlich regelmäßig zu sehen und zu hören: Vor allem Kohlmeisen und Rotkehlchen. Die Kohlmeise Parus major), die bekannteste und größte Meise, ein häufiger Brut- und Jahresvogel, ist links auf dem Bild zu sehen. Es macht mir nicht nur Freude die Vögel zu malen, sondern durch das Zeichnen mit den Aquarellstiften kann ich mir die Besonderheiten des jeweiligen Vogels besonders gut einprägen. Als gute Vorlage, auch zum Bestimmen der beobachteten Vögel, dient mir das Buch von Peter H. Barthel und Paschalis Dougalis "Was fliegt denn da?".

Entdeckte Pflanzen und ihre Wirkung

Links auf dem Foto sind die hübschen Blätter des Aronstabs zu sehen, der aber giftig ist und zwar alle Teile der Pflanze. "Wenn man die dreieckförmigen Blätter kaut, entsteht durch das Oxalat ein Piksen auf der Zunge. Vor allem beim Weidevieh wurden tödliche Vergiftungen durch Verzehr der Blätter im Frühjahr beobachtet." Der Name soll von der biblischen Figur des Aaron stammen, "...dessen Stab als Zeichen seiner Auserwählung zum Hohepriester ergrünte, als er auf die Bundeslade gelegt wurde." (wikipedia) Er bekommt im Frühling wunderschöne Blüten und im Herbst erst grüne, dann kräftig rote Beeren.

Im Januar lagen die Temperaturen tagsüber in der Regel zwischen 0°C und knapp 10°C, nur selten unter 0°C. Es war oft sonnig, manchmal bewölkt und feucht, manchmal morgens noch Frost, einmal sogar Schnee und trotzdem waren schon einzelne Blüten folgender Pflanzen zu sehen:

  • Das schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens) ein Migrant aus Südafrika, der auf der Halde gut wächst, weil sie die Wärme gut speichern kann. Es gehört zu der Familie der Korbblütler (Asteraceae). "Nichts zum Essen, aber in seiner Heimat wird die zerquetschte Pflanze zur Wundheilung aufgelegt. Die bakterientötende Wirkung ist wissenschaftlich belegt." (Ursula Stratmann)
  • Die erste blauviolette Blüte des Immergrün (Vinca L.) aus der Familie der Immergrüngewächse (Apocynaceae) war auch schon in unserem Steingarten zu sehen.

Interessant fand ich auch, dass der Sommer- oder Schmetterlingsflieder (Buddleja L.) und die Brombeersträucher (Rubus), ein Rosengewächs (Rosaceae) schon grüne Blätter hatten. Sind sie denn immergrün? Das muss ich weiter beobachten. Beide sind auf dem Weg zur Halde Rheinelbe sehr viel vorhanden. Laut Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen können kleinste Triebspitzen der Brombeeren im März und April roh genascht aber auch als Gemüse gekocht werden. "Aufgrund des Gerbstoffgehalts werden die Blätter arzneilich als Mittel bei Durchfall verwendet." (S: 95)

In meinem Steingarten waren die ersten zarten Blätter des Grauen Storchschnabels zu sehen, einer Zierpflanze und am Weg neben unserem Garten sah ich die ersten Blätter des Ruprechtskrauts (Geranium robertianum L.), beide aus der Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae). Der Name wird erklärlich, wenn ich später die Früchte zeigen kann. Das Ruprechtskraut wurde laut wikipedia vielfältig in der Volksheilkunde eingesetzt, als Heil- und Stärkungsmittel sowie gegen Durchfall. "Geranium robertianum findet auch Verwendung als Wirkstoff in homöopathischen Arzneimitteln.[3] Die zugeschriebenen Wirkungen, besonders gegen Harnwegsinfekte und Durchfall, sind wissenschaftlich jedoch nicht bestätigt."

Ob es sich bei   Blättern, links neben dem Rotkehlchen, auf Seite 7, um Nelkenwurz handelt, muss ich noch anhand der späteren Blüten und vor allem der Früchte herausfinden.

Tiere im Januar

Im Januar waren in meiner Nähe vor allem Amseln, Kohlmeisen und Rotkehlchen zu sehen. Letzteres ist hier links auf dem Foto hoffentlich ganz gut zu erkennen. Ich habe es mit Aquarellstiften gemalt.

Für mich alles andere als alltäglich war, dass ich an einem Tag endlich einmal einen Fuchs, ganz nah, sehen konnte, ein Habicht an der Himmelstreppe flog und wir bei einem Ausflug ins Münsterland, bei Velen, auf einem Feld drei Silberreiher gesehen haben.

 

 

 

  • Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula L.) ist ein kleiner, zutraulicher Vogel, ein häufig zu beobachtender Winterbegleiter. Ich sehe ihn in unserem Garten, am Vogelhaus und auf meinen Spaziergängen zur Halde Rheinelbe fast täglich. Er ist klein, etwas rundlich, häufig sehr zutraulich und setzt sich z.B. sogar auf unseren Spaten, wenn wir im Garten arbeiten. Er hüpft viel auf dem Boden, ist ein häufiger Brut-, Jahres-, Zugvogel und Wintergast, ein "Dickichtvogel", Erdbrüter (Brohmer: Fauna von Deutschland, 23. Auflage, S. 712). Er ist sehr gut daran zu erkennen, dass Stirn, Kehle und Vorderbrust intensiv rot sind. Ich finde auch den Gesang des Rotkehlchens sehr schön und es singt quasi das ganze Jahr und fast den ganzen Tag. "Sein Gesang beginnt etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang und ist bis in die Dämmerung fast das ganze Jahr über zu hören. Die Art gilt derzeit als ungefährdet." (wikipedia)
  • Der Rotfuchs (Vulpes vulpes L.) gehört zur Familie der Hunde (Canidae). Füchse, in Mitteleuropa gibt es nur den Rotfuchs, sind zunehmend in Städten unterwegs und Allesfresser. "Bei Stadtfüchsen machen natürliche Futterquellen wie Nager nur einen geringen Anteil aus, stattdessen dominieren kultivierte Früchte, Küchenabfälle (inklusive Kompost und Fleischresten) sowie für Katzen oder Vögel angebotenes Futter." (wikipedia) Laut wikipedia ist die Fähe nur im Januar/Februar und dann nur für zwei bis drei Tage befruchtungsfähig. Vielleicht war also gerade ein Rüde unterwegs, um eine Partnerin zu finden.
  • Der Habicht (Accipter gentilis L.) ist ein sehr hübscher, mittelgroßer Greifvogel. Der "edle Greifer", Vogel des Jahres 2015, ist laut NABU seit Jahrhunderten ein beliebter und bewunderter Jagdbegleiter. Das Buch von Helen Macdonald  "H wie Habicht", das ich von meiner Freundin Petra geschenkt bekommen habe, hat mich fasziniert. "Helen Maconald ist etwas gelungen, was in der Literatur sehr selten ist: die absolut realistische Beschreibung der Beziehung eines Menschen zum Bewusstsein eines Tiers. Eine unglaubliche Leistung und Mabel ist der Star." (Sunday Times). Helen Macdonald hat das Habichtweibchen, das sie abrichtete, Mabel genannt.
  • Der Silberreiher (Casmerodius alba), aus der Familie der Reiher (Ardeidae), ist ein großer, langhalsiger, elegant wirkender weißer Schreitvogel mit gelbem Schnabel und langen, dunklen Beinen und Füßen. Laut "Was fliegt denn da?" kommt er außerhalb der Brutzeit zunehmend in Deutschland vor und ist auf Wiesen und Feldern, auf denen wir sie gesehen haben, auf Mäusejagd.

In den nächsten Tagen werde ich bloggen welche Entdeckungen ich in meinem nahen Umfeld im Februar gemacht habe. Es waren einige Vogelarten und Blüten mehr zu sehen.

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So

26

Feb

2017

Die Natur im nahen Umfeld entdecken: Blumenpresse, Vogelbilder, Heilpflanzen...

Mein Naturtagebuch

Seit dem Anlegen eines Herbariums für meine  Ausbildung zur pharmazeutischen Vorexaminierten, vor langer Zeit, habe ich zunehmend Freude daran entwickelt bei jedem Spaziergang auf Pflanzen am Wegesrand zu achten und immer wieder versucht sie zu bestimmen. Als meine Söhne klein waren, haben sie mit Begeisterung einige Namen zusammen mit mir gelernt und ein paar bis heute behalten, z.B. Digitalis purpurea für Roten Fingerhut und Tussilago farfara für Huflattich. Heute hab ich im Garten zufällig schon die erste Huflattichblüte entdeckt, die vor den Blättern erscheint.

Durch meinen Mann habe ich viel Freude daran bekommen die verschiedenen Vögel, die unseren Garten besuchen und die wir unterwegs sehen, zu beobachten, zu unterscheiden. Das Tolle daran ist, dass ich immer mehr in meiner nahen Umgebung entdecke, mein Blick ins Kleine immer größer wird und unser Garten, der tägliche Spaziergang mit Birka, meinem Hund, zu jeder Jahreszeit immer auch eine Entdeckung ist. Auf dem Bild ist z.B. ein Gimpel- oder Dompfaff-Pärchen zu sehen, das zur Zeit wieder unseren Garten besucht und das ich immer mal wieder auf meinem Spaziergang zur Halde Rheinelbe sehe. Für mein Naturtagebuch habe ich es mit Aquarellstiften gemalt.

Durch meine Freundin Petra, die mich auf das Buch "Herbarium" von Rosa Luxemburg aufmerksam gemacht hat,  kam mir die Idee, nicht nur ab und zu Pflanzen zu bestimmen, zu pressen und zu verwahren, sondern systematischer im neuen Jahr ein Herbarium anzulegen. Da ich mich aber auch sehr für die Tiere in meinem nahen Umfeld interessiere, ist die Idee eines Natur-Tagebuchs entstanden. Inspiriert haben mich dazu die Bücher meiner Freundin Ingrid: "Vom Glück mit der Natur zu leben - Das Tagebuch der Edith Holden", und Jürgen Dahl: "Nachrichten aus dem Garten".

Pflanzen sammeln, bestimmen, pressen

  • Pflanzenpresse bauen:

Zuerst einmal hat mein Mann mir eine neue Pflanzenpresse gebastelt (DIN A 4), deren Gestaltung mit Japanischem Stauden-knöterich mir Spaß gemacht hat. Dieses Knöterichgewächs wächst an der Halde Rheinelbe und lässt sich z.B. zum Dekorieren und zum Bau einer Flöte verwenden. Auf der Seite der UNI Münster findest du eine Anleitung: "Wir bauen eine Pflanzenpresse". Ich habe die gepressten Pflanzen mit mattem Acryl-Binder auf der Holzplatte fixiert und mein Mann hat die Oberseite dann anschließend vorsichtig lackiert. Meine alte, gekaufte, Pflanzenpresse, (19 x 19 cm) war für manche Pflanzen doch etwas klein.

  • Pflanzen sammeln

Wenn ich spazieren gehe, habe ich immer eine Kamera und eine verschließbare Plastiktüte dabei, um neu entdeckte Pflanzen fotografieren zu können und sie, so wenig wie möglich, zum Bestimmen und Pressen mit nach Hause nehmen zu können. Was du beim Sammeln der Pflanzen beachten solltest -  Ausrüstung, Naturschutz, Sammelziel - findest du hier: "Sammeln von Pflanzen"

  • Pflanzen bestimmen

In meiner Ausbildung in der Apotheke und an der UNI habe ich gelernt Pflanzen mit dem Schmeil-Fitschen zu bestimmen. Das ist für Einsteiger_innen aber sicher nicht einfach. Mir hilft "Pareys Blumenbuch" immer gut. Es ist bei jedem meiner Urlaube innerhalb Deutschlands und Nordwesteuropas dabei und hier trage ich auch immer ein, wann und wo ich die so bestimmte Pflanze gefunden habe. Für den Alltagsgebrauch ist es in meinen Augen sehr hilfreich. Am einfachsten ist es Pflanzen an ihren Blüten zu unterscheiden; siehe dazu auch "Wie kann man Pflanzen an ihren Blüten unterscheiden?" der UNI Münster und "online Pflanzenbestimmung". Mir haben geführte Exkursionen zur Bestimmung von Pflanzen und Tieren immer sehr viel Freude gemacht und ich habe viel dabei gelernt: Z.B. an der UNI Münster, im botanischen Garten in Münster, in der Zeche Zollverein und auf verschiedenen Halden in Gelsenkirchen. Siehe z.B. meine blog-Artikel: "Schmetterlinge auf Zollverein", zur Kräuterwanderung auf der Rungenberghalde, zur Kräuter-Pilz-Wanderung im Schwarzwald. Sicher gibt es mittlerweile an vielen Orten solche geführten Exkursionen, z. B. vom NABU.

  • Pflanzen pressen

Die UNI Münster hat auch eine kurze Anleitung zum Pressen der Pflanzen für diejenigen, die damit beginnen möchten. Mit gepressten Pflanzen kann ich ja nicht nur ein Herbarium anlegen, sondern sie auch für Bilder, Geschenkkarten, Lesezeichen und vieles mehr verwenden.

Mein erste Seite: Der Löwenzahn

Hier schon einmal die erste Seite meines Tagebuchs von unserem Neujahrsausflug ins Münsterland und weiteren Spaziergängen in meiner Nähe. Ich war so überrascht bereits im Januar, bei frostigem Wetter, schon einige Löwenzahnblätter zu finden. Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass ich immer mehr sehe, je länger ich mit offenen Augen für die Natur in meiner unmittelbaren Umgebung unterwegs bin; denn ich hatte Löwenzahnblätter bisher noch nie so früh wahrgenommen.

Mich interessiert auch immer welche Wirkung die Pflanzen haben und wozu sie verwendet werden können. Der Löwenzahn (Taraxum) aus der Familie der Korbblütler, Köpfchenblütler (Asteraceae), ist ein Wildkraut, das vom Geschmack her ein wenig an Chicoree erinnert aber laut Ursula Stratmann mehr als 10 mal so viel Vitamin B1 und Vitamin C enthält wie Chicoree (Chicoree: 18mg/100g Vitamin B1, 10mg/100g Vitamin C , Löwenzahn: 200mg/100g Vitamin B1, 113mg/100g Vitamin C). "Entgiftet, regt Leber und Niere an, ist krebsvorbeugend ..." (U. Stratmann "Mein Stadtkräuterbuch")

Sehr ausführliche Informationen über Inhaltsstoffe und Verwendung der Pflanzen finde ich immer in der Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen. Hier steht auf S. 401 z.B., dass die jungen, frischen Löwenzahnblätter sich von März bis Juni gut für Rohkost und Salate eignen;  dazu ist es jetzt wohl noch zu früh. Es ist schon faszinierend zu lesen wie viele und welche Inhaltsstoffe der Löwenzahn hat und wie vielfältig seine Verwendungsmöglichkeiten sind. Auch die Blütenknospen und Blüten sind danach essbar, aber die entwickeln sich auf jeden Fall erst später. Mehr dazu ab März.

Zu welcher Pflanze die Blättchen links neben dem Löwenzahn gehören weiß ich noch nicht und hoffe, dass ich sie bestimmen kann, wenn die Blüten zu sehen sind. Ich meine, dass sie auch in meinem Garten wächst. Dazu ist dieses Tagebuch dann auch toll: Ich kann später die Blätter, zusammen mit der Blüte, mit diesen Blättchen vergleichen.

In meinem nächsten blog-Artikel werde ich weitere Pflanzen zeigen, die ich im Januar und Februar gefunden habe, einige sind Heilpflanzen oder giftige Pflanzen, ich habe weitere Zeichnungen von ausgewählten Vögeln gemacht, die ich in den beiden Monaten beobachten konnte und noch andere Tiere beobachtet.

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Di

31

Jan

2017

Stickstoffdioxid: Aktuell "Schadstoff Nummer 1" (2017)

Stickstoff und seine Verbindungen sind lebensnotwendig und toxisch

Stickstoffdioxid ist seit Langem als Umweltproblem bekannt, nicht erst seit dem Abgasskandal. Mein Sohn Arne hat daher angeregt darüber zu bloggen. Heute gab das Umweltbundesamt bekannt, dass die Luft in deutschen Städten 2016 zu stark mit Stickstoffdioxid belastet war. Stickstoffdioxid war 2016 "Schadstoff Nummer 1", während bei Feinstaub und Ozon ein Abwärtstrend zu beobachten sei. (s. mein blog- Artikel "Ozon - eine Sauerstoffverbindung die schaden und schützen kann.") Also, Stickoxide sind und bleiben ein Problem, vor allem in Ballungsgebieten. Ein wichtiges Thema für uns, für unsere Umwelt.

 

Gesundheitsrisiken

Studien zur Kurzzeitwirkung von Stickstoffdioxid haben einen Zusammenhang zwischen der Erhöhung der Konzentration von Stickstoffdioxid und folgenden Gesundheitsrisiken ermittelt: Zunahme der Gesamtsterblichkeit, Herz-Kreislauf-bedingter Sterblichkeit, Atemwegserkrankungen, Asthma, chronischer Bronchitis und Verschlechterung der Lungenfunktion. "Über die Langzeitwirkungen von Feinstaub und Stickstoffdioxid existieren bislang vergleichsweise wenige umweltepidemiologische Studien." ("Gesundheitliche Wirkungen von Feinstaub und Stickstoffdioxid im Zusammenhang mit der Luftreinhalteplanung" vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW)

 

Stickstoff und seine Verbindungen: Bedeutung und Belastung

Stickstoff ist, entgegen dem, was der Name nahelegt, der Hauptbestandteil unserer Atemluft, mit ca. 78 %. Sauerstoff ist nur zu ca. 21% in unserer Atemluft enthalten. Den Namen hat das Gas daher, dass es Flammen erstickt. Es ist farblos, geschmacklos, geruchlos, bei Zimmertemperatur gasförmig und nicht brennbar.

Stickstoff ist biochemisch von großer Bedeutung. Das Element ist lebensnotwendig; denn Eiweiße, fast alle Zellbausteine enthalten chemisch gebundenen Stickstoff. "Stickstoff wird von allen Lebewesen benötigt, da er Bestandteil von Aminosäuren in Proteinen, von Nukleinsäuren und von anderen essentiellen chemischen Stoffen der Lebewesen ist." (wikipedia) Im Stickstoffkreislauf findet die Aufnahme von Stickstoff aus der Luft nur durch bestimmte Pflanzen in Symbiose mit Bakterien und die Abgabe von Stickstoff bei der Zersetzung der Organismen statt.

 

Stickoxide

Es gibt eine große Anzahl wichtiger Stickstoffverbindungen und allein neun verschiedene Stickoxide: Distickstoffmonoxid (Lachgas, N2O), Stickstoffmonoxid (NO), Distickstoffdioxid (N2O2), Distickstofftrioxid (N2O3), Stickstoffdioxid (NO2), Distickstoffteroxid (N2O4), Distickstoffpentoxid (N2O5), Stickstoffperoxid (NO3) und Distickstoffhexoxid (N2O6). Deshalb findet sich in einigen Artikeln als Abkürzung für Stickoxide oft die Formel NOx. 

Toxische Bedeutung haben vor allem das Stickstoffmonoxid und das Stickstoffdioxid. "Sie entstehen vor allem dort, wo Verbrennungen bei hoher Temperatur erfolgen, z.B. in konventionellen Kraftwerken, in Kraftfahrzeug-motoren oder Flugzeugtriebwerken." (Schüler Duden Chemie, 1995, S. 385) "Besonders der Straßenverkehr und die Industrie belasten unsere Luft. Stickstoffdioxid entsteht vor allem bei Verbrennungsprozessen in Dieselmotoren und Ofenanlagen und gelangt über Auspuff oder Schornstein in die Luft." (WDR, 30.1.2017)

 

Was tun?

Kann die "blaue Plakette" unsere Atemluft sauberer machen, die Gesundheitsrisiken deutlich verringern? Gibt es weitere Vorschläge, Möglichkeiten? Was trägt wie alles zur gesundheitsgefährdenden Konzentration der Stickoxide bei? Wo ist die Belastung mit Stickoxiden besonders groß? Wie kann ich mich über die jeweilige Situation vor Ort informieren und schützen?

 

Es ist ein komplexes Unterfangen sich mit den Stickoxiden als Schadstoffen auseinanderzusetzen. Dies ist erst einmal eine Anfang, eine Annäherung an dieses Problem. Ich werde weiter darüber bloggen.

 

 

 

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Di

24

Jan

2017

Schnee, Eis- und Schnee-Experimente (2017)

Schnee-Vergnügen

Wenn der erste Schnee fällt, ist die Freude bei vielen Menschen groß; denn er ermöglicht in der kalten Jahreszeit besondere Freizeitvergnügen: Rodeln, Skifahren, Schneemänner bauen, Snowboarden, auch mal im Schnee spazieren gehen, joggen, biken. Außerdem sieht die verschneite Natur  wunderschön aus, werden Geräusche gedämpft und ist es in der dunklen Jahreszeit dann so wunderbar hell.

 

Was ist Schnee?

Schnee besteht aus vielen kleinen Eiskristallen zwischen denen Luft eingeschlossen ist. Deshalb lässt er sich im Gegensatz zu Eis auch durch Druck zusammenpressen. Es gibt viele Arten von Schnee je nach Alter und Feuchtigkeit wie z.B. Neuschnee, mit feinen verzweigten Eiskristallen, Feuchtschnee, der unter Druck gut zusammenhält und sich daher prima für Schneemänner und Schneebälle eignet, Pulverschnee, der kaum zusammenhält etc.. Im Reiseführer "Schneehoehen" sind zehn verschieden Schneearten beschrieben und besonders beeindruckt hat mich wie vielfältig die Inuit die Schneearten erleben und beschreiben können in dem Roman Fräulein Smillas Gespür für Schnee . Weiß erscheint uns der Schnee dadurch, dass er das weiße Licht reflektiert.

 

Wie entsteht Schnee?

Wichtige Voraussetzungen sind eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit und relativ niedrige Temperaturen. Im Gegensatz zu Eis, das wir durch Gefrieren von Wasser herstellen können, bildet sich Schnee aus Wasserdampf, der beim Abkühlen zu Wassertropfen kondensiert (flüssig wird), die bei weiterer Abkühlung an Kristallisationskeimen gefrieren. An den Kristallisationskeimen wie Staub, Schmutzteilchen oder Rußpartikel entstehen dann sechseckige Kristalle, die je nach Bedingungen mehr oder weniger wachsen. Die Schneeflocken, die aus vielen Eiskristallen gebildet werden, sind um so kleiner je tiefer die Temperaturen sind und dann eher prismen- oder plättchenförmig und bei höheren Temperaturen, ab -5°C, entstehen besonders große Schneeflocken und eher sternenförmige Kristalle. "Solange die kleinen Eiskristalle und größeren Schneeflocken in einer Wolke mit hoher Luftfeuchtigkeit und niedrigen Temperaturen herumwirbeln, wachsen sie weiter. Die Luftfeuchtigkeit wird mehr oder weniger verbraucht, die Schneeflocken aber werden durch die relative große Menge an gefrorenem Wasser immer schwerer. Sie sinken zu Boden und verlassen damit den Bereich, in welchem so gute Wachstumsbedingungen herrschten. Das Kristallwachstum an Schneeflocken begrenzt sich damit von selbst." (kids and science)

Erklärungen zu Eis- und Schnee-Experimenten

In meinem letzten Artikel habe ich geschrieben, dass aus mehr als 100ml Schnee durch Schmelzen 40ml Wasser entstehen. Wie ist das zu erklären?

Ein Wassermolekül besteht aus einem Sauerstoffatom, das mit zwei Wasserstoffatomen verbunden ist. Sauerstoff (O) steht in der 6. Gruppe des Periodensystems und hat eine relativ hohe Elektronegativität (3,5), also eine relativ große Fähigkeit in einer Bindung Elektronen anzuziehen;  Wasserstoff (H) steht in der 1. Gruppe und hat eine relativ niedrige Elektronegativität (2,1). Da der Sauerstoff das gemeinsame Elektronenpaar also näher anzieht, trägt er eine negative Partialladung und Wasserstoff eine positive Partialladung. Da das Wassermolekül gewinkelt ist, entsteht somit ein Dipol. "Weil Wassermoleküle Dipole sind, besitzen sie ausgeprägte zwischenmolekulare Anziehungskräfte und können sich durch Wasserstoffbrückenbindung zu Clustern zusammenlagern. Dabei handelt es sich nicht um beständige, feste Verkettungen. Der Verbund über Wasserstoffbrückenbindungen besteht nur für Bruchteile von Sekunden, wonach sich die einzelnen Moleküle wieder aus dem Verbund lösen und sich in einem ebenso kurzen Zeitraum erneut – mit anderen Wassermolekülen – verketten. Dieser Vorgang wiederholt sich ständig und führt letztendlich zur Ausbildung von variablen Clustern. Diese Vorgänge bewirken die besonderen Eigenschaften des Wassers." (wikipedia) Diese Wasserstoffbrückenbindungen und die daraus resultierende Anomalie des Wassers ist in dem folgenden Video anschaulich beschrieben, das ich auch schon in meinem Artikel: "Sommerzeit, Eis-Zeit, Zeit für Eis-Exprimente und Eis-Rezepte" verwandt habe. In diesem Artikel stehen auch noch weitere Experimente und Erklärungen: Eisberge im Glas, Eis-Ausdehnung, Deformation durch Eis.

Wenn die Eiskristalle schmelzen, werden die Wasserstoffbrücken aufgebrochen, die Gitterordnung bricht auf, die Wassermoleküle können sich enger zusammen lagern und somit hat Wasser eine höhere Dichte (0,9999g/cm3) als Eis (0,9168g/cm3) bei 0°C . Da im Schnee auch noch Luft eingeschlossen ist, lässt sich der Schnee gut zusammendrücken und dadurch nimmt das Schnee-Schmelzwasser wesentlich weniger Volumen ein als der feste Schnee.

Umgekehrt platzt die Wasserflasche, wenn das Wasser gefriert, weil Eis eine geringere Dichte hat, somit ein größeres Volumen einnimmt. Dadurch schwimmt es auch auf dem Wasser und ermöglicht weiter das Leben im Wasser. Die Weinflaschen sind nicht geplatzt, da diese Anomalie nur für Wasser, nicht für Alkohol (hier: Ethanol) gilt. Außerdem erstarrt Ethanol erst bei -114,5°C.

Eis-Experimente mit Salz

Da schon seit Wochen die Temperaturen nachts unter 0°C sinken und auch tagsüber nur wenig über 0°C steigen, lässt sich gut mit Eis und Schnee experimentieren.

Ich habe ein Glasgefäß mit Leitungswasser und eines mit Salzwasser nachts draußen stehen lassen und am nächsten Morgen war das Leitungswasser gefroren, das Salzwasser nicht.

Heute morgen habe ich drei Eiswürfel nach draußen gestellt: Auf einen habe ich Salz gestreut, auf einen Zucker und einen habe ich unbehandelt draußen bei knapp über 0°C stehen lassen.

Beobachtungen: Der Eiswürfel, auf den das Salz gestreut war, begann sehr schnell, nach wenigen Minuten, langsam an der Oberfläche zu schmelzen (Foto rechts oben). Der Eiswürfel mit dem Zucker begann viel langsamer zu schmelzen und bei dem Eiswürfel ohne Salz und Zucker schmolz sichtbar so gut wie gar nichts (Foto links unten). Auf dem Foto rechts unten sieht man die Unterschiede sehr deutlich: Links ist der Eiswürfel ohne Zusatz, in der Mitte der Eiswürfel auf den ich das Salz gestreut habe und rechts der Eiswürfel auf den ich Zucker gestreut habe.

Erklärung: Lösungen haben einen niedrigere Gefrier- und Schmelzpunkt als Reinstoffe. "Die Wirkung des Auftausalzes beruht auf dem physikalisch-chemischen Effekt der molaren Schmelzpunkterniedrigung, durch den der Gefrierpunkt einer Flüssigkeit abnimmt, je mehr Teilchen in ihr gelöst werden." (wikipedia) Die Erstarrungstemperatur einer Kochsalz-Wasser-Lösung liegt unter 20°C, die von Wasser bei 0°C. Zwischen den beiden Aggregatzuständen fest und flüssig herrscht ein chemisches Gleichgewicht, so dass auch bei Temperaturen unter 0°C immer ein wenig Wasser vorhanden ist, in dem sich das Salz oder der Zucker auflösen können. "Herkömmliches Kochsalz eignet sich gut bei wenigen Minusgraden als Streusalz. Ab ca. -10 °C sind andere Salze wie etwa das umweltunschädlichere Calciumchlorid oder Magnesiumchlorid besser geeignet" (CHEMIE.DE "Streusalz") Auch wenn das Streusalz überwiegend aus Natriumchlorid (Kochsalz) besteht, verursacht es Umweltprobleme: "Die Verwendung von Auftausalz hat zahlreiche Nachteile für die Umwelt.[13] Das Salz gelangt mit dem Schmelzwasser in den Boden. Der dadurch verursachte übermäßige Eintrag von Natrium- und Chloridionen in den Boden hat negative Auswirkungen auf die Bodenstruktur, es kann zu Verschlämmung und Verdichtung kommen." (wikipedia) Wenn das Streusalz in die Gewässer gelangt, verursacht es dort Schäden bei Pflanzen und Tieren, bei Haustieren schädigt es die empfindliche Haut zwischen den Zehen und durch Korrosion entstehen Schäden an Fahrzeugen und Stahlträgern.

In dem wikipedia-Artikel steht, dass auch Alternativstoffe ausprobiert werden, die aber ebenfalls Nachteile besitzen.  In der Berner Zeitung ist z.B. zu lesen, dass die Schweiz versucht mit Zucker statt Salz gegen Straßenglätte vorzugehen. Laut "eilbote" wird auch in Großbritannien Zucker bzw. Melasse als Streusalzersatz eingesetzt und auch Mischungen aus Natriumchlorid und Zucker ausprobiert. Sie würden aber keine gute Alternative darstellen: Geringere Tauleistung, teurer, ebenfalls Probleme für Boden, Fauna, Flora, Gewässer sowie Ausbringungsprobleme. Es muss also weiter über Alternativen geforscht werden.

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Mo

23

Jan

2017

Eisblumen, Schneekristalle, Winterzeit - Beobachtungen, Experimente (2017)

Eis, Schnee, Wasser: Zustandsfor- men des Wasserstoffoxids

Wir sind gerade zurück aus einem wunderschönen Urlaub mit märchenhaft verschneiten Bäumen, Eisblumen an Fensterscheiben, Eiszapfen in plätschernden Bächen und Sonnenschein - was für ein Genuss! Wasser ist das einzige "Element", das wir in allen drei Aggregatzuständen in der Natur antreffen können; Fest (Eis, Schnee), flüssig (Bäche, Meere, Seen) und gasförmig (Wasserdampf). Chemisch ist Wasser eine Sauerstoffverbindung des Wasserstoffs, die durch Verbrennung von Wasserstoff entsteht: 

H2 + ½ O2 → H2O        ∆H = -286,0 kJ

 

Aufgrund der großen Elektronegativitätsdifferenz zwischen Wasserstoff und Sauerstoff zeigt das Wassermolekül ein starkes Dipolmoment und dadurch ungewöhnliche Eigenschaften: So eignet es sich z.B. gut als Lösungsmittel, ermöglicht die Oberflächenspannung des Wassers Wasserläufern sich auf der Wasseroberfläche zu bewegen, kristallisiert Eis in hexagonalen Kristallen, schwimmt Eis auf dem Wasser und ermöglicht somit auch in zugefrorenen Seen ein Leben unter Wasser usw.

Im Urlaub haben wir unfreiwilig das Experiment einer platzenden Wasserflasche erlebt. Auch im Winter lassen sich durch Beobachtungen und Experimente mit Eis und Schnee Erkenntnisse gewinnen. Siehe auch meinen blog-Artikel "Sommerzeit, Eis-Zeit, Zeit für Eis-Experimente und Eis-Rezepte"

Eisblumen, Eiskristalle, Eiszapfen

Wasser gefriert unter normalen Bedingen bei 0°C zu Eis. Je nach Druck und Temperatur tritt das Eis in verschiedenen Erscheinungsformen auf. Bei 0°C und unter normalem Druck erstarrt Wasser zu einer hexagonalen Form. (Schüler Duden Chemie, 1995, S.422f.) Auf dem Foto links oben lässt sich meines Erachtens ganz gut die regelmäßige Anordnung der Eiskristalle beobachten. Wir nennen sie auch Eisblumen, weil sie uns an die Form von Pflanzen erinnern. Diese Eisblumen an der Fensterscheibe unseres Autos sind eher sternförmige Eiskristalle (Dendriten). Auf der Schneeoberfläche (s. Foto oben rechts) lassen sich prismenförmige Schnee- bzw. Eiskristalle  erkennen, die so wunderschön in der Sonne glitzerten. Die Art des Kristallwachstums hängt von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Je tiefer die Temperatur desto eher entstehen Plättchen oder Prismen, je höher die Temperatur desto eher entstehen Sterne.

Die regelmäßige Anordnung der Eiskristalle entsteht dadurch, dass die Wassermoleküle über Wasserstoffbrücken so miteinander verknüpft sind, dass jedes Sauerstoffatom des Wassermoleküls tetraedisch von 4 weiteren Sauerstoffatomen umgeben ist. Dadurch entsteht ein hochpolymerer fester Verband aus Makromolekülen (Riesenmolekülen). "Sechs Wassermoleküle schließen sich dabei über Wasserstoffbrücken jeweils zu einem Ring zusammen, wobei jedes Molekül ebenfalls Teil von zwei benachbarten Ringen ist. Die hexagonale Symmetrie der Kristallstruktur spiegelt sich in der makroskopischen Gestalt der Eiskristalle wider."(wikipedia)

Eis-Experimente

Wie oben erwähnt haben wir im Urlaub unfreiwillig ein Eis-Experiment gemacht: Wir haben über Nacht eine Glasflasche mit Mineralwasser im Auto liegen gelassen. Am nächsten Morgen war aus dem Wasser Eis geworden und die Flasche geplatzt. Die auch im Auto liegenden Weinflaschen waren zum Glück nicht geplatzt.

Heute Nachmittag habe ich im Garten Schnee gesammelt und in den 100ml Messzylinder gefüllt. Aus den etwas mehr als 100ml Schnee ist bei Zimmertemperatur in ca. einer Stunde 40ml Wasser geworden.

Wie lässt sich das erklären?

Die Erklärung und weitere Experimente später.

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Sa

17

Dez

2016

Adventszeit, Backzeit: Mehl-Type, Vanillekipferl, Cantuccini (2016)

Auch Vanillekipferl (s. Foto) müssen in meiner Familie unbedingt in der Adventszeit gebacken werden. Wir alle lieben Vanille, finden die Kipferl köstlich und ihr Duft gehört für uns zur Adventszeit dazu. Für mich passen sie z.B. auch sehr gut zu Mousse au chocolat, meinem Lieblings-Dessert.

Haben die US-Chemiker-innen denn hierzu einen Verbesserungs-vorschlag? Welche Mehl-Type empfehlen sie und warum?

Die richtige Mehl-Type wählen

In dem WAZ-Artikel "Mehl, Zucker, Backpulver – Die Wissenschaft des Backens" steht nicht nur wann ich Backpulver und/oder Natron verwenden soll, sondern auch welche Mehl-Type für welches Gebäck sinnvoller ist.

Vanillekipferl, die auf der Zunge zergehen sollen, sollten eher mit Mehl der Type 405 gebacken werden, da es wenig Protein und somit wenig Gluten enthält. Proteine (Eiweiße) sind Makromoleküle (Riesenmole- küle) aus Aminosäuren, die über Peptidbindungen miteinander verbunden und ein essentieller Baustein aller Zellen sind. Sie sind wesentlich für die Struktur und Funktion der Zellen, beeinflussen z.B. als Enzyme und Hormone den gesamten Stoffwechsel, übernehmen Transportfunktionen im Blut, sind bedeutsame Bauelemente aller Biomembranen. (s. Schüler Duden Biologie, Meyers 1994, S.113) Gluten ist ein Proteingemisch, das in Getreide-Samen vorkommt und auch Klebereiweiß genannt wird. Die verschiedenen Mehl-Typen enthalten laut dem Buch (s.o.) unterschiedlich viel Gluten. Je höher die Type-Nummer desto höher der Anteil an Gluten: Type 405 enthält nur bis 11 Prozent, Type 550 10 - 13 Prozent und Type 812 12 - 14 Prozent. Je knackiger das Produkt werden soll desto höher darf der Gluten-Anteil sein, je zarter desto geringer. So sollte ich für zarte Vanillekipferl Mehl der Type 405 verwenden, für Brot wird deshalb gerne Mehl der Type 812 verwendet und z.B. Cookies, die eher knackig werden sollen, können mit Mehl der Type 550 gebacken werden. Also werde ich mir jetzt auch die Mehl-Type 405 wieder zulegen.

 

Rezept Vanillekipferl

Zutaten: 175 g Butter, 200 g Mehl (Type 405), 80 g Zucker, 2 Eigelb, 1/2 Vanilleschote, 100 g gemahlene Mandeln,

              30 g Puderzucker und 1 EL Vanille-Zucker zum Bestreuen

Zubereitung: Alle Zutaten zu einem glatten Teig kneten, daraus zwei lange Rollen formen und in Folie oder                   Backpapier eingehüllt eine Stunde kalt stellen.

                  Die Rollen in 30 - 40 Scheiben schneiden, jedes Teig-Stück zuerst zu einer Rolle und dann zu einem                    Kipferl formen und im Backofen bei 150° Umluft ca. 10 - 15 Minuten backen. Die Kipferl nach dem                   Backen gut mit dem Puder-Vanille-Zucker-Gemisch bestreuen.

Nachlese zu meinem blog-Artikel: Adventszeit, Zeit des Backens: Triebmittel ...

Dieses Mal habe ich das Cantuccini-Rezept entsprechend der Empfehlung der US-Chemiker_innen abgewandelt und als Triebmittel eine Mischung aus Backpulver und Natron verwendet. Es hat mich doch gereizt, ob ich einen Unterschied feststellen kann. Auf jeden Fall wurden sie schneller und meines Erachtens gleichmäßiger braun und ich habe die Backzeit jeweils um 2 Minuten verringert; sonst wären sie mir verbrannt. Also, Achtung, wenn die Rezepte so abgewandelt werden. Ich meine auch, dass sie tatsächlich noch etwas aromatischer sind, Klaus hat das nicht geschmeckt. Also, einfach einmal ausprobieren!

Rezept Cantuccini: In Klammern die Abwandlung

Zutaten: 175 g gehobelte Mandeln, 250 g Mehl, 180 g Zucker,                     1 TL Backpulver (knapp 2 TL Backpulver und 1/2 TL Natron),               Mark einer Vanilleschote, etwas Amaretto, 1 Prise Salz,

              125 g zimmerwarme Butter, 2 Eier

 

Zubereitung: Für den Teig Mehl, Zucker, Backpulver (und Natron), Vanillemark, Amaretto, Salz, Butter und Eier zu einem Knetteig verarbeiten. Er ist klebrig. Die Mandelblättchen unterheben, den Teig zu einer Kugel formen (eventuell mit etwas Mehl) und 30 Minuten kalt stellen.

Den Backofen auf 200° Umluft vorheizen, das Backblech mit Backpapier auslegen und den kühlen Teig in sechs Teile schneiden. Aus jedem Teil ca. 25 cm lange Rollen formen. Diese im Abstand von ca. 8 cm auf das Backblech legen und 15 (13) Minuten backen. Abkühlen lassen und dann schräg in dicke Scheiben schneiden. Die Scheiben mit der Schnittfläche nach oben 10 (8) Minuten rösten, bis sie goldbraun sind.

Die Plätzchen auskühlen lassen und in einer geschlossenen Blechdose aufbewahren, damit sie nicht weich werden.

Guten Appetit!

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Di

13

Dez

2016

Adventszeit, Zeit des Backens: Triebmittel, Petits fours (2016)

Das Backen gehört für mich genauso zur Adventszeit wie Kerzenlicht und Tannenduft. Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir vor allem Ausstecherle gebacken, aber auch  Spritzgebäck und Vanillekipferl.  In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal Baumkuchen- Petits fours gemacht, siehe Foto. Es hat mir Spaß gemacht und sie sind lecker und hübsch anzusehen. Weihnachten ohne Lebkuchen-Häuser wäre eine richtige Enttäuschung für unsere Söhne gewesen und so kündigte der Duft nach Lebkuchen den nahen Heiligabend an, nicht nur für die Kinder.

 

In der WAZ las ich Anfang Dezember in dem Artikel "Die Wissenschaft des Backens", dass US-Chemiker in einer Testküche experimentiert haben und verraten wie Plätzchen am besten gelingen. Von Stiftung Warentest gibt es seit September 2015 "Perfektion. Band 3 Backen", eine Übersetzung  des Kochbuchs des promovierten Lebensmittelchemikers Guy Crosby. Soll ich als Backtriebmittel lieber Backpulver oder Natron nehmen, wann eher braunen oder weißen Zucker, welche Mehl-Type eignet sich für welche Plätzchen am besten und soll ich den Teig eher mixen oder rühren? Mein Interesse war geweckt.

Backpulver und Natron

Natron, chemisch Natriumhydrogencarbonat, das Natriumsalz der Kohlensäure, entwickelt  mit Säuren das Gas Kohlendioxid, welches den Teig aufgehen lässt, erkennbar an der Blasenbildung. Genauer ist das zum Beispiel in meinem blog-Artikel "Säuren nützen im Haushalt - einige Beispiele und Rezepte" nachzulesen: " Allgemein: Carbonate reagieren mit Säuren zu Kohlendioxid, Wasser und dem Natriumsalz der Säuren. Beispiel(e): Natron und Citronensäure reagieren also zu Kohlendioxid, Wasser und Natriumcitrat, dem Salz der Citronensäure."

 

Backpulver besteht aus Natrium- oder Kaliumhydrogencarbonat, einem Säuerungsmittel, z. B. Weinsäure zur Entwicklung von Kohlendioxid (s.o.) und etwas Stärke (Mais-, Reis-, Weizen- oder Tapiokastärke) als Trennmittel und um Feuchtigkeit zu binden. So reagieren die Carbonate erst mit der Säure wenn eine Flüssigkeit hinzu gegeben wird.

 

Von beiden werden nun Vor- und Nachteile beschrieben: Backpulver sollte eher verwendet werden, wenn in dem Teig keine säurehaltigen Zutaten, wie z.B. Orangen, Zitronen, Äpfel, Joghurt, Quark enthalten sind. Enthält der Teig aber schon viel säurehaltige Zutaten empfiehlt sich eher die Verwendung von Natron, da es die Säure neutralisieren kann: In Wasser lösen sich Hydrogencarbonate mit einer schwach alkalischen Reaktion (pH >7 durch Hydroxidionen). Hydroxidionen reagieren mit den Oxoniumionen der Säuren zu Wasser und können sie somit neutralisieren. (Säuren, pH <7, reagieren mit Basen, pH >7, zu Salz und Wasser, pH=7). Dadurch würden die Plätzchen eher braun und entstünden komplexere Aromen.

Die Testköche hätten mit beiden Varianten experimentiert und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass beide zusammen den besten Geschmack ergeben würden: 2 TL Backpulver plus 1/2 TL Natron auf 280 g Mehl. Das ist für mich neu und werde ich bald beim Backen ausprobieren.

"Baumkuchen-Petit fours"

Das Rezept habe ich bei Chefkoch gefunden und es hat beide Male sehr gut geklappt. Beim zweiten Mal, hier links zu sehen, habe ich größere Petits gemacht (4 x 6 cm); da ging das Verzieren doch deutlich schneller und machte noch mehr Spaß. Da für den Baumkuchen-Teig kein Treibmittel verwendet wird, muss ich auch nichts ändern.

Der Teig ist in ca. 20 Minuten gebacken; das Verzieren dauert schon ein wenig. Wer gerne kreativ ist, hat aber sicher auch Freude daran. Ich habe ein Drittel mit weißer Kuvertüre, ein Drittel mit Vollmilch-Kuvertüre und ein Drittel mit Zuckerguß überzogen. Der Zuckerguß hat den Vorteil, dass die sieben Schichten des Baumkuchens so schön erkennbar sind. Verziert habe ich u.a. mit Pistazien, selbst gemachten Krokant, Zuckersternchen, Mokkabohnen, Schokoldenröllchen, Da ist viel Raum für jeden Geschmack und weitere Ideen. Über Anregungen freue ich mich immer.

Die weiteren Verbesserungsvorschlägen der US-Chemiker werde ich mir auch noch genauer ansehen.

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So

30

Okt

2016

"Gebratene Apfelringe mit Wiesenbärenklau-Sahne", Wildkräuter, Kräutersalz (2016)

Dessert

Die Kräuterwanderung, inclusive Picknick, Menü-Zubereitung und gemeinsamem genüsslichen Essen, hat insgesamt ca. 9 Stunden gedauert. Deshalb waren wir angenehm gesättigt und müde nach den drei Gängen. Aber auf so ein leckeres, leichtes Dessert wollten wir nicht verzichten. Kerstin und Ulla, immer noch voller Elan, haben es für uns alle zubereitet. Äpfel und Nusslikör stellte der Hofladen Kohler zur Verfügung in dem wir auch in dem sehr schönem Ambiente alles zubereiten und verspeisen durften. Hier Eberhards Dessert-Rezept:

 Zutaten

Äpfel, Wiesen-Bärenklau, Butter, Zucker, weiße Schokolade, Nusslikör, Sahne

 

Zubereitung:

9 Dessert-Teller warm stellen.

Wiesen-Bärenklau-Stängel sehr klein schneiden, in Zucker karamellisieren, mit Nusslikör ablöschen und mit geriebener weißer Schokolade mischen. Die Masse unter die geschlagene Sahne heben. Die Blüten brauchen wir später als Deko.

Apfelringe, mit Schale, in Butter anbraten.

Anrichten: Auf jeden Teller drei warme Apfelringe legen, die Bärenklau-Sahne darauf dekorativ verteilen und mit den Blüten des Wiesen-Bärenklaus garnieren.

Ein relativ schnelles Dessert, das nach drei Gängen und einem langen, ereignisreichen Tag ein leckerer, leichter, fruchtiger Abschluss war.

Kräuterwanderung mit Birka

An dieser Stelle möchte ich unbedingt meinem Hund Birka ein großes Lob aussprechen, der während der Wanderung so toll war: Er blieb immer bei der Gruppe, lief mal zwischen Kore und Sabine, mal zwischen Arne und Katharina, mal zwischen Klaus und mir oder bei Fuß bei Eberhard; alles ohne einen einzigen Befehl. Er wartete, wenn wir Kräuter pflückten oder Pilze fanden, schaute immer wieder, wo ich bin und ruhte während des Picknicks, der Menü-Zubereitung und des gemeinsamen Essens, sicher auch ziemlich müde, unter dem Tisch. Besser geht es meiner Meinung nach nicht.

Ein Dank gilt aber auch allen Beteiligten, die Birka so selbstverständlich in unsere Gruppe aufnahmen, obwohl Eberhard, Kerstin und Ulla Birka ja gar nicht kannten und ein Dank an Kore für dieses tolle Foto.

Wiesen-Bärenklau - nicht zu verwechseln mit dem Riesen-Bärenklau

Während der Riesen-Bärenklau, oft besser als Herkulesstaude bekannt, ein unbeliebter Neophyt ist, da er einheimische Arten oft verdrängt und giftig ist, ist der Wiesen-Bärenklau in Europa heimisch und essbar. Beides sind Doldenblütler (Apiaceae). Im Lokalkompass sind beide Pflanzen gut vergleichend beschrieben: Herkunft und Verbreitung, Merkmale, Giftigkeit und Verwendbarkeit, Bienen- und Insektenweide. So lassen sie sich weniger verwechseln, was wichtig ist.

 

Riesen-Bärenklau: Eberhard erzählte davon, dass jemand statt Wiesen-Bärenklau die Blätter des Riesen-Bärenklaus sammelte und dadurch schmerzhafte Blasen und Quaddeln bekam. "Der Riesen-Bärenklau bildet photosensibilisierende Substanzen aus der Gruppe der Furocumarine, die in Kombination mit Sonnenlicht phototoxisch wirken. Berührungen in Verbindung mit Tageslicht können bei Menschen und anderen Säugetieren zu schmerzhaften Quaddeln und Blasen führen, die schwer heilen und wie Verbrennungen erscheinen (Photodermatitis). Es wird deshalb empfohlen, beim Umgang mit der Pflanze vollständige Schutzkleidung zu tragen, zu der auch ein Gesichtsschutz gehört.".(wikipedia: Riesen-Bärenklau) Die hier noch genauer beschriebenen gesundheitlichen Schädigungen sind enorm. Also, Vorsicht bei diesem nicht einheimischen Doldenblütler!

 

Engelwurz: Manche würden den Riesen-Bärenklau auch mit den Engelwurzen (Angelica) verwechseln, sagte uns Eberhard. Die Engelwurzen sind ebenfalls Doldenblütler. Ihre Samen sind gut für Brote geeignet, erzählte er uns. Durch den Anis-Duft dieser Samen sei es in Bayern Brauch sie besonders in der Adventszeit zu verwenden.

 

Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) möchte ich dann doch besser mit einem Kräuterkundigen wie Eberhard sammeln. Er zeigte uns, dass er sich gut an dem kantigen, gefurchten Stengel erkennen lässt. Die Rotfärbung der Stängel erklärte er so: Bei größerer Kälte oder Wärme würden Anthocyane gebildet, als Hitze- und Kälteschutz.

"In den Pflanzen liegen die Anthocyane zusammen mit anderen natürlichen Farbstoffen wie den chemisch eng verwandten Flavonen, den Carotinoiden, Anthoxanthinen und Betalainen vor. Sie sind neben diesen auch für die Färbung der Blätter im Herbst verantwortlich, wenn die Photosynthese eingestellt und das Chlorophyll nicht neu gebildet wird. Auch bei noch relativ jungen Pflanzen, bei denen die Chlorophyll- und Wachsproduktion noch nicht eingesetzt hat und die somit vor UV-Licht ungeschützt wären, werden vermehrt Anthocyane produzier." (wikipedia: Anthocyane) Die jungen Blätter lassen sich gut für Wildgemüse und Pesto verarbeiten, sagte Eberhard. Sie würden besonders viel Vitamin C und die für uns wichtigen Mineralstoffe Kalium und Magnesium (in Form ihrer Salze) enthalten. Wenn es sehr sonnig und heiß ist, könnten Menschen aber auch auf ihren Pflanzensaft allergisch reagieren.  Also, unter den oben angegebenen Bedingungen ist auch hier Vorsicht angebracht. Der Wiesen-Bärenklau sei aber nicht nur für uns eine aromatische Delikatesse, sondern wichtig für sehr viele Insekten.

Weitere Wildkräuter und ihre Verwendung

Bei unserer Kräuterwanderung hat Eberhard uns noch auf weitere Wildkräuter aufmerksam gemacht und uns kurze Tipps zur Verwendung gegeben:

 

Beinwell (Symphytum L., Raublattgewächse, s. links im Bild): Die Blätter könnten wir ausgerollt mit Camembert und Zitrone als köstlichen, schnell zuzubereitenden Snack reichen. Die Käse-Beinwell-Röllchen sollten mehrere Stunden ziehen. Der Burggarten Blankenberg empfiehlt eine ähnliche Zubereitung als "Blätterhäppchen", mit Rezept. Siehe auch meinen blog-Artikel zu Wildkräutern in der Küche

 

Gundermann (Glechoma L. Lippenblütler): Ihn empfiehlt Eberhard z.B. zu Lammgerichten, kleingeschnitten als Pfefferersatz. Wir haben auch von ihm einige Blätter gesammelt. Er ist weit verbreitet. So finden wir ihn z.B. auch an vielen Stellen in unserem Garten. Mehr zum Gundermann in meinem blog-Artikel Unterschätzte Wildkräuter.

 

Mädesüß (Filipendula MILL:, Rosengewächse): Eberhard erzählte uns, dass es dem gemähten Gras die Heusüße verleihe und verriet uns ein Rezept für ein sektähnliches Getränk. Dazu sollen wir 15 bis 20 Blüten auf 3-4 l Wasser geben und 2-3 Scheiben Zitrone dazu. Nach einiger Zeit beginne das Getränk wie Sekt zu sprudeln. Das Mädesüß enthalte Salicylsäure. "Sie ist auch unter dem Namen Spirsäure bekannt, da sie aus dem Saft der Spierstaude, auch Mädesüß, gewonnen werden kann. Von der Bezeichnung Spirsäure leitet sich auch der Markenname Aspirin für die Acetylsalicylsäure ab: Acetylspirsäure. Die Salze der Salicylsäure heißen Salicylate." (wikipedia: Salicylsäure)

 

Rainkohl (Lapsana L., Korbblütler), von dem wir auch ein paar Blätter gesammelt haben: Seine Blätter würden sich vor allem im Frühjahr für Salat und Rührei eignen.

 

Leider weiß ich nicht wann bzw. wo wir die Gundermann- und Rainkohlblätter in unserem Menü verarbeitet haben. Vielleicht wissen die anderen Gruppenmitglieder das noch und verraten es mir.

Wir haben zusammen viel gelernt, hatten viel Freude miteinander an der Natur, dem gemeinsamen Zubereiten und dem Essen, haben uns angeregt unterhalten und dazu die regionalen Weine genossen. Eberhard hat uns mit seinem Wissen, seinen Rezepten und der perfekten Vorbereitung des Tages so verwöhnt. Er hat einen Tag vorher den Wald abgesucht, um zu sehen, was wir alles an Wildkräutern und Pilzen finden können. Er hat danach die Rezepte ausgesucht, für das Picknick Kräuterquark und Brot zubereitet und zusammen mit Prosecco und Holunderblütensaft vorher alleine zu dem wunderschönen Picknick-Ort getragen. Auch alle Haushaltsgeräte, die wir zur Zubereitung des Menüs brauchten sowie einige Zutaten hat er zu Kohlers Hofladen mitgebracht. Was für ein interessanter, schöner, bunter Herbsttag, mit so vielen wunderbaren Eindrücken und Genüssen!

Es hat mir viel Freude gemacht beim Schreiben der blog-Artikel den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen und als Anregung habe ich dieses Mal für mein Kräutersalz nicht nur Rosmarin, Salbei, Thymian und Zitronenmelisse genommen, sondern zusätzlich Brennesseln, Giersch und Gundermann aus unserem Garten und der näheren Umgebung. Es ist meines Erachtens dadurch um einiges köstlicher.

 

Vielen Dank Eberhard für diesen unvergesslichen Tag!

Do

27

Okt

2016

Pfannkuchen, Tagliatelle und Schweinemedaillons mit Wildkräutern und Pilzen (2016)

Brennessel-Pfannküchlein mit Lachs

Klaus und ich haben uns den zweiten Gang ausgesucht und die Pfannküchlein mit Spaß zubereitet. Zu zweit arbeiten zu können macht hier Sinn.

 

Zutaten, für 9 Personen

ca. 250 g Brennesseln

2 Tassen Milch

4 Eier

Räucherlachs, ca. 1 Paket

2 Tassen Mehl

(Brennessel)Salz, Pfeffer, Muskat

Schmand oder Quark

                                                                                                              Oel oder Butter,

                                                                                                              Milch oder Sahne

Zubereitung:

9 Teller warm stellen

Die Brennesseln waschen, trocknen, bis auf 9 Blätter etwas klein schneiden und in nicht wenig Oel oder Butter anschwitzen, zusammen fallen lassen. Nach dem Abkühlen klein hacken.

Für den Pfannkuchenteig Milch, Eier und Mehl verrühren und mit Salz, Pfeffer, Muskat und Zitronensaft würzen.

Eventuell die neun verwahrten Brennesselblätter frittieren.

Nach dem Verzehren des ersten Ganges, s. Cappucino von der Kastanie mit Pilzschaum:

Den Pfannkuchenteig mit den Brennesseln mischen und 9 kleine, dünne Pfannkuchen nacheinander ausbacken, nach und nach auf einen der vorgewärmten Teller legen, warm halten.

Anrichten: Jeweils einen kleinen Klecks Schmand oder mit etwas Milch/Sahne und Brennesselsalz angerührten Quark, in die Mitte auf den Pfannkuchen geben, darauf den Lachs als kleine Rose setzen und eventuell etwas Brennesselsalz aufstreuen. Jeweils mit einem Brennesselblatt, eventuell frittiert, verzieren.

Guten Appetit!

Uns hat es geschmeckt. Die Pfannküchlein sehen durch die Brennesseln viel interessanter aus, schmecken auch ein wenig deftiger (nach Spinat?) und enthalten Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine, s. Kräuter-Pilz-Wanderung mit 4-Gang-Menü: Brennesseln, "das coolste Kraut".

Tagliatelle mit Sternmieren- Pesto

                  und

Schweinemedaillons auf Giersch/Brennesselgemüse

 

Der dritte Gang, meines Erachtens das Highlight, wurde von Kore und Sabine perfekt zubereitet. Dazu war für die beiden doch einiges zu tun. Drei Personen wären hierzu auch nicht schlecht. Eberhard hat sie insofern ein wenig unterstützt, indem er für das Pesto in Windeseile die Sternmiere klein gehackt hat.

 

Zutaten für 9 Personen:

Schweinefilet

Pilze

1 Zwiebel oder Schalotte

Butter,

Salz, Pfeffer,

Sahne (oder Milch)

evtl. etwas Gemüsefond

für das Pesto: fein gehackte Sternmiere, Olivenoel, etwas Knoblauch, Salz, geriebener Pecorino (oder Pamesan)

für das Gemüse: Giersch, Brennessel, Butter, Salz, Pfeffer, Muskat, etwas Knoblauch, Sahne

Tagliatelle

Zubereitung:

  • Pesto: Das Sternmierenpesto aus den oben angegebenen Zutaten herstellen.
  • Pilze: Pilze säubern und kurz waschen, Zwiebel in kleine Würfel schneiden. Die vorbereiteten Pilze in Butter scharf anbraten, mit Sahne (oder Milch) ablöschen und evtl. mit Gemüsefond, Salz, Pfeffer würzen.
  • Brennesseln und Giersch waschen, trocknen und etwas klein schneiden. Eventuell 9 Gierschstengel als Deko verwahren.

Nach dem Verzehr des zweiten Gangs:

  • 9 Teller warm stellen
  • Medaillons: Das Filet beidseitig anbraten, mit Salz und Pfeffer würzen und bei ca. 100 Grad im Backofen ruhen lassen. Kores Idee das Fleisch im Ganzen zu braten und ruhen zu lassen und erst dann in Medaillons zu schneiden, hat sich sehr bewährt. So war es perfekt, s.u.
  • Brennesseln und Giersch in Butter dünsten, eventuell noch ein wenig kleiner schneiden und mit Sahne, Salz, Pfeffer, Muskat, evtl. etwas Knoblauch abschmecken. Parallel Wasser für die Nudeln aufsetzen, die Pilzpfanne noch einmal erwärmen.
  • Nudeln: Die Tagliatelle ins kochende Wasser geben. Sie brauchten nur drei Minuten. Das Fleisch in der Zeit in 9 Medaillons schneiden.
  • Anrichten: Jeweils ein Nudelnest auf vorgewärmte Teller drehen, daneben das Gemüse anrichten, ein Medaillon auf das Gemüse setzen und das Ganze mit der Pilzsoße beträufeln. Kleine Pesto-Kleckse dekorativ auf die Nudeln geben und eventuell etwas Pecorino (Parmesan) drüber streuen, mit einem Gierschstengel dekorieren.

Guten Appetit!

Das Fleisch war perfekt zubereitet: Außen kross, innen butterzart und rosa. Von dem Pesto haben wir nur zart genommen, um den köstlichen Geschmack des auch gut gewürzten Fleisches und den eher zarten des Gemüses dadurch nicht zu sehr zu dominieren.

 

Wildkräuter: Sternmiere und Co

Die Sternmieren (Stellaria) aus der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae) sehen nicht nur sehr hübsch aus, sondern lassen sich komplett, mit Stängel, Blüten und Früchten verwenden. Wir haben die Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum L.) gefunden und gesammelt, um daraus das Pesto zu machen. Laut Eberhards Rezept hätten wir auch die Vogelmiere (Stellaria media L.) für das Pesto verwenden können. Sie ist sehr weit verbreitet, unscheinbarer als die Hain-Sternmiere. "Auf Grund der starken Vermehrung und der frühzeitigen Samenbildung wird sie jedoch häufig als besonders lästiges Unkraut betrachtet." (wikipedia: Gewöhnliche Vogelmiere) Laut "Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen" (S. 241) sind die Sternmieren das ganze Jahr über ziemlich zart und die Spitzen lassen sich als Schnittsalat immer wieder ernten. Sie würden auch ein aromatisches und saftiges Feinschnittgemüse ergeben, für die Zubereitung von Frischkäse, Quark und Pesto. Der Kräuterquark, den Eberhard uns bei dem wunderbaren Picknick mit selbst gemachten Brot gereicht hat, war jedenfalls köstlich. Leider weiß ich gar nicht welche Kräuter er darin verarbeitet hatte.

 

Der Geißfuß oder Giersch

Den Giersch (Aegopodium podagraria L.), aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae), schätzt Eberhard sehr. Er bezeichnet es auch als Gichtkraut, weil es bei Gichterkrankungen helfen soll. Er empfiehlt ihn als Beigabe zu Kartoffelstampf. Die Giersch-Blätter sollen wir in einer guten Menge Butter andünsten und dann dem Kartoffelstampf zugeben. Auf ca. 1 kg Kartoffeln nimmt er ca. 20 Blätter. Giersch helfe seiner Ansicht nach auch gut bei Verdauungsproblemen; wahrscheinlich als Tee getrunken, denke ich. Sehr ausfürliche Informationen zum Giersch gibt es auf der Seite "Das Kräuter-Verzeichnis": Anwendungen, Aussehen, Geschichtliches, Inhaltsstoffe, Verbreitung, Verwechslungsmöglichkeit, Wirkungen und viele Rezepte - Badezusatz, Inhalation, Limonade, Salat, Salbe, Tee, Umschläge und Würze. Ich habe den Giersch dieses Mal, angeregt durch die Kräuterwanderung, auch meinem Kräutersalz zugesetzt. Mehr dazu in meinem nächsten Artikel.

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So

23

Okt

2016

"Cappuccino von der Kastanie mit Pilzschaum" (2016)

Der erste Gang unseres Kräuter-Pilz-Menüs

Eberhard führte uns in einen Wald in Waldulm und jede_r bekam ein Körbchen zum Einsammeln der Früchte und Kräuter, die wir für unser Menü sammeln wollten.

Den Wald liebe ich immer: Als verschneiten Märchenwald, die blühenden Bäume, die Licht- und Schattenreflexe im Sonnenschein, zur Kühlung an heißen Tagen und immer mehr die Farbenpracht im Herbst. Durch die Früchte der Bäume, die im Herbst auf dem Waldboden liegen oder auch an den Zweigen hängen, werde ich erst richtig aufmerksam auf die verschiedenen Arten und kann sie dann auch besonders gut erkennen, unterscheiden. So ist mir zum ersten Mal anhand der vielen Maronen, die wir sammeln konnten, aufgefallen wie viele Kastanien es in diesem Teil des Schwarzwaldes gibt. Wir haben nur die dickeren Früchte aufgesammelt und hatten ziemlich schnell ein Körbchen voll. Auf (wikipedia) las ich wie bedeutend die Kastanien früher für die Ernährung waren: "Vom Mittelalter bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Edelkastanie in den Bergregionen Südeuropas das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung. Im 20. Jahrhundert gingen die Bestände durch den Befall mit dem Kastanienrindenkrebs stark zurück, erholten sich jedoch Ende des 20. Jahrhunderts wieder."

Dass wir auch die Samen des Springkrauts essen können, war für mich absolut neu und das Sammeln ein besonderes Gefühl: Wie der Name schon sagt, springen die reifen Samen bei Berührung auf und schon hast du die kleinen, braunen Samen in der Hand, die einen leicht nussigen Geschmack haben. Das ist ein ziemlich ulkiges,  verblüffendes Gefühl in der Hand.

Genug Pilze zu finden, die wir für unser Menü brauchten, war nicht so einfach, weil die letzten Wochen sehr trocken waren: "Trockenheit bremst Pilze aus" so n-tv am 2.10.2016. Zum Glück hatten wir aber Kerstin und Sabine dabei, die ein besonderes Auge für Pilze haben. So wurden wir trotzdem fündig. Zusammen mit Eberhard zeigten sie uns wie und wo wir die beliebten Pfifferlinge entdecken können: Als die Sonne am Spätnachmittag schräg auf den Waldboden fiel, konnten wir die gelben Pilze gut in dem dunkelgrünen Moos erkennen. Wenn wir wissen wie und wo sie am besten wachsen, finden wir sie natürlich auch eher: "Der Echte Pfifferling ist ein Mykorrhizapilz, der mit diversen Nadel- und Laubbäumen Symbiosen eingeht. In Mitteleuropa ist der bevorzugte Baumpartner die Gemeine Fichte, gefolgt von der Rotbuche. Außerdem kann der Pilz mit Eichen, Kiefern und Tannen vergesellschaftet sein" (wikipedia: Pfifferling). Da ist der Schwarzwald mit seinen Fichten-Tannen-Buchenwäldern schon ziemlich ideal.

Zutaten und Zubereitung

Arne, Kerstin und Ulla haben sich schnell zusammen gefunden, um den ersten Gang zuzubereiten. Wir fanden ihr Ergebnis toll. Und nun Eberhards Rezept, ergänzt durch das, was mir die Zubereitenden erzählt haben:

 

Zutaten für 8-9 Personen:

2 Schalotten

2 EL weißer Lauch

1 TL Zucker

20 g Butter,

300 g Kastanien, ca.

5 cl Vermouth

4 dl Sahne, ca.

8 dl Geflügelfond

Salz, Pfeffer

Balsamine/Springkrautsamen

 

Zubereitung:

8-9 kleine Tassen warm stellen.

Kastanien waschen, kreuzweise einschneiden, 20 bis 30 Minuten kochen (bis die Schale sich geöffnet hat, leicht abziehen lässt) und schälen.

Schalotten würfeln.

Lauch in Streifen schneiden.

Die Hälfte der Schalottenwürfel mit dem weißen Lauch und dem Zucker in der Butter glasig dünsten.

Die geschälten Kastanien zugeben, mit Vermouth ablöschen und etwas reduzieren.

Mit der Sahne, (einen kleinen Teil für den Pilzschaum verwahren) und dem Geflügelfond ca. 15 Minuten köcheln lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und pürieren.

Die Springkrautsamen rösten.

Pilze putzen, in mundgerechte Stücke schneiden und mit den restlichen Schalottenwürfeln in Butter andünsten.

Die restliche Sahne schlagen und die Pilze unter die Sahne heben.

Die Suppe in die vorgewärmten Tassen füllen, den Pilzschaum als Haube darauf setzen und mit den gerösteten Samen des Springkrauts bestreuen.

Guten Appetit!

Die Edelkastanie und die Rosskastanie sind sehr verschieden

Das hat mich schon sehr verwundert, dass die beiden Bäume, die wir beide Kastanie nennen, so verschieden, aus zwei verschiedenen Familien sind.

 

Die Edelkastanie oder Esskastanie (Castinea sativa MILL) gehört wie die Rotbuche und die Eiche zu den Buchengewächsen (Fagaceae). Sie wird bis zu 20m hoch, ihre 8-25 cm langen Blätter glänzen oberseits und ihre Rinde ist glatt und olivbraun. "Die Blüten stehen in 20 bis 25 Zentimeter langen, gelben, kätzchenähnlichen Blütenständen." (wikipedia: Edelkastanie)

 

Die Gewöhnliche Roskastanie (Aesculus hippocastanum L.) gehört dagegen, wie der Ahorn, zu den Seifenbaumgewächsen (Sapindaceae). Sie wird bis zu 25 m hoch. "5-7 Fiederblättchen bis 25 cm lang und 10 cm breit, die mittleren erheblich größer als die randständigen, vorne mit schlanker, aufgesetzter Spitze. Oberseits stumpf dunkelgrün, unterseits etwas heller, kahl."(baumkunde: Gemeine Rosskastanie) Die Blüten sind weiß, mit gelben und roten Flecken oder rosa bis rot.

 

Früchte: Die größte Ähnlichkeit haben sie aufgrund ihrer rotbraunen, glänzenden Früchte. Allerdings sind die essbaren Früchte der Edelkastanie zu zweit oder dritt in einem sehr stacheligen Gehäuse, das wir nicht gerne angefasst haben. Die meisten lagen aber schon ohne stachelige Hülle auf dem Boden. Die für uns ungenießbaren, leicht giftigen rotbraun glänzenden Früchte der Rosskastanie sind dagegen meist einzeln, manchmal zu zweit, in einer nur wenig stacheligen grünen Hülle. Die Früchte der Edel-oder Esskastanie, die Maronen genannt werden, sind reich an Kohlenhydraten, enthalten essentielle Spurenelemente (hauptsächlich Mangan- und Kupfer-Verbindungen), Mineralstoffe (Kalium- und Magnesium-Verbindungen) und wichtige Vitamine wie Vitamin B1, B2, B5, B6 und E. Sie sind ein gutes, vollwertiges Nahrungsmittel, das schon von Hildegard von Bingen geschätzt wurde. Nach der Enzyklopädie "Essbare Wildpflanzen" lassen sie sich vielseitig verwenden: Eingeritzt und geröstet als warme Nascherei, geschält und gedünstet als Gemüse, als Zugabe zum Püree, für Gemüsesuppen, für Back- und Süßspeisen, um nur einige davon zu nennen. Getrocknet können sie zu Mehl gemahlen werden und so für Brotteig und zum Andicken von Speisen verwendet werden. Also, das Sammeln der Esskastanien lohnt sich. Es macht Freude und kostet nichts.

 

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Mo

17

Okt

2016

Kräuter-Pilz-Wanderung mit 4-Gang-Menü (2016)

Eine gelungene Verbindung von Natur- und Gaumenfreude

Eine Kräuterwanderung im herbstlichen Schwarzwald - was für eine tolle Idee von Katharina! Ich mag den Schwarzwald sehr, seit vielen Jahren: Die Blicke von der Schwarzwaldshochstrasse bis zu den Vogesen, in die Ober- rheinische Tiefebene, der Wald, die Weinberge, die Obstbäume, die Gaishöll-Wasserfälle und die Bäche - so ist das Laufen ein Genuss. Dabei hat jede Jahreszeit ihren besonderen Reiz: Schnee, der in der Sonne glitzert, die blühenden Obstbäume, die Blumenpracht, die reifen Trauben und die bunten Herbstwälder. Und nun also eine geführte Kräuter-Pilz-Wanderung, neue Blicke, ich war freudig gespannt. Da wir alle gerne kochen und essen, regionale Spezialitäten lieben, wollten wir gerne lernen mit dem, was der Wald uns bietet, ein Menü zuzubereiten.

 

Unser Kräuterexperte Eberhard war einfach toll: Mit Hilfe seines kundigen Blicks und seines großen Einsatzes konnten wir viele Kräuter und Pilze sammeln und haben dazu viel Interessantes von ihm erfahren. Mittendrin hat er uns sogar noch mit einem Picknick verwöhnt - mit selbst gemachten Köstlichkeiten und genialem Blick in die wunderschöne, sonnige Landschaft. Abends ging es dann in Kohlers Hofladen ans gemeinsame Zubereiten: Aus unseren gesammelten Kräutern und Pilzen haben wir zu acht nach Eberhards Rezepten ein köstliches 4-Gang-Menü gezaubert und dabei natürlich die regionalen Weine genossen. So viel sei  schon einmal verraten: Es wurden, Brennnesseln, Giersch, Gundermann, Hain-Sternmiere, Kastanien, Rainkohl, Springkrautsamen, verschiedene Pilze und Wiesen-Bärenklau verarbeitet. Ich werde die Zutaten, die Zubereitung der vier Gänge nach und nach  beschreiben und kann sie, dank Kore, mit schönen Fotos untermalen.

Brennnesseln, für Eberhard das coolste Kraut

Brennnesseln, die so ein unangenehmes Brennen auf der Haut hervorrufen, sollen wir essen? Unsere mitteleuropäischen Brennnesseln sind alte Gemüsepflanzen, die wie Spinat zubereitet wurden, lese ich. "Ihr Grundgeschmack ist spinatartig, aber viel aromatischer und würziger als echter Spinat." Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, S. 247f) Hier erfahre ich auch, dass sie für Eierspeisen, im Teig, für Getränke und Soßen genutzt wurden. Die jungen, frischen Blätter, die im Frühjahr noch weich sind, könnten sehr vielseitig verwendet werden: In Bratlingen, Brot- und Kräutermischungen, Eierspeisen, als kurz gebratenes Gemüse, zur Käseherstellung, für Soßen, eingelegt in Wein, als Sauerkraut und sogar zu Süßspeisen.

Eberhards besonderer Tipp: Zur Entgiftung morgens 2-3 Tassen Brennnessel-Tee trinken, dazu über den Tag verteilt 3-4 l Wasser. Für Pfannkuchen könnten wir die Pflanze mit ihren tollen Inhaltsstoffen "von Kopf bis Fuß" verwenden. Sogar die Samen seien essbar. "Sie sind lecker wie Nüsschen und zum Panieren, halb und halb mit Mehl getrocknet, ein Genuss."

Brennnesseln enthalten wichtige Mineralstoffe, vor allem Magnesium, Eisen, Kalium und Silicium, (in Form ihrer Ionen, in Verbindungen/Salzen, nicht als Element) sind reich an Eiweiß und enthalten die Vitamine A,C und E. Ihr Mineralstoff- und Vitamin-Gehalt übertreffe den des Kopfsalats bei Weitem, so die Enzyklopädie. Auch als Arznei würde sie verwendet: Traditionell bei Rheuma und Verdauungsstörungen, als harntreibend bei Nierenleiden, bei Gallenerkrankungen, zur Blutbildung, Blutreinigung und Entgiftung. Äußerlich angewendet helfe sie bei Kopfschuppen und fettigem Haar. "Die Pflanze enthält Enzyme und pflanzliche Hormone (Phytohormone), die eine krebsvorbeugende Wirkung haben. Sie senkt den Blutzuckerspiegel, hemmt Entzündungen und lindert Prostatabeschwerden." (Enzyklopädie, s.o.)

Je mehr ich über die Inhaltsstoffe und die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten lese, dabei habe ich nur eine Auswahl getroffen, desto mehr verstehe ich, warum Eberhard diese Pflanze als coolste gewählt hat.

Dann ist da aber ein Problem: Wie verhindere ich das Brennen auf der Haut, wenn ich sie pflücke? Die Brennhaare, in der die ameisensäurehaltige Flüssigkeit ist, die diese Reaktion hervorruft, sind überwiegend auf der Blattoberseite vorhanden. Als wir die gepflückten Blätter vom Stiel zur Blattspitze auf der Blattunterseite gestreift haben, merkten wir nichts von der unangenehmen Wirkung. Zum Pflücken könnten wir natürlich Handschuhe anziehen, um die Quaddeln mit Brennen und Juckreiz zu vermeiden. Laut wikipedia sei die Brennflüssigkeit der Kleinen Brennnessel (Urtica urens) wesentlich schmerzhafter als die der Großen Brennnessel (Urtica dioica). Toll, Arne, dass du den lateinischen Namen noch wußtest,

Bald werde ich schreiben wozu wir die Brennnesseln in unserem 4-Gang-Menü genutzt haben.

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Fr

16

Sep

2016

Ozon - eine Sauerstoffverbindung die schaden und schützen kann (2016)

Ozon schadet in Bodennähe, schützt in der Atmosphäre

Eine Sauerstoffverbindung kann giftig, gefährlich sein? Die meisten Menschen verbinden mit dem Begriff Sauerstoff sicher nur Positives. Viele Lebewesen benötigen Sauerstoff zum Atmen, für ihren Stoffwechsel, zum Aufbau energiereicher Verbindungen. Dieser molekulare Sauerstoff aus zwei Sauerstoffatomen unterscheidet sich in seinen Eigenschaften allerdings erheblich vom Ozon, einem Sauerstoffmolekül aus drei Sauerstoffatomen. 

 

Eigenschaften: Luftsauerstoff, Disauerstoff O2, ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas, sehr reaktionsfähig und nur mäßig löslich in Wasser. Ozon, Trisauerstoff O3, ist bei Zimmertemperatur ein blaues Gas, das sogar noch in einer Verdünnung von 1:500 000 deutlich zu riechen ist. Es ist unbeständig und zerfällt bei gewöhnlicher Temperatur und gewöhnlichem Druck zu Disauerstoff.

 

Schutz der Ozonschicht: In dem WAZ-Artikel "Ein Tag für die schützende Schicht der Erde", las ich, dass der 16. September der Internationale Tag für den Schutz der Ozonschicht ist. Gerade im Sommer wird aber doch auch häufig Ozonalarm ausgelöst. Wie hängt das zusammen?

 

Entstehung: "Ozon bildet sich überall dort, wo durch Energiezufuhr (u.a. bei der Einwirkung energiereicher Strahlung oder bei elektrischen Entladungen) Sauerstoffatome aus Sauerstoffmolekülen freigesetzt werden, die dann mit weiteren Sauerstoffmolekülen reagieren." (Schüler Duden Chemie, Mannheim 1995, S. 303f) Bei der Bildung von Ozon aus Sauerstoff dient z.B. das Stickstoffdioxid, das in großen Mengen durch industrielle Prozesse entsteht, als Katalysator. Siehe auch "Entstehung von bodennahem Ozon" der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg und "Photosmog und bodennahe Ozonbildung" von Prof. Blumes Bildungsserver für Chemie.

 

Gefahren, Ozonalarm: Bodennah ist Ozon gefährlich. Es ist ein giftiges Gas, das Augen, Schleimhäute, die Lunge reizt und Pflanzen schädigt. Es entsteht vor allem im Sommer, weil dann die Sonnenstrahlung besonders intensiv ist. Durch Luftschadstoffe wie Stickstoffoxide, Schwefeloxide und Kohlenwasserstoffe aus Autos und Industrieabgasen wird dann vermehrt Ozon aus dem Luftsauerstoff gebildet. Da die negativen Auswirkungen von Ozon, vor allem in höheren Konzentrationen, besonders für Kinder, Kranke und Senior_innen nicht mehr strittig sind, muss die Bevölkerung ab einer bestimmten Konzentration gewarnt werden und gibt es Verhaltensregeln vom Umweltbundesamt: "Ab einer Konzentration von 180 Mikrogramm je Kubikmeter (µg/m3) im Stundenmittel wird die Bevölkerung unterrichtet, ab 240 µg/m3 erfolgt eine Warnung." Siehe auch "Ozon-Alarm in Deutschland: So gefährlich ist das Gas tatsächlich" von focus online, August 2015 .

 

Schutzschicht, Ozonloch: In der Stratosphäre, in einer Höhe von 20 bis 40 km, schützt uns das Ozon dagegen vor dem für Lebewesen gefährlichen UV-C-Anteil aus dem Sonnenlicht. In geringen Mengen ist die UV-Strahlung der Sonne zwar lebensnotwendig, da der menschliche Körper sie z.B. zur Herstellung von Vitamin D benötigt, in größeren Mengen verursacht sie dagegen Schäden wie Sonnenbrand, deutlich mehr Augenerkrankungen, eine stark erhöhte Hautkrebsrate, eine Schädigung des Erbmaterials in den Zellen und eine Schwächung des Immunsystems. "Da auch Algen und Landpflanzen geschädigt werden können, ist auch die Ernährungsgrundlage des Menschen in Gefahr." (blickpunkt chemie, Braunschweig 2002, S. 270)

Diese so wichtige Ozonschicht in höheren Schichten der Atmosphäre wurde vor allem durch aufgestiegene Treibgase, Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) enorm geschädigt. Sie wurde immer dünner. 1986 haben Wissenschaftler_innen erstmals ein Ozonloch über der Antarktis nachgewiesen, also einen Bereich mit einer sehr geringen Ozonkonzentration. Seit den 80er Jahren wird das Ozonloch jeweils im Frühjahr und Spätwinter beobachtet und 2011 erstmals, laut Greenpeace auch über der Nordpolarregion."Greenpeace kämpfte seit den 80er Jahren für ein Verbot der Klima- und Ozonschicht zerstörenden FCKW. Um allen Verbrauchern eine umweltfreundliche Kühlschrankalternative anzubieten, entwickelte Greenpeace gemeinsam mit der sächsischen Firma dkk Scharfenstein (später Foron) den ersten FCKW- und FKW-freien Kühlschrank der Welt, den Greenfreeze. Seit 1992 hat der Greenfreeze einen internationalen Siegeszug angetreten." Zwar dürfen vollhalogenierte FCKW seit 1996 in den Industrieländern nicht mehr hergestellt oder verwendet werden. Doch laut blickpunkt chemie (Hannover 2006, S. 270) wird uns das Ozonproblem noch Jahrzehnte begleiten, da es bis zu dreißig Jahre dauert bis am Boden freigesetzte FCKW-Moleküle die Ozonschicht erreichen.

 

Zerstörung der Ozonschicht durch FCKW: Durch die Sonnenstrahlung werden von den FCKW Chloratome abgespalten, die sehr reaktionsfähig sind und pro Molekül mit einem Ozonmolekül zu einem Sauerstoffmolekül und einem Molekül Chlormonooxid reagieren.

z.B.: CCl3F -------------> CCl2F + Cl

        Cl +  O3 ----------> ClO +  O2

Das Chlormonoxid reagiert mit einem Sauerstoffatom, das bei der Spaltung von Ozon durch die UV-Strahlung entsteht. So wird neben einem Sauerstoffmolekül wieder ein Chloratom frei.

        ClO + O -----------> O2 + Cl

"Auf diese Weise kann ein enziges Chloratom bis zu 100 000 Ozonmoleküle zerstören." (elemente chemie I, Stuttgart 19994, S. 279) Laut Spiegel online vom Juli 2016 scheint das FCKW-Verbot aber langsam Wirkung zu zeigen: "Jetzt präsentieren Forscher den entscheidenden Beweis: Am Beginn der Ozonlochsaison im September zeigten Messungen von Wetterballons und Satelliten, dass die Ozonschicht tatsächlich dicker geworden ist, berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science"."

 

Ozonproblematik: Ein Video von focus online zeigt kurz und knapp "Die guten und schlechten Seiten von Ozongas", gerade auch für Asthmatiker_innen, Menschen mit Lungenerkrankungen. Vor allem an warmen, sonnigen Tagen steigen die Ozonwerte und können sich auch durch Kopfschmerzen bemerkbar machen. Sehr anschaulich und ausführlich ist die Ozonproblematik von Julia Fehring und Lena Schreiner dargestellt. Hier werden auch internationale Maßnahmen zur Verringerung des Ozonlochs von 1985 bis 1999 sowie EU-Maßnahmen dargestellt: Ausstieg aus H-FCKW, Methylbromid (Pestizid), Maßnahmen zur Reduktion der Emission aller ozonabbauender Stoffe. Auch Auswirkungen und Ursachen für eine erhöhte Ozonkonzentrationen am Boden werden hier zusammen mit politischen Maßnahmen genauer dargestellt

 

Ozonwerte in Deutschland: Auf der webseite wetter online "Luftqualität Deutschland" lässt sich jeweils die Prognose Tagesmaximum Ozon ablesen. Laut Umweltbundesamt sind die Ozon-Spitzenkonzentrationen zwar seit 1990 lange nicht mehr so hoch und so häufig, dafür habe der Ozon-Jahresmittelwert in dem gleichen Zeitraum aber zugenommen und der Zielwert für 2010 werde weiterhin überschritten. Es muss also noch viel getan werden.

 

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Do

28

Jul

2016

Distelfalter in der Nähe gesehen, vier weitere Distelfalter fliegen lassen (2016)

Distelfalter in unmittelbarer Umgebung

In den nächsten Tagen, immer wenn ich mit Birka, meiner Hündin, unterwegs war zur Himmeltreppe auf der Halde Rheinelbe, habe ich einen oder sogar zwei Distelfalter, vier Tage hintereinander, gesehen; direkt nachdem ich vier Distelfalter habe fliegen lassen. Da glaube ich nicht mehr an einen Zufall. An zwei Tagen habe ich es sogar geschafft sie auf der Halde zu fotografieren wie oben zu sehen ist. 

Ein Distelfalter schlüpft aus seiner Puppe - eine faszinierende Beobachtung

Von den fünf neuen Raupen, aus der zweiten Sendung von Insect Lore, haben es vier geschafft sich zu verpuppen. Die kleine Raupe, die ja gar nicht sichtbar gewachsen war, hat das Puppen-Stadium leider nicht erreicht. Alle vier Puppen, sind fünf bis sieben Tage nachdem sie in der Chrysalis-Station waren, innerhalb von drei Tagen, nach und nach geschlüpft und wieder so schöne Distelfalter geworden.

Dieses Mal konnte ich gut beobachten wie sich die Puppen dunkel verfärbten, wie durch die Puppenhülle hindurch nach und nach immer mehr von der Form und den Farben des Schmetterlings sichtbar wurde, wie sich die Puppe, unten besonders deutlich sichtbar, nach und nach öffnete und sogar wie der Schmetterling schlüpfte. Wunderbar.

Rüssel zusammenfügen

Auf dem obigen Video lässt sich ganz gut beobachten wie der frisch geschlüpfte Falter an seinem Rüssel "arbeitet", weil er ja die beiden Hälften des Rüssels zusammenfügen muss solange sie noch weich und geschmeidig sind.(s. blog-Eintrag vom 22. Juli)

Links neben dem Falter lässt sich mE schon ganz gut sehen, dass auch die dritte Puppe schon deutlich geöffnet ist. Rechts über dem Falter ist die vierte Puppe zu sehen, die noch einen Tag länger benötigt bis der letzte Distelfalter schlüpft. Auch die roten Flecken, oben und unten, vom Mekonium, sind deutlich erkennbar.

Der zweite Distelfalter ist fertig, wirkt gut gelungen, ist so schön anzusehen.

Alle Distelfalter fliegen lassen

Innerhalb von zwei Minuten sind drei der vier Distelfalter in unserem Garten in die Luft gesegelt. Welche Freude sie dabei zu beobachten. Der vierte Falter hat noch ein wenig länger mit dem Ausflug gewartet.

Wie schön, dass wir einen sogar noch länger in unserem Garten, am Phlox, sitzen sehen und sogar fotografieren konnten.

 

Projektende und Vorschau

Nun ist das Schmetterlings-Projekt für dieses Jahr beendet und ich werde weiter auf meinen Spaziergängen schauen, ob ich Distelfalter sehe. Vielleicht sind es dann ja sogar welche, die ich bei der Metamorphose beobachten konnte. Natürlich werde ich auch nach Distelfalter-Raupen auf der Halde Ausschau halten; denn Disteln gibt es dort genug.

Allerdings lässt sich bei wikipedia lesen, dass Distelfalter  Wanderfalter sind, bis zu 3.000 Metern hoch fliegen und ihre Heimat eher subtropische Steppengebiete sind. In Europa seien sie nur in den heißen Mittelmeergebieten dauerhaft bodenständig. Man "...findet sie aber nahezu überall in großer Zahl, wo Disteln wachsen."

Da diese Falter weite Strecken zurücklegen, getragen vom Wind, lassen sie sich laut wikipedia sogar im Norden Europas finden, vermehren sich auch in den neu besiedelten Gebieten; die Nachkommen würden dann allerdings in klimatisch günstigere Gebiete wandern, da sie tiefe Winter-Temperaturen nicht überstehen können. 

Ich habe auf jeden Fall vor auch im nächsten Jahr Schmetterlinge zu züchten und dadurch vielleicht, auch in meinem Umfeld, einer größeren Anzahl eine Überlebenschance zu geben.

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Sa

23

Jul

2016

Distelfalter fliegen lassen (2016)

Zum Flug bereit

Nachdem ich die Distelfalter mehrere Stunden mit solcher Freude beobachtet hatte, wollte ich ihnen die Freiheit geben. Sie flatterten immer mehr in dem Brutlebensraum umher, zwei von ihnen hielten sich vermehrt oben am Rand auf und die nächsten Puppen mussten langsam in die Chrysalis-Station in den Brutlebensraum. Da wir außerdem einen Wochenendausflug nach Stuttgart geplant hatten, hielt ich das für den richtigen Zeitpunkt den Distelfaltern bei warmem, sonnigen Wetter die Möglichkeit zu geben, fort zu fliegen.

Es dauerte nur 10 Minuten

Ich stellte den Brutlebensraum mittags auf den Tisch unserer Gartenterrasse und öffnete den Verschluss, mein Handy in der Hand, um möglichst festhalten zu können, wenn die Distelfalter fort fliegen. Das ging dann auch erstaunlich schnell. Eh ich mich versah war der erste Schmetterling in den Garten geflogen und innerhalb der nächsten 10 Minuten flogen die anderen drei ebenfalls fort. Wie schön, dass wir einen noch eine Stunde später im Garten umher fliegen sehen konnten und noch drei Stunden später einer bzw. der gleiche im Phlox in unserem Steingarten saß. Auf dem unteren Video kannst du den ersten Falter heraus fliegen sehen.

In meinem nächsten blog-Eintrag erzähle ich, ob ich die Distelfalter in der nahen Umgebung noch gesehen habe und was aus den nächsten vier Puppn wird.

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Fr

22

Jul

2016

Vier wunderschöne Distelfalter sind zum Flug bereit (2016)

Tag 17: Alle fünf Falter sind geschlüpft

Alle fünf Puppen sind leer, alle fünf Distelfalter sind geschlüpft und es macht mir solche Freude sie in dem Brutlebensraum zu beobachten: Wie sie auf der Orange sitzen, um zu saugen, noch gefaltet am Netz, später ihre Flügel ausbreiten und im Brutlebensraum umher fliegen. Es ist ein tolles Geschenk, das ich jeder_m, ob groß oder klein nur empfehlen kann. Es macht solche Freude in Ruhe und jederzeit das Wachsen der Raupen, das "Aufhängen" als J, die Verpuppung und dann das Schlüpfen, Flügel-ausbreiten, Saugen und Fliegen beobachten zu können. Gleichzeitig habe ich das gute Gefühl dazu beizutragen, dass mehr Schmetterlinge, in diesem Fall Distelfalter, aufwachsen konnten und sich hoffentlich fortpflanzen. Die Aussichten sind gut, denke ich, denn auf der nahen Halde Rheinelbe wachsen viele Disteln, habe ich schon vorher Distelfalter gesehen und werden keine Pestizide verwendet. Auf dieser Halde haben sich so eine Villfalt von Pfanzen angesiedelt, dass z.B. auch Mitarbeiter_innen, Student_innen der UNI Bochum hier forschen und ich an einer von einer Biologin geführten Exkursion teilnehmen konnte.

"Die Geburt eines Schmetterlings"

In der Pflegeanleitung konnte ich mich über Details zur Geburt informieren und musste mich deshalb auch nicht über die blutroten Spuren sorgen, die überall auf dem Küchenpapier, zum Teil auf der Orange und direkt unterhalb des am Netz sitzenden Schmetterlings herunter geflossen war. Die rote Flüssigkeit sei Mekonium und somit laut wikipedia: " ... Ausscheidung von Stoffwechselprodukten der Puppenzeit bei Schmetterlingen nach dem Schlüpfen .... Die deutsche Bezeichnung dafür ist Puppenharn." In der Pflegeanleitung ist zu lesen, dass es aus übriger Flügelfarbe und überflüssigem Gewebe bestehe.

Es war gut zu sehen, dass die Schmetterlinge zuerst in der vertikalen Position sitzen bleiben. So blasen sie, laut Anleitung, die Flügel zur vollen Größe auf, indem sie Blut, das unter Druck steht, in die Flügelvenen drücken. Was ich besonders spannend beschrieben finde: " Während sich die Flügel ausdehnen, beginnt der Schmetterling damit, die beiden Hälften des Rüssels zusammenzufügen. Er muss das unbedingt schaffen, solange die beiden Hälften noch weich und geschmeidig sind." Bereits ein bis zwei Stunden nachdem die Schmetterlinge geschlüpft sind, sollen ihre Flügel die volle Größe, eine Flügelspannweite von 45 bis 60mm, erreicht und sich gehärtet haben. Dann ist der Falter flugbereit.

Leider war ein Distelfalter nicht vollständig entwickelt

Einer der fünf Distelfalter, der, der bei der Verpuppung nicht vom Deckel des Becherglases herab hing, sondern sozusagen in der zweiten Reihe, was wohl schon ein wenig ungewöhnlich war, lag noch auf dem Boden des Brutlebensraums und hatte leider noch ein Stück der Puppe an seinem Körper. Er war als Puppe auch ungewöhnlich stark eingesponnen gewesen und ich hatte große Mühe, die Seidenfäden vorsichtig von der Puppe zu entfernen in der Hoffnung, dass sich die Flügel vollständig ausbilden können. Dass ich die Puppe, da sie ja nicht am Deckel hing auf Küchenpapier in den Brutlebensraum legen musste war wohl nicht so unüblich, da laut Anleitung beim Versetzen der Puppen vom Becherglas in die Chrysalis-Station auch mal eine Puppe herunterfällt. Wir haben den Rest der Puppe sorgfältig mit einer Pipette entfernt, mussten aber sehen, dass die Flügel nicht voll ausgebildet sind; s. Foto oben. Ich habe ihn dann vorsichtig auf eine Blüte des Blutweiderich gesetzt. Er war aber leider nicht lebensfähig. Da Insect Lore eine Garantie gibt, dass sich drei der fünf Raupen pro Becher zu perfekten Schmetterlingen entwickeln, ist die Tatsache, dass es bei vier von den Fünfen gelungen ist, doch schön.

 

In vorhergehenden blog-Beiträgen kannst du die Entwicklung von der Raupe bis zum Distelfalter genauer nachlesen, Fotos dazu sehen und in meinem nächsten blog-Eintrag ist zu lesen und im Video zu sehen wie ich die Schmetterlinge habe fliegen lassen.

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Do

21

Jul

2016

Der erste wunderschöne Distelfalter ist geschlüpft - juchhu! (2016)

Tag 16: Der erste der fünf Distelfalter ist geschlüpft

Was für eine Überraschung! Als ich meiner Freundin Petra Mittwochmorgen die Schmetterlings-Puppen in dem Brutlebensraum zeigen wollte, sah ich, dass bereits eine der fünf Puppen offen und leer war und dann auch den  Schmetterling am Rand sitzen, die Flügel angelegt. Ich hatte gar nicht beobachtet, dass sich die Puppen verfärbt hatten, obwohl ich bis Dienstagabend immer wieder nachgeschaut hatte; denn in der Pflegeanleitung Schmetterlingsgarten steht, dass die Schmetterlinge nach dem Verfärben der Puppe noch am gleichen Tag schlüpfen. Darauf hatte ich gewartet.

Begeistert ging ich in unseren Garten, um Blumen und Blätter zu pflücken, an denen sich die Schmetterlinge, die in unseren Garten kommen, so gerne laben. Wir sehen fast jeden Tag einen AdmiralBläulinge, Kohlweißlinge und ein Tagpfauenauge an unserem Schmetterlingsflieder, dem Blutweiderich und dem Lavendel sitzen. Diese Blumen und Blätter beträufelte ich mit der Pipette aus dem Schmetterlingsgarten mit 5 % igen Zuckerwasser und legte sie vorsichtig in den Brutlebensraum, um den Schmetterling nicht zu stören. ( Ein Teelöffel Zucker, 5ml, auf 100 ml Leitungswasser geben und umrühren). Wie in der Pflegeanleitung empfohlen, gab ich auch frisches Obst dazu, dass ich für diesen Fall gekauft hatte: Ein Stück Banane und ein Viertel einer Orange, das ich, wie empfohlen, in der Mitte auseinander gedrückt habe, damit sich ein Tal bildet. Durch das Quetschen des Orangenviertels sammelte sich der Saft dann in der Tal-Mitte.

Am Abend konnte ich den Falter dann in seiner ganzen Pracht, mit den hübschen, ausgebreiteten Flügeln betrachten. Meine Freundin Petra sprach mir aus der Seele: "Zauberhaft, diese Metamorphose!"

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Sa

16

Jul

2016

Schmetterlings-Tagebuch Tag 11: Im Brutlebensraum (2016)

Drei Tage die Puppen ruhen lassen

Spät am Dienstagabend konnte ich zufällig der Verpuppung der fünften und letzten Raupe zusehen. Toll! Ich habe ein kleines Video davon gedreht, s.u.. Hier kannst du auch sehen, wie sich in dem Becherglas nebenan die neuen Raupen bewegen.

Jetzt sollte ich drei Tage warten bis die Puppen vollständig verhärtet sind. Nahrung benötigen die Puppen nicht. Laut wikipedia ist eine Puppe "...ein morphologisch klar abgegrenztes, meist fast oder völlig bewegungsloses Übergangsstadium zwischen der Insekten-Larve und dem geschlechtsreifen Vollinsekt (Imago)."

Die Puppen kommen ins Habitat, den Brutlebens- raum

Bevor ich mit der "Verlegung der Raupen" in den Brutlebensraum" begann, war es gut dazu sowohl den Beipackzettel zum Schmetterlingsgarten, als auch die E Mail von Insect Lore zu lesen, die rechtzeitig versendet wurde; denn die Informationen ergänzten sich sinnvoll.

Die von Insect Lore mitgelieferte Chysalis-Station, die nicht im Schmetterlingsgarten enthalten ist, erleichtert den Transport ins Habitat sehr. Die Puppen müssen jetzt nicht mehr, wie auf dem Beipackzettel zum "Schmetterlingsgarten" beschrieben, einzeln mit einer Sicherheitsnadel oder einem Klebeband am Netz oder Stoff im Inneren des Habitats fest gemacht werden. Als erstes habe die Chrysalis-Station, die Box, wie angegeben gefaltet und das Habitat daneben gestellt. Bei wikipedia ist sehr schön beschrieben, warum die Box Chrysalis-Station heißt: "Die Zeitspanne der Metamorphose sowie das in der Metamorphose befindliche Insekt werden beim Seidenspinner auch Chrysalis (zu griechisch χρυσός chrysos ‚Gold’)[1] genannt. Bei diesen spinnt sich die Larve im letzten Stadium ihres Lebens als Larve in einen Kokon ein, dessen Fäden abgehaspelt als Seide genutzt werden."

 

Nun habe ich den Becher vorsichtig geöffnet und den Deckel, an dem vier der fünf Schmetterlingspuppen hingen, in die Box gestellt. Dabei hat sich eine der vier Puppen kurz, eine andere eine ganze Zeit lang geschüttelt. Zum Glück ist auf dem Beipackzettel zu lesen, dass das kein Problem ist: "Zwar wirkt das wie eine Zeit der Ruhe und Erholung, doch in Wirklichkeit ist viel los. In den Puppen wird das alte Raupengewebe zersetzt und umgeformt. Es bilden sich die völlig andersartigen Zellen, Gewebe und Organe des ausgewachsenen Schmetterlings." Die Puppen sehen jetzt meines Erachtens auch kleiner und dünner aus als direkt nach der Verpuppung.

 

Wie in der E Mail angegeben habe ich vorsichtig die Spinnfäden und den Kot von den Puppen entfernt, damit sie sich später beim Schlüpfen nicht darin verfangen können. Sonst könne es passieren, dass sich die Flügel nicht ganz entwickeln können und deformiert sind. Das möchte ich natürlich verhindern. Das Entfernen von Spinnfäden und Kot war in erster Linie bei der Schmetterlingspuppe wichtig, die nicht vom Becherdeckel hing, sondern tiefer, unterhalb einer anderen wie du auf dem Foto von Tag 7 erkennen kannst. Diese Puppe habe ich dann, wie für eine Puppe beschrieben, die sich vom Deckel/der Scheibe abgelöst hat, vorsichtig mit einem Löffel aus dem Becher herausgeholt, mit einem feinen Pinsel und vorsichtig mit der Hand die Seidenfäden, in die sie ziemlich fest eingesponnen war, entfernt und sie dann auf einem Stück Küchenpapier auf den Boden an der Seite des Habitats gelegt; s. Foto.

 

Warten auf die Geburt der Schmetterlinge

Insgesamt sollen die golden überzogenen Schmetterlingspuppen 7-14 Tage in dem Übergangsstadium verweilen, ehe sie sich zu Schmetterlingen entwickeln. Es ist also erst einmal Warten angesagt. Erst wenn sich die Puppen dunkel verfärben, wird es spannend; denn dann schlüpfen die Schmetterlinge wahrscheinlich noch am gleichen Tag.

Was machen die fünf neuen Raupen?

Vier von ihnen sind in den vier Tagen unglaublich schnell gewachsen und müssten ihre Größe, ca. 40mm, erreicht haben. Im Gegensatz zu den ersten fünf Raupen ist eine von den Fünf aber immer noch sehr klein, kaum gewachsen. Im Bild ist sie die mittlere Raupe unten. Ich bin sehr gespannt, ob sie das überleben kann, sie sich trotzdem, wenn auch später, langsamer entwickelt. Bisher bewegt sie sich und spinnt Fäden. Das gibt Hoffnung.

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Di

12

Jul

2016

Schmetterlings-Tagebuch Tag 7: Die Verpuppung (2016)

Vier Puppen und ein J

Jetzt ging es schnell: Die vier Raupen, die gestern bereits als J zu sehen waren, sind heute alle verpuppt und die fünfte Raupe hing heute morgen als J vom Deckel des Becherrandes.

Heute erhielt ich auch passend eine E Mail von Insect Lore mit der Nachfrage, ob sich die Raupen schon verpuppt hätten, zusammen mit weiteren Informationen. Toll!

Laut dieser Informationen beginnen die Raupen damit an den Deckel zu krabbeln sobald sie genug Energie getankt haben und hängen sich dann als J herab. Anschließend häuten sie sich noch einmal und verpuppen sich.

Puppe neben Raupe

Toll, dass sich nicht alle gleichzeitig verpuppt haben; denn so kann ich sehr schön den Unterschied zwischen der Puppe links und der Raupe als J rechts betrachten. Ich sehe deutlich, dass die Puppe viel glatter ist und nicht mehr grauschwarz mit gelben Linien, sondern eher goldbraun. "Nach 3 Tagen sind die Puppen vollständig verhärtet und es ist an der Zeit, sie ins Habitat zu setzen." so die genauere Information aus der E Mail. Das finde ich sehr hilfreich, um zu entscheiden wann ich die Puppen umsetze.

Fünf weitere Schmetterlingsraupen

Heute kamen noch einmal fünf Raupen mit der Post. Da ich mich bei Insect Lore melden sollte, falls die Raupen nach einer Woche noch nicht angekommen sind, hatte ich Mittwochmorgen eine entsprechende E Mail geschickt. Dann kamen sie aber Mittwochmittag doch noch an. Auf meine sofortige Rückmeldung erhielt ich dann aber die Information, dass neue Raupen bereits unterwegs seien. Da diese unseres Erachtens auch noch kleiner sind als die erste Sendung, kann ich ihnen noch besser beim Wachsen zusehen und wir vermehren die Schmetterlinge in unserer Umgebung noch mehr. Toll!

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Mo

11

Jul

2016

Schmetterlings-Tagebuch Tag 6: Zur Verpuppung bereit (2016)

Tatsächlich hängen heute vier von den fünf Raupen mit dem Kopf nach unten in dem Bechergla und bilden jeweils ein J. Sie sind also zur Verpuppung bereit. Interessanterweise hängen drei vom Deckel herab und die vierte Raupen hat sich quasi eine Etage tiefer an den gesponnenen Seidenfäden aufgehängt. Die fünfte Raupe hat sich auch schon, wie die anderen vorher, an den Deckelrand begeben.

Ich kann jetzt sehr schön sehen wie sich das Seidengespinst fast im gesamten Becher verteilt hat, die einzelnen Raupen jeweils umgibt.

In dieser Zeit der Metamorphose ist es laut Beipackzettel wichtig die Raupen nicht zu stören, denn jetzt sind sie am meisten verwundbar. Mal sehen, ob ich beobachten kann wie die Raupenhaut nahe dem Hinterkopf aufbricht und die Puppe sich aus der Haut windet.

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So

10

Jul

2016

Schmetterlingstagebuch Tag 5 (2016)

Heute war richtig viel Bewegung in dem Becherglas, ein noch deutlicheres Streben nach oben, zum Deckel des Becherglases. Arne hat schon gefragt, wann die Raupen denn in den Brutlebensraum umziehen sollen, also in den eigentlichen Schmetterlingsgarten. Laut Beipackzettel zur Lieferung von Insect Lore soll ich den Deckel erst öffnen nachdem sich alle Puppen gebildet und erhärtet haben. Das braucht sicher noch ein wenig Zeit. Ich bin jetzt schon gespannt darauf, ob sich einige Raupen morgen schon umgekehrt vom Deckel herabhängen. "Eine faszinierende Veränderung Wenn die Raupen zur Verpuppung bereit sind, klettern sie zum Becherdeckel hoch, spinnen ein Gespinstpolster und hängen sich von ihm herab umgekehrt auf - in der Form eines Js." (Pflegeanleitung von Insect Lore)

Besonders gefreut hat mich auch, dass alle fünf Raupen in Bewegung sind, es also allen Raupen gut geht. Das habe ich gestern zum ersten Mal so deutlich sehen können, da sich alle fünf gleichzeitig bewegten. Auf dem Foto links unten lassen sich meines Erachtens auch sehr schön die Dornen erkennen.

Die der Raupensendung beigefügte "Raupengarantie" garantiert, dass sich drei der fünf Raupen pro Becher zu Schmetterlingen entwickeln. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich die erfolglosen Raupen in dem Becher zurückschicken und Ersatzraupen anfordern. Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass das bei diesen fünf Raupen nicht nötig sein wird.

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Sa

09

Jul

2016

Schmetterlings-Tagebuch Tag 4 (2016)

Samstag, 9. Juli

Direkt nach dem Aufstehen, schon vor dem Frühstück, habe ich nach den Raupen gesehen, ob zwei von ihnen, wie schon  gestern abend, am Becherrand nach oben klettern, zum Deckel hin. Das ist laut Informationsblatt von Insect Lore ein Zeichen dafür, dass sie zur Verpuppung bereit sind.

Tatsächlich, schon morgens bewegen sich zwei scheinbar zielstrebig am Rand hoch, Richtung Deckel, wie auf dem Foto zu erkennen ist. Gegen Abend ist eine von beiden mit einem Ende bereits ganz oben angelangt s. nächstes Foto. Wie spannend!

 

An den grauschwarzen Raupen sind gelbe Rückenlinien sowie kurze gelbliche bis graue Dornen zu erkennen wie vom BUND beschrieben. Beim genaueren Hinsehen kann ich sehen, dass sie "...auf jedem Segment einen Dornenring mit sich verästelnden Dornen" tragen (s. wikipedia). Hier ist auch zu lesen, dass sich die Raupen je nach Gebiet von vielen verschiedenen Pflanzen ernähren: Brennnesseln, Hülsenfrüchtlern, Korb- und Kreuzblütlern, Kratz- und Ringdisteln, Malven-, Raublatt- und Weinrebengewächsen. Die Atmung der Raupen geschieht laut dem Beiblatt durch kleine Atemlöcher, die sich beidseitig auf jedem Segment befinden. In Europa können zwei Generationen ausgebildet werden, die laut BUND in der Natur ab Juni in einzelnen zusammengesponnenen Blättern leben und  sich in ihren Blatttüten nach etwa vier Wochen verpuppen.

Auf den Fotos, die ich alle in der Nähe meiner Wohnung gemacht habe, sind mögliche Futterpflanzen der Raupe zu sehen. Von oben nach unten und links nach rechts:  Malven, Natternkopf (Rauhblattgewächs), Platterbse (Hülsenfrucht) und Stockrose (Malvengewächs), Distel, Brennnessel.

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Fr

08

Jul

2016

Von der Raupe zum Schmetterling - ein kleines Beobachtungs-Tagebuch (2016)

April 2016: Ich bekam von meiner Familie den Experimentierkasten "Schmetterlingsgarten" geschenkt. Was für eine tolle Idee! Nach unserem Urlaub in Italien und nachdem endlich der Sommer begonnen hatte, die Temperaturen für Schmetterlinge immer besser wurden, wollte ich unbedingt mit dem Schmetterlings-Projekt beginnen, die Raupen bestellen.

 

Sonntag, den 26. Juni:  Die Raupen sind bei Insect Lore bestellt. Aus ihnen werden sich hoffentlich bald unter meinen Augen Distelfalter entwickeln. Wie schön, dass ich bei einem meiner Spaziergänge im Juni auf der Halde Rheinelbe schon einen Distelfalter gesehen habe (s. Foto). Das erhöht meine Vorfreude und ich denke, dass sie hier gut zurecht kommen werden, sich weiter vermehren können.

 

28. Juni:  Ich erhielt  die E-Mail, dass die Raupen unterwegs seien und ich die Schachtel sofort aus dem Briefkasten holen müsse, damit sich die Temperaturen für die Raupen nicht zu schnell ändern. Sie benötigen zum Gedeihen am besten konstante Temperaturen zwischen 21° und 26°C. Ich war gespannt, wann sie ankommen werden.

 

2. Juli:  Da die Raupen noch nicht angekommen waren, wurde ich unruhig und fragte per E-Mail nach. Ich erhielt die Antwort, dass die Ankunft bis zu einer Woche nach Versendung dauern könne. Die Distelfalter-Raupen seien in einem Becher mit nahrhaftem Futter unterwegs, welches ihnen ausreicht, um sich zum Schmetterling zu verwandeln. Das beruhigte.

Mittwoch, 6.Juli: Juchhu, das Paket mit der Aufschrift "URGENT! Open Immediately!" ist angekommen. Wir haben es natürlich auch sofort geöffnet und den Becher mit den Raupen an einen sicheren Platz gestellt, wo sie vor direktem Sonnenlicht geschützt sind und ich sie gut beobachten kann. Sie stehen im Regal direkt über meinem Schreibtisch. Bewegen sie sich? Wenn sie das zunächst nicht tun, soll das nicht schlimm sein. Da das von ihnen gewebte Material (die Seidenfäden) sehr gut zu sehen waren, war das schon einmal ein gutes Zeichen. Nach wenigen Minuten sahen wir aber auch, dass sich zwei der fünf Raupen bewegten. Faszinierend. Den Deckel soll ich nicht abnehmen, damit das Futter sauber bleibt. Im Deckel sind kleine Luftlöcher, die dafür sorgen, dass die Raupen genug Luft haben.

Donnerstag, 7. Juli: Unseres Erachtens sind die Raupen schon von einem Tag auf den anderen ein wenig weiter gewachsen. Ich habe solche Freude daran sie immer mal wieder zu beobachten und sehe dass sich mal weiter vorne, mal weiter hinten zwei bewegen.

Freitag, 8. Juli: Heute bewegen sich zwei der Raupen besonders viel und bei einer glaube ich sehen zu können wie sie den Faden spinnt. Ich meine sie sind schon wieder ein wenig gewachsen.

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Di

05

Jul

2016

"Zeit der Schmetterlinge" - Jetzt mitmachen zu ihrem Schutz (2016)

Bis zum 17. Juli können sich noch alle Freund_innen der Schmetterlinge beteiligen an der vom NABU  initiierten Mitmachaktion Schmetterlinge. Dazu sollen wir an möglichst vielen Tagen "... im Garten, am Straßenrand oder in öffentlichen Grünanlagen..." alle Schmetterlinge zählen, die wir an einer ausgewählten Pflanze beobachten.

Sehr hilfreich ist dazu das Faltblatt Zählhilfe des NABU, mit schönen Abbildungen einiger Schmetterlinge, die hier häufig vorkommen und genaueren Erläuterungen. Die ausgefüllten Zählhilfebögen, einer pro Tag, können postalisch oder per e-mail mit dem Stichwort oder dem Betreff "Zeit der Schmetterlinge" an NABU NRW,Völklinger Straße 7– 9, 40219 Düsseldorf bzw. schmetterlingszeit@NABU-NRW.de gesendet werden.

Ich werde mir den Sommerflieder in unserem Garten auswählen, da er gerade wieder blüht und Schmetterlinge anzieht. Auf dem Foto ist ein C-Falter auf unserem Sommerflieder zu sehen. Weitere Fotos von und Informationen über Schmetterlinge, zum Teil mit den bevorzugten Pflanzen, sind in meinem blog-Artikel "Schmetterlinge auf Zollverein" zu sehen und zu lesen. In dem blog-Artikel "Der Schmetterlings-Kräuter-Garten - ein Fest für die Sinne" sind viele Pflanzen erwähnt, die Schmetterlinge mögen und werden Tipps für einen Schmetterlings-Garten gegeben. Mir machen sie in jedem Sommer große Freude.

Da das meine Familie weiß, hatte Katharina die Idee mir einen "Schmetterlingsgarten" (s. z.B. von Thalia) zu schenken, so dass ich genauer beobachten kann wie Schmetterlingsraupen wachsen, sich verpuppen und später zu Schmetterlingen entwickeln. Das ist etwas Schönes, Interessantes für Groß und Klein. Die Raupen sollen heute mit der Post ankommen und ich freue mich schon sehr. Natürlich werde ich darüber bloggen.

Trotz des bisher sehr wechselhaften Wetters habe ich schon viele Kohlweißlinge (links oben), zwei Admirale (rechts oben), einen Jakobskrautbär (unten links) und drei Raupen des Jakobskrautbärs (unten rechts) im Garten oder auf meinen Spaziergängen zur Halde Rheinelbe gesehen und freue mich auf mehr.

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Fr

13

Mai

2016

Pfingsten eine Stunde Vögel beobachten,vielleicht sogar einen Preis gewinnen (2016)

Seit heute, bis Pfingstsonntag kann wieder jede_r mitmachen bei der Stunde der Gartenvögel. Ob allein oder mit Freund_innen, auf dem Balkon, im Garten oder im Park, es macht immer wieder solche Freude die Vögel zu beobachten und das Zählen, nur eine Stunde lang, ist ein schöner und sinnvoller Beitrag zum Umweltschutz.

NABU: "Zählen Sie alle Vögel, die Sie beim Blick in Ihren Garten oder den örtlichen Park entdecken können. Im Laufe einer Stunde sollen von jeder Vogelart die höchste Zahl der dort beobachteten Vögel notiert werden. Und zwar die höchste Zahl zu einem Zeitpunkt: Dieselbe Amsel fünfmal hin und herfliegen zu sehen, macht nicht fünf Amseln, sondern nur eine." Sehr hilfreich ist die "Zählhilfe", die auf der NABU-Seite zu sehen bzw. herunterzuladen ist, mit schönen Abbildungen einiger Vögel, sowie der Flyer mit dem Meldebogen. Hier stehen auch die Preise, die dabei zu gewinnen sind: Fernglas, Insektenhotels, Gutscheine, Fledermausquartiere, Kosmosbücher, Nistkästen und Nützlingswaben.

 

Weitere Informationen zum Beobachten der Vögel, meine positiven Erfahrungen, Fotos von einigen unserer Gartenvögel, lassen sich auch in meinen blog-Artikeln "Haussperling auf Platz 1, der Erlenzeisig als "Shooting Star" sowie "6. Stunde der Wintervögel - eine interessante Forschungsstunde" vom Winter  2016 lesen und vom Winter 2015 "Wintervögel zählen, eine Stunde lang - mitmachen beim Tierschutz" sowie "Stunde der Wintervögel - Erfahrungen und Ergebnisse"

 

Auf dem Foto sind vier Singdrosseleier zu sehen. Leider wurde das Nest verlassen, die Eier nicht ausgebrütet. Wir haben den so kunstvollen Nestbau sehr bewundert und finden es natürlich sehr schade, dass die Singdrosseln, wodurch auch immer, am Brüten gehindert wurden. Es macht so viel Freude die Amsel mit ihren Jungen in unserem Garten zu beobachten, den Zaunkönig, wie er Nistmaterial transportierte, Laubsänger mit ihren Jungen, eine Schwanzmeise, die vom Brüten, in dem engen Nest, einen deutlich gebogenen Schwanz hatte, im Vergleich zum Winter, die Dompfaffpärchen, die Kohl- und Blaumeisen, den Buntspecht, den Kleiber, die Heckenbraunellen. Alle, die ich kenne, die erst einmal angefangen haben, unsere heimische Vogelwelt zu betrachten, finden immer mehr Freude und Interesse daran.

 

Letztes Wochenende habe ich mit zwei Freundinnen die Watvögel im Nationalpark Oosterschelde auf Zeeland beobachtet und wir waren begeistert von der Vielfalt der Vogelwelt dort, nicht nur von den Watvögeln. Wir sahen Brandgänse, Graugänse, Ringelgänse, Nilgänse, Weißwangengänse/Nonnengänse, Reiherenten, Säbelschnäbler, so nah, Uferschnepfen, Sandregenpfeifer, Austernfischer, Kiebitze , auch Bachstelzen und Turmfalken. Wir sind nicht ganz sicher, ob wir Rotschenkel und sogar einen dunklen Wasserläufer gesehen haben und wollen uns für das nächste Mal unbedingt ein Spektiv mitnehmen, um genauer beobachten zu können. Also, seitdem ich die Vögel, alleine oder mit anderen beobachte, immer mehr sehe und höre, lässt es mich nicht mehr los.

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Di

22

Mär

2016

Eier selber färben mit Pflanzenfarbstoffen (2016)

Selber Eier färben mit Granatapfel, Heidelbeeren, Holunderbeersaft, Kurkuma, Rotkohl, Rooibostee und  Spinat machte uns letztes Jahr Ostern allen viel Spaß. Das Experimentieren mit selbst hergestellten Farblösungen aus Pflanzenfarbstoffen ist einfach toll. Dank Katharinas Idee haben wir durch Blätter aus unserem Garten auch noch hübsche Muster bei den bunten Eiern erzielt. Wichtig für ein gutes Ergebnis ist, die Eier durch Essig vorher anzurauen und die in der jeweiligen Farblösung gekochten Eier darin abkühlen zu lassen. Die  Farbintensität war sehr unterschiedlich und dadurch natürlich auch die Wirkung durch die Blätter.

nicht der strengen Kennzeichnungspflicht, die EU-weit für rohe Eier gilt

Kaufen oder lieber selber färben? | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/warstein/kaufen-oder-lieber-selber-faerben-aimp-id11653107.html#plx271841403

In diesem Jahr möchte ich mal versuchen nur unterschiedliche Farben durch Rotkohl zu erzielen, indem ich die Farblösung mal pur verwende und mal mit Natron oder Essig versetze. Die Idee mit den Blättern hat mir so gut gefallen, dass ich das auf jeden Fall wiederholen will.

In der WAZ ist jetzt vor Ostern z.B. zu lesen, dass die gefärbten Eier "...nicht der strengen Kennzeichnungspflicht die EU-weit für rohe Eier gilt" unterliegen und dadurch verschleiert werden kann, dass sie aus Käfighaltung stammen. Auch in der Süddeutschen Zeitung steht, dass wir nur sicher sein können keine gefärbten Eier aus Käfighaltung zu bekommen, wenn wir die Eier selber färben. Welche Farbstoffe dann bei den gekauften Eiern benutzt werden, wissen wir auch nicht. Also, es gibt viele gute Argumente, um selbst Eier zu färben.

nicht der strengen Kennzeichnungspflicht, die EU-weit für rohe Eier gilt

Kaufen oder lieber selber färben? | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/warstein/kaufen-oder-lieber-selber-faerben-aimp-id11653107.html#plx271841403
nicht der strengen Kennzeichnungspflicht, die EU-weit für rohe Eier gilt

Kaufen oder lieber selber färben? | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/warstein/kaufen-oder-lieber-selber-faerben-aimp-id11653107.html#plx271841403
nicht der strengen Kennzeichnungspflicht, die EU-weit für rohe Eier gilt

Kaufen oder lieber selber färben? | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/warstein/kaufen-oder-lieber-selber-faerben-aimp-id11653107.html#plx271841403
nicht der strengen Kennzeichnungspflicht, die EU-weit für rohe Eier gilt. In bunte Schalen gehüllt, verschleiern viele fixe und fertige Produkte jedoch, dass sie aus Käfighaltung stammen.

Kaufen oder lieber selber färben? | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/warstein/kaufen-oder-lieber-selber-faerben-aimp-id11653107.html#plx1357774269
nicht der strengen Kennzeichnungspflicht, die EU-weit für rohe Eier gilt. In bunte Schalen gehüllt, verschleiern viele fixe und fertige Produkte jedoch, dass sie aus Käfighaltung stammen.

Kaufen oder lieber selber färben? | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/warstein/kaufen-oder-lieber-selber-faerben-aimp-id11653107.html#plx1357774269

1. Schritt: Eier anrauen

Lege die zu färbenden rohen, weißen Eier fünf Minuten in Essig oder entsprechend verdünnter Essigessenz (5 %). Die Essigsäure löst die Kalkschale unter Gasentwicklung (Kohlendioxid) langsam auf. So ist die Schale nach 5 Minuten im Essig etwas rau und kann die Farbe besser aufnehmen. Wenn dich genauer interessiert, was mit der Eirschale in Säuren/im Essig passiert, lies nach in meinem blog-Artikel "Ei-Experimente"

2. Schritt: "Vegane" Farblösungen herstellen - Kurkuma und Rotkohl waren und sind die Favoriten

Rotkohllösungen: Wir haben einen halben Rotkohl in schmale Streifen geschnitten, mit Wasser gerade bedeckt, einmal kurz aufkochen und dann gut eine Stunde simmern lassen. Nach dem Abseihen durch ein Sieb, erhielten wir eine intensiv blauviolett gefärbte Lösung.

In diesem Jahr habe ich zu einem Teil der blauvioletten Rotkohllösung eine Tüte Natron (natürlich vegan Katharina) gegeben und erhielt eine erst blaue, dann, beim Kochen der Eier, grüne Lösung. Nach Zugabe von Essigessenz wurde die Rotkohllösung intensiv rotviolett.(s. auch meinen blog-Artikel "Experimentieren mit Rotkohl")

Kurkumalösung: 20g Kurkuma haben wir in ca. 500 ml Wasser 30 Minuten geköchelt und erhielten eine intensive gelborange Farblösung.

Heidelbeerlösung: Die Heidelbeeren wurden gerade mit Wasser bedeckt, einmal aufgekocht und dann haben wir sie auch ca. 30 Minuten simmern lassen.

Weniger gelungen: Der konzentriert hergestellte Rooibostee ergab zwar eine rotbraune Lösung, färbte die Eier aber eher so wie braune Eier. Die Spinatlösung aus ca. drei Handvoll Blattspinat und ca. 500ml Wasser war nur blassgrün und färbte die Eier kaum. Der Granatapfel, der Hände und Holzbrett beim Verarbeiten intensiv rot färbt, ergab auf den Eiern leider auch kaum eine Verfärbung, erst Recht kein intensives Rot. Heidelbeerlösung und der Apfel-Holunderbeer-Saft, waren zum Färben enttäuschend, da sie nicht intensiv blau sondern eher schmutzig blaugrau oder graubraun gefärbt haben. Der Holunderbeersaft war aber auch wenig konzentriert, so dass ich ihn lange eingekocht habe. Im Sommer möchte ich einmal daran denken, aus den gesammelten Holunderbeeren auch Saft zu pressen und nicht alles zu Marmelade zu verarbeiten. Karotten haben wir dann gar nicht mehr ausprobiert.

3. Schritt: Muster mit Blättern

Du brauchst: Mikrofasersocken, Blätter aus dem Garten oder deiner Umgebung.

Jeweils eins oder zwei der ausgewählten Blättchen, z.B. Geranium- oder Leberblümchen-Blätter, auf ein weißes, angerautes Ei legen und das so verzierte Ei in das Söckchen legen und gut zuknoten.

 

4. Schritt: In dem Aufguss kochen und abkühlen lassen

Die angerauten und zum Teil mit Blättchen in Microfaser-Socken eingepackten Eier haben wir dann in den verschiedenen Farblösungen jeweils 8 Minuten gekocht und in dem Farbaufguss abkühlen lassen. Nach dem Einreiben mit einer Speckschwarte glänzten sie schön und eine Auswahl der am besten gelungenen gefärbten Eier aus dem letzten Jahr sind auf dem ersten Foto, ganz oben, abgebildet.

Ausblick

Das blau gefärbte Ei lag schon ca. 12 Stunden im Rotkohlaufguss, das blassgrüne Ei liegt erst kurz im mit Natron versetzten Rotkohlaufguss und die intensiv rotviolett gefärbte Lösung in dem Eierbecher ist der Rotkohlaufguss nach Zugabe von Essigessenz. Das Endergebnis, vor allem auch mit der Wirkung durch die Blätter, lässt noch ein wenig auf sich warten. Vielleicht ergänze ich auch doch noch gelbe Kurkuma-Eier. Allen Leser_innen frohe Ostern und viel Spaß beim Experimentieren, Angelika Nordmann

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Sa

20

Feb

2016

Mehlwürmer fressen coffee-to-go-Becher - Styropor herstellen,verwenden, recyceln (2016)

Forscher_innen der Standford-Universität haben entdeckt, dass Mehlwürmer Styropor fressen können und eine 13jährige  Schülerin erforschte, dass Mehlwürmer die Styroporart der coffee-to-go-Becher bevorzugen. Sofort habe ich mir in einem Zoofachgeschäft Mehlwürmer gekauft, um selbst zu experimentieren. Sind die Würmer der Mehlkäfer also nicht nur begehrtes Vogelfutter, Köder für Angler_innen, eine gute Eiweißquelle für Nager wie z.B. Mäuse und Hamster, sondern auch perfekte Styroporrecycler? Ein spannendes Thema für interessierte Naturwissenschaftler_innen.

 

Polystyrol, als Schaumstoff von BASF unter dem Namen Styropor bekannt, der älteste Polymerisationskunststoff und einer der billigsten Kunststoffe, wird so vielseitig verwendet: Zur Herstellung von Bechern, CD-Hüllen und Einwegverpackungen und, da es leicht einzufärben ist, z.B. für Gebrauchsgegenstände wie Kämme, Knöpfe, Kugelschreiber, Schnallen etc.. Geschäumte Polymerisate finden Verwendung im Bausektor zur Schall- und Wärmeisolation, für Blumenkästen, Kühltaschen, Rettungsringe, Schwimmwesten, Spielzeug etc.. Copolymere werden für Autoreifen, Büromöbel, Förderbänder, Radio- und Staubsaugerteile, Telefonapparate, Zeichenartikel usw. verwendet. Es entstehen also Unmengen von Müll, die nur schlecht recycelt werden. Können die neuen Entdeckungen unser Plastikmüll-Problem verringern? Über meine eigenen Beobachtungen werde ich später auch berichten.

Was ist Polystyrol bzw. Styropor?

 

Aus Harz und einem Aromastoff

Polystyrol ist ein Kunststoff, der durch Polymerisation aus dem Grundbaustein Styrol, nach IUPAC Phenylethen, gewonnen wird. Der Name Styrol deutet darauf hin, dass dieses Monomer früher, schon 1831,  aus dem Harz Styrax des Orientalischen Amberbaums gewonnen wurde. Er ist ein Naturstoff, der laut wikipedia auch als Aromastoff in kleinen Mengen in Weintrauben, Kiwis und dem Duft der Orchideenblüten vorkommt.  Seine Bedeutung war zunächst gering, bis es 1930 als Grundstoff für die Kunststoffchemie entdeckt wurde.

 

Kettenpolymerisation

Heute wird Styrol aus Benzol, einem giftigen, krebserregenden aromatischen Kohlenwasserstoff und dem Pflanzenhormon Ethen hergestellt, wobei Aluminiumchlorid als Katalysator dient. Das so erhaltene Ethylbenzol wird dann großtechnisch zu Styrol dehydriert. Styrol polymerisiert schon unter Einfluss von Licht bei Raumtemperatur zu einem zähen, hochmolekularen Harz. In der Technik werden Peroxide als Katalysatoren zur Polymerisation eingesetzt. Beim Erwärmen zerfällt das so entstandene Peroxid in Radikale, die die Kettenpolymerisation einleiten. So entsteht das Makromolekül Polystyrol, einer der billigsten Kunststoffe, der sich aufgrund seiner Struktur bei niedrigen Temperaturen aber als brüchig erweist. Mischpolymerisate/Copolymere mit Acrylnitril zeigen dagegen eine hohe Festigkeit und Mischungen mit Kautschuk sind besonders zäh und stoßfest. Styrol lässt sich gut mit etwa zehn verschiedenen anderen Monomeren zu Kunststoffen copolymerisieren. Die SAN-Copolymere (Styrol-Acrylnitril) sind besonders bruchfest und beständig gegen unpolare Lösungsmittel und aus den SBR-Copolymerisaten (Styrol-Butadien-Rubber), werden nach Zusatz von Schwefel und Füllstoffen wie Ruß und Zinkoxid durch Vulkanisation Autoreifen oder Förderbänder hergestellt. Aus den schlagfesten Misch-Polymerisaten werden z.B. Büromöbel, Radio- und Staubsaugerteile, Telefonapparate und Zeichenartikel gefertigt.

 

Styropor

Aufgeschäumtes Polystyrol, das wir als Styropor kennen, besteht überwiegend aus Luft. In dem Video der Sendung "Kopfball" vom September 2013 ist sehr schön zu sehen wie kleine Polystyrolkügelchen durch Wasserdampf aufgeschäumt werden können. Dass das Styropor überwiegend aus Luft besteht zeigt dieses Video auch sehr anschaulich dadurch, dass lange Styroporstangen in einem organischen Lösungsmittel, hier Aceton, scheinbar verschwinden. Genaueres dazu unter Recycling, im nächsten Abschnitt. Eine elektronenmikroskopische Aufnahme in diesem Video zeigt die Struktur dieses Kunststoffes sehr schön: Porenwände aus Polystyrol, die mit Luft gefüllt sind. Deshalb ist Styropor so leicht, isoliert so gut und eignet sich prima als Dämmmaterial, zur Wärmedämmung. "Die Verwendung als Schaumkunststoff (Styropor) wurde 1949 von Fritz Stastny und seinem Chef Rudolf Gäth bei der BASF entwickelt, 1950 zum Patent angemeldet und 1952 auf der Kunststoffmesse in Düsseldorf vorgestellt." (wikipedia)

Recycling von Polystyrol, Styropor, Müll vermeiden

 

Die Mehlwürmer

„Unsere Studie ergab, dass Mehlwürmer Styropor essen und ihre Eingeweide das Material verdauen“, sagt Umweltingenieur Wei-Min Wu, Co-Autor der Studie. So ist es in der Wirtschaftswoche nachzulesen. Durch Enzyme zersetzen die Mehlwürmer laut dieser Studie den bisher als biologisch nicht abbaubar geltenden Kunststoff sehr schnell zu Kohlendioxid ohne weitere Belastung für die Umwelt. Nach einem Bericht von Spekrum. de verarbeiteten 100 Mehlwürmer täglich knapp 40 mg Kunststoff zu Kohlendioxid und Kot. Die Ausscheidungen der Mehlwümer seien laut der Mitteilung der Universität alle biologisch abbaubar und könnten theoretisch in der Pflanzenzucht als Dünger eingesetzt werden. Laut Wei-min Wu hätten die Mehlwürmer nach dem Fraß von Styropor keine gesundheitlichen Schäden gezeigt. Allerdings hatte die Testphase wohl nur einen Monat gedauert. "Offenbar übernehmen es Bakterien in den Innereien der Tiere, den eigentlich schwer zu verdauenden Kunststoff aufzuschließen. Welche Bakterien dies sind und ob sie sich auch isolieren und direkt auf das Polystyrol ansetzen lassen, wollen die Wissenschaftler demnächst klären" (Spekrum 10/2015)

 

Jugend forscht

Angeregt durch eine Radiosendung über Mehlwürmer, ich nehme an über diese Studie, hat eine 13jährige Schülerin, Nele Stumme aus der 8b des Karl-Ziegler-Gymnasiums in Mülheim selber dazu geforscht und sich damit bei "Jugend forscht" beworben. In dem Regionalwettbewerb vom Februar 2016 hat sie mit ihrer Arbeit im Fach Biologie zum Thema: „Styropor-Entsorgung durch Mehlwürmer?“ sogar den 1. Preis erhalten. Laut WAZ-Artikel habe sie herausgefunden, dass die Mehlwürmer aus verschiedenen Styroporarten besonders coffee-to-go-Becher bevorzugten und Styropor scheinbar sogar lieber mögen als Haferflocken. Vielleicht erfahren wir noch einmal Genaueres, wenn sie am Landeswettbewerb im April teilgenommen hat. Nach vier Tagen hat sich bei den ca. 30 Mehlwürmern, die ich eingesetzt habe, noch nicht viel Sichtbares an Plastikabbau getan.

 

Recycling von Styropor durch Auflösen in organischen Lösungsmitteln und  Aufschäumen - ein Experiment

Für ein einfaches Experiment, das das Prinzip veranschaulicht, brauchte ich ein altes Marmeladenglas, Aceton (aus dem Baumarkt), Styroporreste von Verpackungen und eine Pinzette oder etwas zum Umrühren. Bei Aceton sollten unbedingt die Gefahrenzeichen beachtet werden: F leichtentzündlich und Xi reizend, s. Gefahrstoff-Datenbank!

Es ist schon faszinierend zu sehen wie die großen Styroporstücke im Aceton unter Gasentwicklung immer weniger werden. Das ist besonders auf dem Video der Kopfball-Sendung zu sehen, da dort alles in größerem Maßstab, also mit viel größeren Styropor-Stücken, zu beobachten ist. Das Experiment zeigt einfach sehr anschaulich, dass Styroor zu einem hohen Prozentsatz aus Luft besteht. "Das Lösen der Polymere ist ein rein physikalischer Vorgang, bei dem keine chemische Veränderung eintritt. Die Moleküle des Lösungsmittls schieben sich dabei zwischen die Polymerketten und heben damit die teilkristalline Struktur des Styropors ® auf." (Recycling von Polystyrol, S. 4)  Übrig bleibt ein verdichtetes, sehr kleines Stück Polystyrol (s. vorletztes Foto). Wie in dem Kopfballexperiment habe ich dann versucht das verdichtete Polystyrol in einem Sieb über einem Wasserbad wieder aufzuschäumen. In geringem Maße lässt sich das tatsächlich auch mit dieser einfachen Methode beobachten. In dem Kopfballvideo wird das Aufschäumen allerdings mit kleinen Polystyrolkügelchen gezeigt, die eine viel größere Oberfläche haben. 

Die Philipps-Universität in Marburg schlägt als Lösungsmittel und zum Aufschäumen Essigsäureethylester und n-Hexan vor. Letzteres sei allerdings relativ teuer und für Schüler_innen-Exprimente nicht sehr geeignet. Zum Aufschäumen eignen sich ihrer Ansicht nach im Prinzip alle unpolaren Lösungsmittel, z.B. auch Aceton, da sie in die Zwischenräume der Polymere eindringen und die unpolaren Polystyrolmoleküle vollständig umgeben können. N-Pentan sei noch besser als n-Hexan geeignet, weil es einen deutlich niedrigeren Siedepunkt hat (36°C statt 69°C).

 

Begrenztes Recycling, Müll vermeiden

Laut Wirtschaftswoche könnten die Mehlwürmer eventuell einen notwendigen Beitrag zum Problem des immer mehr wachsenden Müllproblems leisten. Es gäbe immer noch zu wenig Recyclingmethoden für viele Plastiksorten. Eine besondere Herausforderung sind dabei sicher die Copolymere. Der NABU macht darauf aufmerksam, "...dass nur 50 Prozent (55 Prozent ab 2020) der tatsächlich gesammelten und damit entscheidenden Menge werkstofflich verwertet werden sollen." Er kritisiert den Entwurf zum Wertstoffgesetz, der nur schwache Anforderungen an recyclingfreundliche Verpackungen enthalte und keine Anreize setzte recycelte Rohstoffe im Herstellungsprozess auch einzusetzen. 

 

Plastik vermeiden

Bei allen Problemen, die der Plastikmüll in unserer Umwelt bereits verursacht, muss es uns also weiter darum gehen Plastikmüll möglichst zu vermeiden.  Siehe auch meinen blog-Artikel "Wie kommt Plastik durch uns in Milch, Honig, Leitungswasser, Tiermägen... - Was kannst du tun?",  z.B.: ¨Am Meeresgrund wimmelt es von Plastik und Müll¨. Es gibt auf einigen Webseiten Tipps wie wir Plastik vermeiden können, z.B. vom BUND, von Greenpeace, der Süddeutschen Zeitung. Für mich ist das ein großes Anliegen, um das ich mich täglich bemühe.

 

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Fr

05

Feb

2016

Haussperling auf Platz 1, der Erlenzeisig als "Shooting Star" (2016)

Ergebnisse der 6. Stunde der Wintervögel im Januar

In unserem Garten besuchten uns in der einen Stunde fast ununterbrochen acht verschiedene Vogelarten: 2 Amseln gleichzeitig, die Blaumeise, das so hübsche  Dompfaff-Pärchen, die eher scheue Heckenbraunelle (s. Foto), der Kleiber, drei Kohlmeisen gleichzeitig und das Rotkehlchen.

Insgesamt haben laut NABU 93000 Menschen teilgenommen, aus 63000 Gärten und gemeinsam folgende Ergebnisse erzielt: "Auf den ersten acht Plätzen der häufigsten Wintervögel folgen nach dem Spitzenreiter Haussperling, Kohlmeise, Blaumeise, Feldsperling, Amsel, Grünfink, Buchfink und Elster, was genau dem Durchschnitt der Zählungen vergangener Jahre entspricht." Der Erlenzeisig, den ich leider noch nicht bei uns gesehen habe, hat wohl bei der diesjährigen Zählung besonders überrascht, da er viermal häufiger als in vorherigen Jahren beobachtet wurde und von Rang 22 auf Rang 9 `geklettert` ist. Mehr über ihn und andere häufige Wintervögel bei uns lässt sich wunderbar in dem "Wintervogel-Porträt" des NABU nachlesen.

Toll ist die "interaktive Karte" auf der ich von jeder beobachteten Vogelart die Verteilung der beobachteten Vögel deutschlandweit oder an einem bestimmten Ort sehen kann, die Anzahl der Vögel pro Garten, den Vergleich zum Vorjahr, den Platz in der Rangliste, ein Bild des Vogels und zusätzlich viele Informationen. So lässt sich hier ablesen, dass die Kraniche, diese faszinierenden "Vögel des Glücks" im Vergleich zum Vorjahr in den Gärten so viel mehr beobachtet wurden, + 564%. Noch 1978 war der Kranich Vogel des Jahres und zählte zu den seltensten Vogelarten (West-)Deutschlands. Meine Faszination der Kraniche ist auch in meinen blog-Artikeln "Die Kraniche sind zurück, tanzen - Frühlingsgefühle" und "Herbstzeit ist Kranichzeit, Zeit für die Vögel des Glücks" nachzulesen.

Vögel zu beobachten macht mir immer große Freude, nicht nur während der Stunde der Wintervögel oder zur Zeit der Kranich-Züge und -Rasten. Wer einmal damit beginnt und merkt wie es gelingt immer mehr zu sehen und zu hören von den hübschen Mitbewohner_innen, wird die zunehmende Freude daran sicher schnell nachempfinden.

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Fr

08

Jan

2016

6. Stunde der Wintervögel - eine interessante Forschungsstunde (2016)

Ab heute, den 8.Januar. bis Sonntag den 10. Januar eine Stunde Zeit nehmen für die Natur! Im letzten Jahr hat es mir sehr viel Freude gemacht eine Stunde lang in Ruhe die Wintervögel in unserem Garten zu beobachten und somit als interessierte Laiin einen Beitrag zum Naturschutz leisten zu können. Auch in diesem Jahr fordert der NABU alle Naturfreund_innen wieder auf. In meinem Artikel "Wintervögel zählen, eine Stunde lang - mitmachen beim Tierschutz" vom Januar letzten Jahres ist nachzulesen wie jede_r dazu beitragen kann und warum es so wichtig ist, dass möglichst viele Menschen mitmachen. Die Ergebnisse der Beobachtungen von über 10 000 Vogelfreund_innen, die mehr als 300 000 Vögel aus 120 Arten beobachteten, habe ich in dem Artikel "Stunde der Wintervögel - Erfahrungen und Ergebnisse" beschrieben; die notwendige Geduld, die dabei auftretende Entspannung und die Freude daran. Vielleicht machen dieses Jahr ja noch mehr Menschen mit und das Ergebnis wird noch aussagekräftiger. Ich würde mich freuen, wenn ich dazu anregen könnte, Freude an der Natur und  Wertschätzung für die Natur erfahrbar zu machen. Auf dem Foto ist der farbenprächtige Gimpel oder Dompfaff (Pyrrhula pyrrhula L.) aus der Familie er Finkenvögel zu sehen, wie er das Vogelhaus in unserem Garten besucht. Auf meinem heutigen Spaziergang, um die Halde Rheinelbe herum, sah ich dann in einem Baum mehrere männliche und weibliche Gimpel und war wieder fasziniert. Auch ein Grünspecht war zum ersten Mal wieder zu hören.

 

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Do

02

Jul

2015

Schmetterlinge auf Zollverein (2015)

Was für eine anregende, interessante Exkursion zu Schmetterlingen auf dem Gelände der Zeche Zollverein!: Ligusterschwärmer, Abendpfauenauge, Raupen vom Großen Gabelschwanz, Mondfleck (Mondvogel) und Braunwurzmönch, Kreuzkröten-Kaulquappen und die knotige Braunwurz  kennen gelernt, so Interessantes über sie und weitere Schmetterlinge - Admiral, Bläuling, C-Falter, Großes Ochsenauge, Kleiner Fuchs, Kohlweißling, Brauner Waldvogel (Schornsteinfeger), Tagpfauenauge und Zitronenfalter - erfahren. Für das Gelände, diese wunderbare Mischung von Kultur und Natur auf dem ehemaligen Zechengelände, kann ich mich immer wieder begeistern. Was für eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren sich dort bereits angesiedelt haben, ist einfach toll. Durch so eine tolle, vom NABU und einem Schmetterlingsexperten geführte Exkursion, wurde mein Blick für die Natur, meine Begeisterung für die Schmetterlinge und ihre Raupen gesteigert. Es hat allen Teilnehmer_innen große Freude gemacht und mich motiviert genauer in meinem Garten und in meinem Umfeld auf die hübschen, filigranen Insekten und auf Raupen zu achten. Jeden Tag sehe ich beim Spaziergang mit dem Hund und in unserem Garten Schmetterlinge: Admiral, Bläulinge, C-Falter, Kleiner Fuchs, Kleines Nachtpfauenauge, Kohlweißlinge, Jakobskrautbär (zum ersten Mal, Ende Mai). und gestern morgen z.B. habe ich einen Falter in meinem Bad entdeckt, ihn vorsichtig nach draußen gesetzt und dank meines Sohnes Arne als Buchsbaumzünsler identifiziert. Den hatte ich bisher noch nie gesehen. Bis zum 26. Juli kann jede_r an der Mitmach-Aktion "Zeit der Schmetterlinge", für Freund_innen der bunten Artenvielfalt, vom NABU teilnehmen, die eigenen Beobachtungen weitergeben.

Der Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri L.) auf Zollverein

Den Ligusterschwärmer hat der Schmetterlingsexperte Ulrich Dirkschnieder mitgebracht und ihn auf dem Gelände der Zeche Zollverein frei gelassen, ihn dazu auf das Jakobskreukraut (Jakobsgreiskraut) gesetzt. So konnten wir ihn toll in Ruhe betrachten und alle Exkursionsteilnehmer_innen, die Kinder wie die Erwachsenen, waren fasziniert (s. Foto oben). Der Ligusterschwärmer, erfuhren wir, ist ein einheimischer Nachtfalter, der zur Familie der Schwärmer gehört, von Mai bis Juli fliegt und abends Nahrung aufnimmt. Allerdings saugen die Falter, laut Experte, nicht mehr viel, da sie sich als Raupe die notwendige Substanz angefressen hätten. "Die Raupe des Ligusterschwärmers ist ausgewachsen etwa 90 bis 100 Millimeter lang. Sie ist leuchtend grün mit sieben seitlichen, weiß-rosa- bis weiß-lila-farbenen Streifen und gelben Punkten." Die Raupe ist gut an dem schwarzen Analhorn zu erkennen und lebt gerne auf Liguster oder anderen Ölbaumgewächsen wie z.B. Esche, Flieder, Forsythie. Deshalb sollten wir die Ligusterhecken bis September nicht mehr schneiden, um den Ligusterschwärmer, zu schützen. Kurz bevor die Raupe sich verpuppt, dazu gräbt sie sich ein (s. Video oben), wird sie unruhig und auf der Oberseite dunkler. (s. Ligusterschwärmer Sphinx ligustri L.). So eingegraben verpuppt sich die Raupe zum Schmetterling, kann als Puppe überwintern und im Mai des folgenden Jahres, nach dem Glätten der Falten, die Flügel ausbreiten und losfliegen. Ausführlich konnte ich das in der Vaihinger Kreiszeitung nachlesen.

Das Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata L.)

Da der Schmetterlingsflieder leider noch nicht blühte, an dem sich Schmetterlinge so häufig gut beobachten lassen, hat Herr Dirkschnieder auch noch ein Abendpfauenauge mitgebracht und ebenfalls auf dem Gelände der Zeche Zollverein frei gelassen, auf das Jakobsgreiskraut (Jakobskreuzkraut) gesetzt. Es ist ein ziemlich großer Nachtfalter, auch ein Schwärmer, der auf dem Foto in der Ruhehaltung zu sehen ist, So ist der Falter tagsüber gut getarnt; denn wir sehen vor allem Grau- und Brauntöne, so dass er an den Rinden, z.B. der Salweide, kaum zu sehen ist. Das blau und schwarz geringelte Auge auf den rötlichen Hinterflügeln, das dem Nachtfalter den Namen gegeben hat, ist hier nicht zu sehen. Die Augen sind erst zu sehen, wenn die Hinterflügel sichtbar werden und sollen vor einem Angriff schützen, indem sie einen großen Gegner vortäuschen. "Während die Falter keine Nahrung aufnehmen, fressen die Raupen an Pappeln und Weiden." (Dierl, Wolfgang: Schmetterlinge,S. 80). Pappeln und Weiden sind auf dem Zechengelände reichlich vorhanden, so dass die Raupen genug Nahrung finden können. Der Falter muss sich dann nur noch fortpflanzen. BUND "Die Weibchen senden Duftstoffe aus, die Männchen folgen dieser Duftspur, wobei das Riechorgan zu ganz außerordentlichen Leistungen in der Lage ist."

Bildergalerie: Schmetterlinge (Lepidoptera), Raupen, NABU auf Zollverein

auf der Bildergalerie - von links nach rechts und oben nach unten: Kleiner Fuchs, Kohlweißling, Raupe vom Gabelschwanz, vom Braunwurzmönch, Nora Scholpp (Projektleitung) und Michael Schoch (Projektmitarbeiter) von der Regionalstelle Ruhrgebiet auf dem Zechengelände, Raupen vom Mondvogel

"Natur auf Zollverein"- nicht nur Schmetterlinge

Die Regionalstelle Ruhrgebiet hat ein breites Angebot zur Erkundung der Natur auf Zollverein: Boden, Färberpflanzen, Fledermäuse, Geologie, Heuschrecken, Pilze, Schnecken, Tierspuren und Wintervögel.

Bei meiner ersten Exkursion dort, zu den Schmetterlingen, konnten wir neben den Schmetterlingen Kleiner Fuchs, Kohlweißling, (s. Bildergalerie und Foto links) viele Heuschrecken,  eine Menge Kaulquappen von der Kreuzkröte, verschieden Käfer, Libellenarten und Molche sehen und blühten u.a. Knotige Braunwurz, Jakobs-Greiskraut und Nachtkerzen. Während der Schmetterlingsexperte Herr Dirkschnieder uns so viel Interessantes über Schmetterlinge erzählte, hatte Frau Scholpp vom NABU die gute Idee, dass die Kinder ihre Umgebung nach Raupen absuchen. Das hat ihnen so viel Spaß gemacht. Sie waren ja auch erfolgreich, s. Fotos oben und sahen dabei Heuschrecken hüpfen, Libellen fliegen und Kaulquappen im Teich.


Kohlweißling (Pieris brassicae oder P. rapae L.): Herr Dirkschnieder erzählte uns z.B., dass bei dem Kohlweißling in einem Jahr mehrere Generationen anzutreffen sind, so dass die Raupen von Juni bis Oktober zu sehen sein können. Die Raupen ernähren sich, so sagte er, z.B. gerne von Kohl oder anderen Kreuzblütlern und überwintern als Puppen. Die Falter sind laut NABU von Ende April bis Mitte Oktober zu sehen, drei Generationen, die sich teilweise überschneiden. Deshalb sehen wir ihn auch so früh und so häufig. Wenn auch im Herbst noch Falter zu sehen seien, sei das ein Zeichen dafür, dass der Winter erst spät kommt.


Kleiner Fuchs (Aglais urticae L.): Er sei hier einer der häufigsten Vertreter der Schmetterlinge. Sein Lebensraum seien vor allem Viehweiden, da die Raupen sich gerne von den Brennnesseln ernähren, die das Vieh auf den Weiden stehen lasse. An dem Radweg der Industriekultur, neben unserem Garten, wachsen die Brennesseln in großer Menge und bieten den Raupen somit gut Nahrung. Laut wikipedia kann der kleine Fuchs in warmen Gegenden auch in mehreren Generationen vorkommen und ist ein Wanderfalter, der bis in Höhen von 3500 m zu finden ist. Er überwintert bei uns "...an geschützten Orten wie Kellern, Dachböden, Garagen oder auch in natürlichen Verstecken ...". Deshalb ist er auch schon früh im Jahr zu beobachten.


Lebensraum Zollverein: Frau Scholpp und Herr Schoch konnten dazu viel Interessantes über diesen speziellen Lebensraum erzählen: Über die Ansiedlung neuer Pflanzen (Neophyten) aus verschiedenen Ländern durch den Bahntransport, wie z.B. Goldruten und Nachtkerzen aus China, über Moose, Flechten und blauflügelige Heuschrecken, die sich dem Extremstandort angepasst haben. Der Boden aus Kohleschlamm könne sich im Sommer bis auf 60°C aufheizen. Auf dem nährstoffarmen Boden der Halden könnten vor allem Birken, Robinien und Weiden überleben. Auch die hier vorkommenden Libellen- und Amphibienarten seien an den Extremstandort angepasst, Kreuzkröten und Südliche Binsenjungfern hier anzutreffende Pionierarten. Auch Fledermäuse, Schwebfliegen, Wildbienen und Wanzen seien hier anzutreffen. Hinter der Kokerei Zollverein fänden wir Schmetterlingsfliedersträucher, Pappeln, Birken, junge Erlen und könnten neben typischen Vogelarten auch Stieglitze und Klappergrasmücken hören; manchmal auch "... das Zirpen der Weinhähnchen ..." (s. Natur auf Zollverein". Hier finde ich auch eine Wanderkarte, um diesen Lebensraum selbst zu erkunden.

 

Beobachten, Beobachtungen melden - Mitmachaktion des NABU

Seit der Exkursion scheine ich noch mehr Augen für die Schmetterlinge zu haben, sehe jeden Tag mehrere Schmetterlinge in unserem Garten und beim Spaziergang auf der Route Industriekultur (von links nach rechts in der obigen Bildergalerie): Admiral, Blläulinge, Kleiner Fuchs, Kohlweißlinge, im Mai einmal einen Jakobskreuzbär und gestern ein Kleines Nachtpfauenauge und Sonntag der Buchsbaumzündler in unserer Badewanne.

 

Admiral (1. Foto): Laut Schmetterlingsexperten ist der Admiral, ein Einwanderer aus Afrika, ein Wanderfalter, dem es aber seit ca. 20 Jahren auch schon gelingt hier zu überwintern. Es ist ein großer Falter, der durch leuchtend rote und weiße Zeichnungen auffällt (s. Foto oben). Der Falter saugt gerne an Blüten, z.B. am Schmetterlingsflieder und die Raupe lebt meist an Brennnesseln.

 

Bläuling (2. Foto): Laut Schmetterlingsexperte ist der Hauhechelbläuling (s. Foto, oben) der hier, von April bis September, am häufigsten zu beobachtende Bläuling. Er bevorzuge Kleearten und ungedüngte Wiesen. Das Männchen ist oberseits blau, das Weibchen braun mit einer Punktreihe unten.

 

Buchbaumzünsler (3. Foto): Laut wikipedia ist dieser Falter nicht heimisch, ein Neozoon aus Ostasien und wurde erstmals 2006 in Deutschland gesehen. Der Falter würde zwar nicht auf Buchsbäumen leben, aber gerne seine Eier dort ablegen. Buchsbäume haben wir mehrere in unserem Garten, einen direkt vor dem Badezimmerfenster. Er kann wohl erhebliche Schäden an den Buchsbäumen ausrichten. Wir werden das beobachten.

 

Jakobskrautbär (4. Foto): Da ich diesen Falter zum ersten Mal im Mai in unserem Garten gesehen habe, konnte ich ein Foto von ihm dem Schmetterlingsexperten zeigen. Er erzählte uns, dass der Falter eher nachts fliege, zu der Familie der Bärenspinner gehöre und die Raupe, wie der Name sagt, an Jakobs-Greiskraut lebt, das viel auf der Halde Rheinelbe in unserer Nähe und in der Zeche Zollverein anzutreffen ist. Der Aufenthaltsort der Schmetterlinge könne allerdings viele Kilometer entfernt sein.

 

Kleines Nachtpfauenauge (5. Foto): Diesen Vertreter der Augenspinner habe ich zum ersten Mal gesehen; es ist wohl ein Weibchen. Die Falter suchen keine Nahrung mehr, las ich und die Raupe lebt z.B. gerne an Brombeerstäuchern, die an der benachbarten Route Industriekultur reichlich vorhanden sind. Dieser prächtige Nachtfalter war Schmetterling des Jahres 2012.

 

Mitmachaktion des NABU: Alle Schmetterlingsfreund_innen werden aufgerufen bei der Zählaktion der Falter mitzumachen, auch, um auf das Artensterben aufmerksam zu machen. Dazu sollen wir im Garten oder in einem Park eine Pflanze auswählen, die wir an einem Tag, möglichst mehrmals oder sogar an mehreren Tagen beobachten und die Falter zählen, die wir dort sehen. Auf der Zählhilfe sind 11 Schmetterlinge abgebildet und besteht die Möglichkeit weitere Schmetterlinge einzutragen. Beobachtungszeitraum ist vom 20. Juni bis 26.Juli 2015 und die Beobachtungen sollen bis zum 9. August an schmetterlingszeit@NABU-NRW.de mit dem Betreff "Zeit der Schmetterlinge" geschickt werden.

 

Fazit und Ausblick

Eine geführte Exkursion auf dem Gelände der Zeche Zollverein ist in meinen Augen sehr zu empfehlen. Mir hat sie große Freude gemacht und den Blick für Schmetterlinge und Raupen, für die vielfältige Natur, die sich dort bereits angesiedelt hat, eröffnet. Dort werden noch weitere interessante Exkursionen angeboten und ich habe mich schon zu zwei weiteren angemeldet. Eine vorherige Anmeldung ist auf jeden Fall zu empfehlen.

In diesem Artikel habe ich Ligusterschwärmer, Abendpfauenauge, Kohlweißling, Kleiner Fuchs, Admiral, Bläuling, Buchsbaumzünsler, Jakobskrautbär und Kleines Nachtpfauenauge ein wenig vorgestellt.

An der Mitmachaktion des NABU für Schmetterlingsfreund_innen werde ich auf jeden Fall teilnehmen, die Falter an dem Schmetterlingsflieder in unserem Garten an mehreren Tagen, zu verschiedenen Zeiten, bis zum 26. Juli zählen und die Beobachtungen bis zum 9. August per E-mail an schmetterlingszeit@NABU-NRW.de  mit dem Betreff "Zeit der Schmetterlinge" senden. Über die Ergebnisse werde ich berichten und noch weitere Schmetterlinge vorstellen.

Wenn du Schmetterlinge toll findest und/oder Lust daran hast deinen Balkon, deine Terrasse oder deinen Garten so zu gestalten oder zu verändern, dass immer etwas blüht und du gleichzeitig Schmetterlinge anlocken kannst, dann findest du in meinem blog-Artikel "Der Schmetterlings-Kräuter-Garten - ein Fest für die Sinne" Tipps. Auf dem "Portal für Schmetterlinge/Raupen" des BUND kannst du zusammen mit Laien, Fortgeschrittenen und Profis deine Beobachtungen und eventuell Fotos austauschen.

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Fr

22

Mai

2015

Ein Hummel-Garten; denn ohne Hummeln keine Tomaten, kein Ketchup, keine Erdbeeren? (2015)

Seit dem Vortrag eines Hummelexperten gilt meine neue Faszination den Hummeln in unserem Garten, besonders der Erdhummel, die gerade die Blüten der Akeleien und Kastanie bestäubt. Hummeln liefern zwar keinen Honig, sind aber diejenigen, die hauptsächlich die Tomatenpflanzen bestäuben können. Auch Obstbäume, Himbeeren, Waldbeeren, Kiwi und Melonen z.B. werden von Hummeln effektiver bestäubt als von Honigbienen, erfuhr ich. Erdbeeren sind besonders prall und schön, wenn sie von Hummeln bestäubt werden. Hummeln sind allwettertauglich und können, anders als Honigbienen, schon unter 10°C fliegen. Natürlich habe ich weiter große Freude daran, die Vögel, Libellen, Schmetterlinge (s. mein blog-Artikel), den Igel, die Molche und Kröten in unserem Garten zu beobachten.  Die dagegen eher unscheinbaren Hummeln hatte ich bisher kaum beachtet und wusste bis vor Kurzem auch nicht welche Bedeutung sie haben, und wie sie sich von den Honigbienen unterscheiden. Deshalb freue ich mich, dass wir in unserem Garten schon viele pollenreiche Blüten und gute Möglichkeiten zur Nestbildung haben und wir die Erdhummel jetzt jeden Tag fliegen sehen. Auch der Hummelschutz ist ein Beitrag zum internationalen Tag der Artenvielfalt; im WAZ-Artikel vom 21. Mai 2015 "Jede dritte Tierart ist in Gefahr" schreibt Elke Silberer, dass es auch die Erdhummel schwer habe.

Hummeln sind nützliche, effektive Bestäuber

"Hummeln können – obwohl sie zu den wechselwarmen Tieren zählen – in Grenzen unabhängig vom Klima agieren. So fliegen Hummelköniginnen auch bei unter 0°C." Das liegt daran, dass sie, anders als die Honigbienen, über eine effektive Thermoregulation verfügen, die auf der Seite aktion hummelschutz ausführlich beschrieben und erklärt wird. Je größer die Hummel desto besser gelingt die Thermoregulation. Daher können Hummel-Königinnen bei niedrigeren Temperaturen fliegen als die kleineren Arbeiterinnen.

Hummeln sind deshalb bei Frosteinbruch im Frühjahr so nützlich und bedeutsam, da sie dann die Obstbäume und Wildpflanzen bestäuben können; ebenso für die Wildpflanzen in höheren, kälteren Regionen, während die Honigbienen erst ab 8°C fliegen können. Hummeln sind in den Alpen häufig die einzig aktiven Insekten.

Hummeln sind auch fleißiger und effektiver als Honigbienen, perfekte Bestäuber. In dem Artikel "Ohne Hummeln kein Ketchup" las ich, dass Honigbienen ca. 3000 Blüten pro Tag bestäuben, Hummeln dagegen ca. 5000 Blüten pro Tag. Honigbienen kommen sehr schlecht an die Pollen der Nachtschattengewächse, z.B. der Tomaten, da deren Staubbeutel nur winzige Öffnungen besitzen. Hummeln können die Pollen durch Vibration herausschütteln. Es gibt deshalb fast keine Gewächshaus-Tomate mehr ohne Hummel-Bestäubung, auch deshalb, weil sich Hummeln auch im Dunkeln gut orientieren können. Eine positive Folge des Einsatzes von Hummeln im Gewächshaus ist neben dem Ertrag, dass keine Insektizide eingesetzt werden, da die Hummeln sonst sterben.

Aufgrund des Gewichts und der Rüssellänge der Hummeln können sie auch komplexere Blüten bestäuben. Luzerne und Rotklee wird fast nur von Hummeln bestäubt und Eisenhut nur von Hummeln.

Die schön geformten und großen Erdbeeren, die wir kaufen, sind aus dem Gewächshaus und entstehen dadurch, dass jede Eizelle der einzelnen Nüsschen der Erdbeere durch die Hummeln bestäubt wird, durch perfekte Übertragung von Blütenstaub. Bienen bestäuben eher nur randständige Narben. Deshalb werden Hummeln auch zur Saatgutgewinnung eingesetzt.

 

Die Bildergalerie zeigt einen Ausschnitt von Pflanzen, die in unserem Garten stehen, an denen sich nicht nur die Hummeln und Schmetterlinge erfreuen. Von oben nach unten und links nach rechts: Buschwindröschen, Kastanie, Birne, Mohn, Beinwell, Mosaikjungfer auf Schmetterlingsflieder, Geißblatt und Nachtkerze. 

Hummelschutz, Hummelgarten

Die Webseite des Hummelexperten Cornel van Bebber ist eine Fundgrube für alle, die sich für diese Tiere, einen hummel-freundlichen Garten, den Hummelschutz interessieren. "Hummeln sind klug: Sie merken sich über viele Kilometer Blüten und Neststandorte, beobachten sich gegenseitig, kommunizieren und warnen sich durch Geräusche. Hummeln lernen schnell und unterscheiden lohnende von weniger ertragreichen Blüten. Weil sie wichtige Bestäuber sind, stehen sie unter Schutz, 7 Hummelarten sind noch häufig. Hummeln sind soziale Insekten und mit den Bienen verwandt, sie gehören zu den Wildbienen."

Die "Trachtpflanzenliste" für Hummeln finde ich sehr hilfreich, um etwas zum Hummelschutz und somit zur Artenvielfalt und zu meiner Augenweide beizutragen. Hier kann ich nachlesen, wann die Pflanze blüht, wie viel Pollen zur Ernährung der Nachkommen und wie viel Nektar als Energiegeträger (Zucker) die jeweilige Pflanze zur Verfügung stellt, welche der einheimischen Hummeln hier Nahrung finden usw.. Nicht nur bei der Auswahl der Rosen muss ich darauf achten, dass diese nicht gefüllt sind. Das wusste ich nicht. Botanisch gesehen sind Blüten umgewandelte Blattorgane: Kelch-, Kron-, Staub- und Fruchtblätter. "Durch Züchtung schafft man es, die Staubblätter in Blütenblätter umzuwandeln. Die Blüte wirkt größer, üppiger, sie ist “gefüllt”. Leider bietet sie keinen Blütenstaub mehr, denn die Staubblätter wurden ja umgewandelt." (s. Blumen für Bienen und Hummeln)

Frühjahr: Zu dieser Jahreszeit finden die Hummeln eher genug Nahrung, da Weiden, Schlehen und Rosengewächse blühen und nur wenige Hummeln zu dieser Zeit Nahrung suchen, der Staat noch sehr klein ist. In unserem Garten blühen dann z. B. sehr viele Akelei (s. Foto oben), Buschwindröschen, Beinwell, Rhododendron, die Rosskastanie, die Rosengewächse Apfel- und Birnbäume, sowie Feuerdorn, Nelkenwurz und Spiersträucher, Traubenhyzinthe und Thymian.

Sommer: Wider Erwarten herrsche jetzt für die Hummeln eher Nahrungsmagel, da die landwirtschaftlichen Flächen kaum mehr Blüten aufweisen, Gärtnereien sich zunehmend auf Frühblüher spezialisieren und die städtischen Gärten im Sommer eher grün und blütenarm seien. Die Folge sei massenhaftes Hummelsterben. Ein Garten, in dem zu jeder Jahreszeit immer auch Blumen blühen, ist also nicht nur dauerhaft schön anzusehen, sondern ein Garten auch für Insekten, für die Artenvielfalt. Geißblatt,Lavendel, Nachtkerze, Rosmarin, Salbei, Schnittlauch, Sommerflieder (Schmetterlingsflieder) und Thymian z.B. sind nicht nur nützlich für Schmetterlinge  "Der Schmetterlings-Kräuter-Garten - ein Fest für die Sinne"), zum Teil für die Küche (s. meinen blog-Artikel "Endlich Frühling und Lust auf frische Kräuter"), sondern können auch den Hummeln helfen zu überleben und erfreuen unsere Sinne. Auch  Löwenzahn und Weidenröschen, die so zahlreich in unserem Garten blühen, betrachte ich jetzt mit anderen Augen. Der Fingerhut, (Vorsicht, giftig), sät sich in unserem Garten immer selbst aus, ist eine Augenweide und bei Hummeln und anderen Insekten sehr beliebt. Blutweiderich, Kapuzinerkresse, Lupine, Mädesüß und Mohn gefallen mir und den Hummeln ebenfalls sehr in unserem Garten.

Hummelarten: "Welche Hummel ist das?"

In Deutschland gibt es ungefähr 36 Hummelarten und alleine im Raum Bochum leben, laut dem WAZ-Artikel " Kostenlose App "Map of Life" zeigt die Karte des Lebens" 30 Hummelarten. Hier habe ich auch zum ersten Mal von dieser kostenlosen App gelesen: "Mit dieser „Karte des Lebens“ können Daten und Steckbriefe über fast alles, was da in der unmittelbaren Umgebung kreucht und fleucht, abgerufen werden." Toll!


Kostenlose App "Map of Life" zeigt die Karte des Lebens | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/leben/die-karte-des-lebens-id10707535.html#plx443100652
Mit dieser „Karte des Lebens“ können Daten und Steckbriefe über fast alles, was da in der unmittelbaren Umgebung kreucht und fleucht, abgerufen werden.

Kostenlose App "Map of Life" zeigt die Karte des Lebens | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/leben/die-karte-des-lebens-id10707535.html#plx443100652

Auf der Webseite der Aktion Hummelschutz kann ich  lesen wie man die vorkommenden Hummelarten ermittelt, fand ich eine übersichtliche Bestimmungshilfe und die häufigsten Hummelarten, die im Garten vorkommen können, werden vorgestellt: Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris), Gartenhummel (Bombus hortorum), Ackerhummel (Bombus pascuorum), Baumhummel (Bombus hypnorum), Wiesenhummel (Bombus pratorum) und die Steinhummel (Bombus lapidarius). Alle Hummeln gehören zur Familie der Bienen (Apidae) und zusammen mit den Wespen und Ameisen zu den Hautflüglern (Hymenoptera).

 

Fazit und Ausblick

Es gibt ca. 36 Hummelarten in Deutschland, Sie gehören zur Familie der Bienen (Apidae). Die häufigsten Hummeln sind: Erd-, Acker-, Garten-, Baum-, Wiesen- und Steinhummel. Auf der informativen webseite "aktion hummelschutz" fand ich auch eine für mich gelungene, gut handhabbare Bestimmungshilfe. Die kostenlose App "Map of life" ermöglicht mir "die Umgebung auf Tier- oder Pflanzenarten zu überprüfen sowie eigene Beobachtungen zu dokumentieren und zu teilen." Hummeln sind aufgrund ihres Körperbaus, ihrer Lebensweise und ihrer Fähigkeit zur Thermoregulation besonders effektive Bestäuber. So bestäuben sie fast alleine Nachtschattengewächse, z.B. Tomaten, sowie Luzerne und Rotklee, sind in den Alpen häufig die einzig aktiven Insekten, können Obstbäume und Wildpflanzen auch bei Frosteinbruch im Frühjahr bestäuben, bringen besonders große und wohl geformte Erdbeeren zustande und sind allein in der Lage den Eisenhut zu bestäuben. Den Garten, die Terasse oder den Balkon so zu bepflanzen, dass Hummeln Nahrung finden, besonders wichtig im Sommer, ist auch für andere Insekten nützlich, ein Beitrag zur Artenvielfalt und ein Fest für unsere Sinne.

In meinem nächsten Beitrag möchte ich über das Hummel-Leben zu den verschiedenen Jahreszeiten schreiben, über den Bau eines Nistkastens und was aus dem Hornklee-Samen geworden ist, den es bei dem Hummel-Vortrag von Cornel van Bebber als Geschenk gab.

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Sa

21

Mär

2015

Die Kraniche sind zurück, tanzen - Frühlingsgefühle (2015)

Die Kraniche sind wieder da, für mich ein so schönes Zeichen, dass Frühling ist. Bei strahlendem Sonnenschein sahen wir  ungefähr 1500 Kraniche vor golden leuchtendem Schilfgras am Günzer See, an der Beobachtungsstation "Utkiek", in ca. 200 m Entfernung: Erregt, tanzend, im Paarflug, in den typischen V-Formationen anfliegend und Futter suchend. Ein unvergessliches Erlebnis! Bereits auf unserem Hinweg von der hübschen Altstadt Wismars zur Insel Rügen sahen wir schon, geschätzt, über 600 Kraniche direkt rechts und links neben der A 20 auf den Feldern, teilweise schon paarweise, teilweise noch in Schwärmen.  Bereits im Herbst haben mich diese ´Vögel des Glücks´ so fasziniert, dass ich im Frühling unbedingt dabei sein wollte, wenn sie zurückkehren auf ihrem Weg nach Norden. Dass es uns gelungen ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und das bei herrlichstem Wetter betrachten wir als großes Glück. Was macht diese "göttlichen Himmelsboten", die "Boten des Frühlings und des Glücks" so faszinierend und welche Projekte gibt es, um sie zu schützen? Das versuche ich zu beschreiben. Vielleicht möchtest du ja Kranichzähler_in werden, einen Kranich falten können.

 

Günzer See, eine Beobachtungsstation, ein Utkiek, für Kraniche

Die Faszination, die das Beobachten dieser anmutigen Vögel in mir ausgelöst hat, habe ich auch in meinem ersten Artikel über Kraniche "Herbstzeit ist Kranichzeit, Zeit für die Vögel des Glücks", vom Oktober 2014, versucht zu beschreiben. Deshalb wollte ich die Kraniche unbedingt auch wieder bei ihrer Rückkehr aus dem Süden erleben und wollte sie so gerne auch tanzen sehen. Hilfreich, um am richtigen Zeitpunkt vor Ort zu sein, war für mich die Information auf der Internetseite von "Kranichschutz Deutschland", dass die Beobachtungsstation am Günzer See, an der wir im Herbst bereits viele Kraniche so nah beobachten konnten, ab dem 15.3.2015 geöffnet war: "Um dem immer größer werdenden Interesse von Naturfreunden und Tierfotografen Rechnung zu tragen, stellen wir während der Rastzeiten im Bereich der Günzer Vogelwiesen (Rügen-Bock-Region, Nordvorpommern, 4 km westlich vom Kranich-Informationszentrum) drei Fotoverstecke zur Verfügung."

Als wir dort, am 19.3. gegen 11 Uhr bei strahlendem Sonnenschein ankamen, waren wir überwältigt davon so viele Kraniche direkt vor uns hören und sehen zu können. Im Vergleich zum Herbstnebel im letzten Jahr waren die Bedingungen natürlich schöner, die Bewegungen der Kraniche viel intensiver, die Rotfärbung am Kopf deutlicher und das Gesamtbild, mit dem in der Sonne golden leuchtenden Schilfgras vor dem blauen Himmel fast unwirklich schön. Die Kranichvögel wirkten erregt, begannen teilweise schon ein wenig zu tanzen und wir konnten schon Paarbildungen und Versuche der Paarung beobachten. Immer wieder kamen noch neue Schwärme angeflogen. Wie die wenigen Beobachter_innen, die dort waren, mir erzählten, waren die Kraniche erst an diesem Tag so nah an die Beobachtungsstation herangekommen. Wir hätten großes Glück, auch mit dem Wetter.

Am Günzer See ist die Wahrscheinlichkeit auch deshalb so groß die Kraniche auf ihrem Zug nach Norden beobachten zu können, weil hier sogenannte Ablenkfütterungsflächen zur Verfügung stehen, ein Projekt, um die Kraniche und gleichzeitig die Neusaat der Landwirte zu schützen. (s. mein erster blog-Artikel, s.o.). In diesem Artikel kannst du auch die Zugrouten nachschauen, die ich im Kranich-Informationszentrum Groß Mohrdorf auf einer Abbildung gesehen habe.

 

"Kraniche - Vögel des Glücks"

So heißt auch die Broschüre, die das Kranich-Informationszentrum in Groß Mohrdorf herausgibt und aus der ich so viele Informationen über diese faszinierenden Vögel nachlesen konnte: Die Kraniche sind sehr scheue Vögel, die nur in Gebieten mit Flachwasser schlafen und nisten, um sicherer vor Füchsen, Wildschweinen und streunenden Hunden zu sein. Insgesamt soll es in Deutschland 7800 Brutpaare geben; die Rügen-Bock-Region an der Ostseeküste sei eine der bedeutendsten Rast- und Sammelplätze Europas.


Der Graukranich

In Deutschland kommt von den weltweit 15 Kranicharten nur der Graukranich (Grus grus L.) vor. Er ist also hier der einzige Vertreter der Kraniche und gehört zusammen mit der Familie der Trappen und der Familie der Rallen zur Ordnung der Kranichvögel (Gruiformes). Er wird oft fälschlicherweise zu den Schreitvögeln gerechnet; zu denen laut "Brohmer: Fauna von Deutschland, 2010" aber nur Reiher, Störche, Löffler und Sichler gehören.

Er fasziniert schon allein dadurch, dass er mit seinen 1,15 bis 1,25m sehr groß ist. Er ist hellgrau, mit einem schwarzweißen Hals und Kopf und einem charakteristischen federlosen roten Fleck am Hinterkopf, der bei Erregung leuchtend rot anschwillt. Das ließ sich jetzt im März am Günzer See sehr schön sehen. Der Kranich wirkt mit seinen langem Beinen und dem langem Hals, den er auch beim Fliegen gestreckt hält, auf mich richtig anmutig. Im Steckbrief vom Kranichschutz Deutschland wird das Majestätische, Faszinierende mE gut beschrieben: "Der schönste Schmuck des Kranichs ist seine „Schleppe“. Diese über den kurzen Schwanz herabhängenden Federn sind die verlängerten Armschwingen der Flügel, die im Erregungszustand und während der Balz buschig aufgestellt werden. Der Vogel erscheint dann noch größer und majestätischer." Mit einer Flügelspannweite von ca. 2,20m können Kraniche laut der Broschüre des Kranich-Informationszentrums (s.o.) bis zu 2000 Kilometer nonstop fliegen. Zughöhe und Geschwindigkeit, abhängig von den Luftströmungen variieren zwischen 300 und 1500 Metern bzw. 40 bis 60 Stundenkilometern; bei Rückenwind können es auch mal 100 Stundenkilometer werden. An seinem langen Hals und den langen Beinen, die weit über seinen Schwanz hinausragen, lässt er sich in der Luft gut erkennen.  Auch das trompetenartige Rufen während des Fluges, das ich oft schon hören kann, bevor ich die Kraniche sehe, ist ein charakteristisches Merkmal. Unter guten Bedingungen sollen wir es bis zu einer Entfernung von 2000m hören können, auch, weil die Luftröhre des Kranichs eine Länge von bis zu 1,3 m erreicht. Wenn ich diese Trompetenrufe höre, freue ich mich schon darauf sie bald über mir in ihrer charakteristischen V-Formation, manchmal auch in Reihe, fliegen zu sehen.

 

Brutplätze und Aufzucht

Die meisten der ungefähr 75000 Brutpaare des Graukranichs in Europa, leben in Skandinavien. Aber auch in Deutschland brüten immerhin knapp 6000 Paare; die meisten in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg,

Das Kranichpaar, das meist ein Leben lang zusammen bleibt, bebrütet ab Mitte März, Anfang April ein bis zwei Eier abwechselnd ca. 30 Tage lang. Die Jungen, die dann Anfang Mai schlüpfen, würden schon 30 Stunden später mit den Eltern gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Bereits mit 10 Wochen unternehmen, laut Dr. Günter Nowald, junge Kraniche ihre ersten Flugversuche. Bis dahin seien sie stark gefährdet, da die Eltern bei Störungen die Jungen verlassen, die dann trotz Deckungssuche leichte Beute für Raben- und Greifvögel seien. Deshalb ist es besonders wichtig den Schutz der Tiere zu respektieren. Laut Kranichschutz Deutschland engagieren sich dafür viele Brutplatzbetreuer_innen und auch die gesetzlichen Regelungen für Nestschutzzonen "... und die Programme zum Schutz von Feuchtgebieten durch NABU und WWF ermöglichen vor Ort die Durchsetzung verschiedener Schutzmaßnahmen."

Schutzmaßnahmen und Projekte

Das Zentrum "Kranichschutz Deutschland" koordiniert deutschlandweit Schutzmaßnahmen wie z.B. Wiedervernässung und eventuell Bewachung von Brutplätzen, Beratung von Behörden, Ablenkfütterung, Besucher_innenlenkung, Informationstafeln und Kranichtagungen und arbeitet mit allen europäischen Kranichschutzgruppen zusammen.

 

Der BUND startet ab 15.4.2015 folgendes Projekt: "Das Europäische Fachzentrum Moor und Klima (EFMK) ist ein einzigartiges Projekt rund um Moor, Klima und Kraniche in Europa – ein modernes Erlebniszentrum mit wissenschaftlichem Hintergrund und Bezug zum praktischen Moorschutz."

 

Beim NABU kannst du zum Schutz beitragen, indem du Kranichzähler_in wirst: "Nur wenn wir wissen, wo die Kraniche sich aufhalten, können wir vor Ort aktiv Schutzmaßnahmen ergreifen." Laut NABU haben schon die bisherigen Schutzbemühungen dazu beigetragen, dass es mit den Kranichen wieder bergauf geht. Er sieht uns Menschen in besonderer Verantwortung für die Vögel des Glücks. 

 

Schutz des bedeutenden Rastplatzes Obere Rhinluch, nahe Berlin: "Schutz der rastenden und brütenden Kraniche,
Erhalt und Entwicklung der niedermoortypischen Kulturlandschaft, Rückhalt von Winterniederschlägen in geeigneten Retentionsräumen, eine an den Standort angepasste Flächennutzung"

 

Vom Kranichschutz, auch in Schleswig-Holstein,  profitieren weitere bedrohte Tiere und Pflanzen: "Von der Verbesserung der Lebensräume für die Leitart Kranich profitierten aber auch viele andere Pflanzen- und Tierarten wie z.B. Wasserfeder, Sumpfdotterblumen, Waldwasserläufer, Moorfrösche und diverse ans Wasser gebundene Insektenarten."

 

Ein internationales Kooperationsprojekt, das seit 2007 durchgeführte Kranichmonitoring Äthiopien, kontrolliert in Äthiopien bekannte Überwinterungsplätze des Kranichs, sucht nach bisher unbekannten Schlafgewässern, erfasst die Artenvielfalt und untersucht die Gefahren durch die Industrialisierung für den Kranichbestand. "Dabei erfassten die Kranichschützer nicht nur die Überwinterungsbestände und Habitate des Eurasischen Kranichs (Grus grus) und des Jungfernkranichs (Anthropoides virgo), sondern ebenfalls die Bestände, Brutgebiete, Tagesrastplätze und Schlafplätze des Klunkerkranichs (Bugeranus carunculatus) und des Schwarzen Kronenkranichs (Balearica pavonina). Der Schwarze Kronenkranich und der Klunkerkranich sind Jahres- und Brutvögel in Äthiopien."

Kraniche bedeuten Frieden, Frühling, Glück, langes Leben und Weisheit

Kraniche wurden und werden in vielen Kulturen als Symbol verwendet. Sehr schön lässt sich das in dem wikipedia-Artikel über Mythologie und Kult der Kraniche nachlesen. Aufgrund meiner Freude beim Beobachten dieser scheuen, anmutigen Vögel im März an der Ostsee kann ich gut verstehen, dass die Bezeichnung „Vogel des Glücks“ daher entstanden ist, dass ihre Ankunft in Schweden als  Vorzeichen für Frühling, Licht und Wärme gesehen wird. Auf dem Foto siehst du einen Kranich, den ich in der Verbotenen Stadt in Peking fotografieren konnte; denn im alten Kaiserreich Chinas war der Kranich ein Symbol für Weisheit und langes Leben. Auch in Japan sind Kraniche Symbole für Glück und langes Leben und gibt es die Legende, dass die Götter denjenigen einen Wunsch erfüllen, der 1000 Kraniche faltet. "Seit dem Tode des Atombombenopfers Sadako Sasaki, die mit dem Falten von Origami-Kranichen gegen ihre durch die Strahlung verursachte Leukämie-Erkrankung ankämpfte, sind Origami-Kraniche auch Symbol der Friedensbewegung und des Widerstandes gegen Atomwaffen."

Fazit

Kraniche lassen sich wunderbar am Uitkiek Günzer See beobachten und im März lässt sich besonders gut nachempfinden, dass sie als Vorboten von Frühling, Licht und Wärme ´Vögel des Glücks´ genannt werden. Wenn diese großen Vögel in V-Formation mit ihren langen Hälsen und Beinen über uns nach Norden ziehen, ich ihre trompetenähnlichen Rufe höre, weiß ich, dass der Winter zu Ende geht und freue mich auf den Frühling und den Sommer. Die Grauen Kraniche, die einzigen Vertreter der 15 Kranicharten in Nord- und Mittel-Europa, können bis zu 2000 km nonstop fliegen und erreichen bei Rückenwind eine Geschwindigkeit bis zu 100 Stundenkilometern. Die Rügen-Bock-Region an der Ostseeküste ist eines der bedeutendsten Rast- und Sammelplätze Europas.

Ich freue mich darüber, dass sich viele Menschen, z.B. in der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland, für den Erhalt des Lebensraums dieser Vögel einsetzen und somit auch den Lebensraum anderer Tier- und Pflanzenarten, der Menschen schützen und erhalten.

Ich würde mich freuen, wenn meine Artikel über diese anmutigen Vögel dazu beitragen, dass du sie wahrnimmst, sie dich auch faszinieren können und du dich so verhältst, dass  ihr Lebensraum respektiert wird. Vielleicht willst du dich ja sogar an Schutzmaßnahmen für Kraniche und somit auch unseren Lebensraum beteiligen, z.B. als Kranichzähler_in oder einfach, indem du anderen die Faszination nahe bringst.

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Do

29

Jan

2015

Mikroplastik in Kosmetika - GRÜNEN-Antrag, kleine Gifttransporter, BUND-Einkaufsratgeber (2015)

Antrag an den Bundestag: "Freisetzung von Mikroplastik beenden"

Heute las ich in der taz, in dem Artikel "Schädliches Peeling" dass die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am 14.1.2015 einen Antrag an den Deutschen Bundestag gestellt hat, um die Freisetzung von Mikroplastik zu beenden. Laut diesem Antrag hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, dass "...jährlich etwa 500 t Mikroplastik allein aus Polyethylen (PE) durch die Kosmetikindustrie auf den deutschen Markt gebracht [wird], die nicht sachgerecht entsorgt werden." Die Auswirkungen auf unsere Umwelt, die Meeresböden, die landwirtschaftlichen Nutzflächen und über die Nahrungsketten und das Trinkwasser auf die menschliche Gesundheit, mit denen der Antrag u.a. begründet wird, kannst du z.B. auch in meinem blog-Artikel "Wie kommt Plastik durch uns in Milch, Honig, Leitungswasser, Tiermägen...- Was kannst du tun?" nachlesen und in dem Artikel vom BUND "Mikroplastik – kleine Gifttransporter aus dem Abflussrohr"

In dem Antrag fordern die GRÜNEN die Entsorgung sicherzustellen, die Freisetzung in die Umwelt zu unterbinden, den Ausstieg von Mikroplastik aktiv zu unterstützen und Forschungsaktivitäten zu intensivieren. Warum fordern sie nicht ein Verbot von Mikroplastik? In meinem blog-Artikel "Kosmetika ohne Mikroplastik - das erste Gesetz und Hersteller_innen reagieren" kannst du lesen, dass es Alternativen zu Mikroplastik gibt und dass Illinois ein Gesetz zum Verbot von Mikroplastik verabschiedet hat.

 

Erfolge: Hersteller_innen reagieren

Einige Hersteller_innen haben ja auch bereits reagiert und somit gezeigt, dass Alternativen möglich sind. Laut dem BUND gibt es seit meinem letzten blog-Artikel vom Juli 2014 (s.o.) einen weiteren "Erfolg im Kampf gegen Mikroplastik". So ist nach BUND-Recherchen bereits keine Zahnpasta mehr im Handel, die Mikroplastik enthält und folgende Unternehmen haben den Ausstieg aus Mikroplastik angekündigt oder bereits durchgeführt: Beiersdorf, Body Shop, Colgate Palmolive, dm, Dr. Liebe, Johnson & Johnson, L,Oreal, Lush, P & G, Rossmann und Unilever.

 

Was kannst du tun? Einkaufratgeber und APP können helfen.

Da es für Laien nicht leicht zu erkennen ist, welche Kosmetikprodukte Mikroplastik enthalten, hat der BUND einen Einkaufsratgeber zusammengestellt, der mittlerweile bereits 39 Seiten umfasst und immer weiter aktualisiert wird. Dazu bittet der BUND um unsere Mithilfe. Seit meinem ersten blog-Artikel sind weitere Mikroplastikartikel und somit neue Abkürzungen, die wir erkennen müssen, dazugekommen. Wie ich bereits in diesem Artikel "Wie kommt Plastik durch uns in Milch, Honig,  Leitungswasser, Tiermägen...-Was kannst du tun?" geschrieben habe, ist ein Anhaltspunkt für Mikroplastik, wenn dir die Silbe "poly" in einem der Inhaltsstoffe begegnet. Aber, erstens gibt es auch natürliche Polymere und zweitens sind oft nur Abkürzungen angegeben. Bisher solltest du laut Einkaufsratgeber folgende Inhaltsstoffe meiden und dem BUND melden: AC (Acrylates Copolymer), ACS (Acrylates Crosspolymer), EVA (Ethylen-Vinylacetat-Copolymere), P-7 (Polyquaternium-7), PA (Polyamid), PE (Polyethylen),  PES (Polyester), PET (Polyethylenterephthalat), PI (Polyimid), PP (Polypropylen) und PUR (Polyurethan).

 

Laut dem taz-Artikel "Schädliches Peeling" gibt Martin Ruppmann, Geschäftsführer des Kosmetikverbandes an, dass nur wenige Produkte, wie etwa Peelings, Mikroplastik in Form fester Kunststoffpartikel enthalten. Was sollen wir von seiner Aussage halten, wenn wir im 39-seitigen BUND-Einkaufsratgeber Mikropartikel von vielen Hersteller_innen in folgenden Kosmetikprodukten finden: Augenbrauenstift, Concealer, Duschgel, Eyeliner, Fußpflege, Gesichtspflege, Gesichtsreiniger, Handpflege, Körperpflege, Kontaktlinsenreiniger, Lidschatten, Lipgloss, Lipliner, Lippenstift, Make-up, Peeling, Puder, Rouge, Shampoo und Sonnencreme. Meine eigenen Erfahrungen, meine oft schwierige Suche nach Mikroplastik-freien Kosmetikprodukten habe ich in meinen blog-Artikeln beschrieben. In "Plastik in Milch und Honig - Was  können wir tun? Teil II" kannst du auch nachlesen, dass du dir eine hilfreiche APP herunterladen kannst.

 

Laut BUND wurde der Einkaufsratgeber bereits 400.000 mal heruntergeladen, haben viele Menschen weitere Kosmetikprodukte mit Mikroplastik gemeldet und gibt es großes Interesse an der Kampagne gegen Mikroplastik. Ich würde mich freuen, wenn du hilfst zu weiteren Erfolgen beizutragen

 

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Sa

10

Jan

2015

Stunde der Wintervögel - Erfahrungen und Ergebnisse (2015)

Meine Stunde der Wintervögel

Heute habe ich zum ersten Mal mitgemacht bei der einstündigen Beobachtung der Vögel, habe von 9 bis 10 Uhr heute morgen in unserem Garten Amseln, Buntspecht, Gartenbaumläufer, Heckenbraunelle, Kleiber, Kohlmeise und sechs Schwanzmeisen gesehen und vorhin online gemeldet. Bisherige Ergebnisse laut NABU "10. Januar 2015 – Bis Samstag 16 Uhr sind bereits Meldungen aus 7200 Gärten und Parks eingegangen. Dabei haben 10.200 Vogelfreunde mehr als 310.000 Vögel aus 120 Arten notiert."

Meine Erfahrung

Zuerst dachte ich, dass mir die Zeit, eine Stunde Vögel zu beobachten, sehr lang vorkommen wird. Ich machte es mir auf der Couch, vor dem Fenster im Garten, gemütlich, hatte natürlich das Fernglas dabei und wartete. Die ersten Vögel kamen ziemlich schnell, die Amseln und der so hübsche und auffällige Buntspecht. Dann gab es erst einmal eine längere Pause. Ich wurde aber nicht ungeduldig, sondern empfand eine angenehme Entspannung, ein zur-Ruhe-kommen. Freude hatte ich auch daran, dass Birka, mein Hund, neben mir, vor der Terassentür, genauso wie ich den Garten beobachtete. Leider weiß ich nicht, was sie dabei sieht, hört und empfindet. Als ich nach ca. 45 Minuten dachte, schade, dass nicht einige der Vögel, die wir sonst in unserem Garten und Vogelhaus beobachten können, wie z.B. die Blaumeisen, Rotkehlchen, Buchfinken und, letzte Woche sogar vier der so auffällig hübschen Dompfaff-Männchen auf einmal, die positive Überraschung: Ich konnte zum ersten Mal sechs Schwanzmeisen, von denen du auf dem Foto oben zwei sehen kannst, gleichzeitig bei der Futtersuche am Vogelhäuschen beobachten. Toll! Neben der empfundenen Entspannung hat mich das sowieso für die Geduld entschädigt. Ich werde gerne auch ein nächstes Mal mitmachen.

Ergebnisse

Bei NABU kannst du lesen, dass bisher mehr Vögel gezählt wurden als im letzten Jahr und dir die TOP 10 der gemeldeten Vögel, mit genauen Angaben, ansehen. Platz 1 belegt der Haussperling, gefolgt von Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise, Amsel, Grünfink, Buchfink, Elster, Rotkehlchen und Rabenkrähe. Diese Ergebnisse werden bis zum Ende der Aktion noch aktualisiert. Das werde ich mit Interesse verfolgen. Noch kannst mitmachen!

Siehe dazu meinen blog-Artikel "Wintervögel zählen, eine Stunde lang - mitmachen beim Tierschutz"

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Fr

09

Jan

2015

Wintervögel zählen, eine Stunde lang - mitmachen beim Tierschutz (2015)

Ab heute, so las ich in der WAZ, beginnt nun wieder die "Stunde der Wintervögel".  Der NABU lädt uns ein: "Je mehr Naturfreunde an der „Stunde der Wintervögel“ teilnehmen, desto wertvoller werden die Ergebnisse. Helfen Sie mit, schleichende Veränderungen in der Vogelwelt festzustellen. Sie werden zum Teilnehmer eines echten Langzeitprojekts! Eine besondere Qualifikation außer dem Interesse an der Vogelwelt ist für die Teilnahme nicht nötig."

Außerdem macht es Spaß und du kannst auch mit anderen gemeinsam beobachten. Gerade im Winter macht es mir große Freude die Vögel zu beobachten, die hier überwintern oder durchziehen. Toll ist es z.B. sie ganz nah, vom Fenster des Wohnzimmers aus und somit ohne sie zu stören, zu beobachten, wenn sie Futter in unserem Vogelhaus finden. Auf meinen Spaziergängen habe ich oft mein Fernglas dabei, weil sie in den Winterbäumen ohne Laub, oder im Schnee, so schön zu sehen sind. Lies dazu auch meinen blog-Artikel "Vögel beobachten - im Winter ein besonderer Genuss"!

Vögel zählen und Beobachtungen melden - wie?

Suche dir einen Platz, an dem du am besten eine Stunde lang Vögel beobachten kannst und vermeide Doppelzählungen, in dem du "...von jeder Art die höchste Anzahl der Vögel, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu sehen waren" notierst. Gezählt werden laut NABU nur Vögel im Siedlungsbereich, nicht in Wäldern oder auf Feldern, also auf Balkonen, Fried- und Innen-höfen, in Gärten und Parks. Mitgezählt werden sollen auch die Vögel, die nur darüber fliegen. Du kannst auch an mehreren, verschiedenen Orten zählen.

Melden kannst du deine Beobachtungen am besten über das online-Meldeformular, auf dem du auch Abbildungen folgender Vögel mit Platz zum Eintragen der gesehenen Anzahl findest: Amsel, Bergfink, Blaumeise,  Buchfink, Elster, Erlenzeisig, Feldsperling, Grünfink, Haussperling, Kleiber, Kohlmeise und Rotkehlchen. Das Rotkehlchen siehst du z.B. hier auf dem Bild in unserem Futterhäuschen. Es gibt auch Platz für weitere Vögel, die du siehst, z.B. für den Buntspecht, der auf dem ersten Bild oben zu sehen ist und Platz für Bemerkungen. Du kannst deine Beobachtungen auch per Post melden; dazu gibt es einen Flyer. Ansonsten sind auch telefonische Rückmeldungen, kostenlos, möglich."Telefonisch: Unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1157115 werden Ihre Daten am 10. und 11. Januar 2015 von 10 bis 18 Uhr auch direkt entgegen genommen.
Meldeschluss ist der 19. Januar 2015"

Vögel zählen und Beobachtungen melden - warum?

Je mehr Menschen mitmachen, desto genauer werden die Ergebnisse. Damit soll laut NABU "...eine bundesweite Auswertung nach Vogelarten, Bestandszahlen, Bestandstrends (falls möglich) und Beobachtungsorten" möglich werden. Die gewonnenen und ausgewerteten Ergebnisse und Informationen über die Vogelwelt "...können wiederum eine wichtige und hilfreiche Grundlage für Aktivitäten im Vogelschutz sein." Also, je mehr von uns mitmachen, desto besser. Viel Spaß beim Beobachten!

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Mo

29

Dez

2014

Wunderkerzen-Feuerwerk im Schnee, virtuelles Feuerwerk-Labor (2014)

Feuer, Wunderkerzen und Feuerwerk faszinieren mich immer wieder, gerade in der dunklen und kalten Jahreszeit. Nach einem Winterspaziergang, zum Klönen am heimischen Kamin zu sitzen, zu Weihnachten, Sylvester, besonderen Ereignissen Wunderkerzen anzuzünden hat in unserer Familie Tradition. Feuerwerke haben bereits eine tausendjährige Geschichte. Als Hundebesitzerin gefallen mir heute eher die leisen "Feuerwerke" wie das, was ich euch u.a. gerne vorstellen möchte, mit Wunderkerzen. Sehr viel Spaß bereitet hat mir auch in einem virtuellen Labor Feuerwerkskörper verschiedener Farben und Formen selbst herzustellen und bei Erfolg ansehen zu können. Die sich hinter den Wunderkerzen und Feuerwerken verbergende Chemie fasziniert mich und ich erfahre gerne immer mehr darüber. Kann ich dein Interesse wecken?

Die Wunderkerzen: Woraus bestehen sie, wie werden sie hergestellt und welche Reaktionen finden statt?

 

1. Zusammensetzung:

Wunderkerzen bestehen aus den Metallen Aluminium und Eisen in Pulverform und bewirken die sprühenden Funken, die beim Verbrennen entstehen und die wir so faszinierend finden. Da Verbrennungen Sauerstoff benötigen, enthalten sie außerdem Bariumnitrat als zusätzlichen Sauerstofflieferant. (Sauerstoff befindet sich zu 21% auch in der Luft). Stärke, z.B. Kartoffelstärke, dient als Bindemittel und als Inhibitor, zur Verzögerung der Reaktion.

 

2. Herstellung:

Das solltest du nur "... mit ausreichendem chemischen Wissen und geeigneten Schutzvorrichtungen..." vornehmen. Am besten fragst du also deine Chemielehrer_innen, ob ihr Wunderkerzen mal im Unterricht herstellen könnt. Alleine, ohne fachliche Aufsicht, rate ich davon ab. Bariumnitrat ist, wie du bei wikipedia z.B. nachlesen kannst, ein gesundheitsschädlicher und schwach wassergefährdender Stoff, der in der Pyrotechnik auch zur Herstellung von Feuerwerkskörpern als Oxidationsmittel verwendet wird. Es befindet sich auch in den Zündhütchen von Patronen und Kartuschen und in Leuchtschirmen für Fernsehempfänger. Auf der Packung mit Wunderkerzen kannst du auch lesen, dass der Rauch beim Einatmen gesundheitsschädlich ist. Genaueres zu den Gefahren kannst du im Sicherheitsdatenblatt nachlesen. Im Haller Tagblatt vom Februar 2014 kannst du aus dem Artikel "Jugend forscht: Neues Wunderkerzen-Rezept" erfahren, dass zwei Schüler aus dem 7. Jahrgang lange experimentiert haben, um eine gut funktionierende Mischung zu erhalten, da jedes Milligramm zu viel oder zu wenig sich ausgewirkt hat.

 

3. Was passiert beim Abbrennen der Wunderkerzen?

Es finden Redoxreaktionen statt: Das Bariumnitrat gibt als Oxidationsmittel Sauerstoff an die beiden Metalle Aluminium und Eisen ab. Aluminium und Eisen werden also oxidiert, nehmen Sauerstoff auf bzw. geben Elektronen ab und Bariumnitrat wird reduziert, gibt Sauerstoff ab bzw. nimmt Elektronen auf.

3 Ba(NO3)2 + 2 Al + 2 Fe ---> 3 Ba(NO2)2 + Al2O3 + Fe2O3 + Energie

Aus Bariumnitrat, Aluminium und Eisen entstehen Bariumnitrit, Aluminiumoxid, Eisen(III)oxid und Energie.

Diese Redoxreaktion ist also exotherm, d.h. es wird Energie frei in Form von Licht aber auch Wärme und zwar entstehen Temperaturen bis ca. 700°C. Da als Nebenprodukte der Reaktion auch das farb-, geruch- und geschmacklose aber giftige Kohlenmonoxid und Stickoxide auftreten können, ist es besser die Wunderkerzen draußen brennen zu lassen oder anschließend den Raum gut zu lüften. Bei den größeren Wunderkerzen kannst du deshalb auch lesen: Nur im Freien verwenden! Du weißt jetzt auch warum.

 

4. Brennen Wunderkerzen auch unter Wasser, auch im Weltraum?

In meinem blog-Artikel vom Januar 2014 "Feuer unter Wasser - ein Wunderkerzen-Versuch zum neuen Jahr" kannst du sehen und lesen, dass und warum Wunderkerzen auch unter Wasser eine Zeit lang brennen. Ein toller Versuch. Da die Wunderkerzen den Sauerstoff zur Verbrennung aus dem Oxidationsmittel/Sauerstofflieferanten Bariumnitrat entnehmen, können sie auch im Weltraum brennen, obwohl dort kein Luftsauerstoff vorhanden ist.

Ein virtuelles Feuerwerk-Labor

Die Webseite Schulfernsehen multimedial mit einem Lernspiel über Feuerwerke hat mir richtig Spaß gemacht. Was bietet das Labor alles?

  • Du lernst zuerst notwendige Gefahrenhinweise, Gefahrenklassen und Gefahrensymbole kennen, deren Beachtung dir in der realen Welt eine gute Hilfe sein kann. Wunderkerzen und Knallerbsen, die z.B. zur Gefahrenklasse P1 gehören, kannst du das ganze Jahr kaufen, wenn du mindestens 12 Jahre alt bist. Einige Gefahrenzeichen wie brandfördernd O, explosionsgefährlich E, giftig T oder leicht entzündlich F kennst du vielleicht schon und findest du auch im Haushalt, z.B. auf einigen Haushaltsreinigern und Haarsprays.
  • Du erfährst, dass die Farben durch bestimmte Metall-Salze ins Feuerwerk kommen; z.B.: Rot durch Strontiumsalze, blau durch Kupfersalze, grün durch Bariumsalze, gelb durch Natriumsalze.
  • Wie werden Spezialeffekte erzeugt? Z.B. goldene Funken, ein Schweif durch Eisenspäne, ( Auf dem Foto oben siehst du Eisenwolle brennen, die wir zum Reinigen benutzen und in Baumärkten kaufen.) Glittereffekt durch Ferroaluminium, blausilberne Effekte durch Titan-Pulver, brillante Farben durch den Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid), der die im Alltag als Folien, Isolationsmaterial, Fußbodenbelag oder bei Kredit- und Telefonkarten begegnen kann.
  • Geschichte des Feuerwerks: Wusstest du, dass die Chines_innen wahrscheinlich bereits vor ca. 1000 Jahren die Grundstoffe für Schwarzpulver kannten und erste Rakten und Feuerpfeile herstellen konnten? Ende des 13. Jahrhunderts, erfährst du hier, hat ein britischer Mönch das erste Schwarzpulver-Rezept (Kaliumnitrat, Schwefel, Holzkohle) veröffentlicht und 1770 hat Ludwig XV. im Park von Versailles schon 20 000 Raketen und 6000 Feuertöpfe eingesetzt.
  • Redoxreaktion (s.o.) als chemische Grundlage des Feuerwerks kannst du auf verschiedensten Seiten in unterschiedlicher Ausführlichkeit nachlesen. Relativ einfach in diesem virtuellen Labor, genauer von dem Vortrag "Chemie der Feuerwerkskörper" der UNI Bayreuth sowie auf dem Chemieportal tomchemie: "Pyrotechnische Mischungen funktionieren eigentlich fast immer nach dem Prinzip einer REDOX-Reaktion." Es findet also immer eine Übertragung von Sauerstoff bzw. Elektronen von einem Reaktionspartner zum anderen statt, bei der schlagartig Energie frei wird. Als Oxidationsmittel (gibt Sauerstoff ab, nimmt Elektronen auf) dient z.B. das Schwarzpulver, als Reduktionsmittel (nimmt Sauerstoff auf, gibt Elektronen ab) Metalle. Außerdem werden Katalysatoren und Inhibitoren zur Steuerung der Reaktion zugesetzt und, wie du oben lesen kannst, Zusatzstoffe, um die Flammen zu färben.
  • Dann endlich im Experimentierraum! Wenn du dich über alles informiert hast, kannst du den virtuellen Experimentierraum betreten und bekommst den Auftrag zur Herstellung verschiedener Feuerwerkskörper. Wenn du dem Auftrag gemäß die richtige Zusammensetzung der Salze für die Farbe, der Form für die Art des Feuerwerks und des Pulvers für den Spezialeffekt wählst, erscheint das von dir hergestellte Feuerwerk in Aktion. Toll!

Fazit

Das Geheimnis der Pyrotechnik, also der Wunderkerzen und des Feuerwerks, sind Redoxreaktionen. Wunderkerzen, die aus Aluminium, Eisen, Bariumnitrat und Stärke bestehen, verbrennen zu Aluminiumoxid, Eisenoxid und Bariumnitrit unter Abgabe von Energie in Form von Licht und Wärme. Da auch giftige Stoffe entstehen, sind Räume anschließend besser zu lüften und größere Wunderkerzen nur draußen zu verwenden. Von einer eigenen Herstellung rate ich ohne ausreichende chemische Kenntnisse und Sicherheitsvorrichtungen ab. Wunderkerzen brennen auch unter Wasser und im Weltraum.

Im virtuellen Labor lernst du rund um das Feuerwerk - Gefahren, Geschichte, Farbgebung, Kugelbombe, Rakete, Redoxreaktion, Spezialeffekte - vieles kennen und kannst anschließend im Labor virtuell Feuerwerkskörper nach Auftrag - Farbe, Form, Spezialeffekt - zusammenbauen. Bei richtiger Auswahl siehst du es dann in Aktion. Toll!

Allen Leser_innen ein gutes Jahr 2015.

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So

14

Dez

2014

Advent - Kerzenlicht und Kerzenexperimente (2014)

Nun brennen schon drei Kerzen an unserem Adventskranz und neben dem warmen, gemütlichen  Licht, dass uns die Kerzen in dieser dunklen Jahreszeit spenden, inspirieren Kerzen mich immer wieder dazu mit ihnen zu experimentieren. Schon als meine Kinder noch klein waren, hatten sie ebenfalls viel Freude am Experimentieren mit Kerzen und zeigten dabei eine unglaubliche Kreativität. Natürlich war ich zur Sicherheit immer dabei. Einer der Versuche, die ich euch vorstellen möchte, erscheint mir ideal für den dritten Advent, der "Kerzendimmer". Toll finde ich auch das "Minifeuerwerk in der Adventszeit". Es gibt so viele schöne und interessante Kerzenexperimente, die ich euch nach und nach vorstellen möchte. Vielleicht habt ihr ja auch Freude daran, gerade auch im Advent.

Experiment: "Kerzen-Aquarium" oder "Kerzendimmer" - Drei verschieden lange brennende Kerzen in einem geschlossenen Gefäß

  1. Hypothese (begründete Vermutung): In meiner Familie wurde angenommen, dass die kürzeste Kerze zuerst erlischt, da beim Verbrennen der Kerze unter anderem Kohlendioxid entsteht, also ein Gas, das schwerer ist als Luft und Flammen erstickt.
  2. Du benötigst: Ein Glasgefäß mit Deckel (z.B. eine tiefe Glasschüssel und einen Teller zum Abdecken), drei unterschiedlich weit abgebrannte Kerzen, ein Streichholz oder ein Feuerzeug.
  3. Was musst du tun? Du tropfst jeweils etwas flüssiges Kerzenwachs in die Schüssel und stellst in einem Abstand von ca. 5cm die drei verschieden hohen Kerzen in die Schüssel. Dann zündest du alle drei Kerzen an, verschließt das Glasgefäß und beobachtest.
  4. Was kannst du sehen? Zuerst färbt sich der Teller (die Abdeckung) oberhalb der großen Kerze schwarz. Nach wenigen Sekunden erlischt zuerst die größte Kerze und die Glasschüssel beschlägt. Nach weiteren Sekunden erlischt die mittlere und zum Schluss die kürzeste Kerze.
  5. Wie kannst du das erklären? Der schwarze Fleck zeigt an, dass dort Ruß entstanden ist, aufgrund der unvollständigen Verbrennung von Kohlenstoff, da hier nicht genug Sauerstoff zur vollständigen Verbrennung zu Kohlendioxid zur Verfügung steht. Auf den web-Seiten physikanten & co und der Universität Rostock zu "Chemie fürs Leben" findest du die Erklärung ganz gut beschrieben. Beim Verbrennen der Kerze, einem Kohlenwasserstoff, entsteht neben Ruß, Wasserdampf, Kohlendioxid und Energie. Kohlendioxid ist zwar schwerer als Luft, aber beim Verbrennen entsteht auch Wärme, wodurch sich das Kohlendioxid ausdehnt und aufgrund der verringerten Dichte nach oben steigt. Dadurch löscht das Kohlendioxid zuerst die oberste und zuletzt die kleinste, niedrigste Flamme. Lies auch dazu meine blog-Artikel "Weihnachtszeit ist Kerzen-Zeit - Kerzen-Experimentier-Zeit" und "Kerzen löschen wie von Geisterhand"

Experiment: Brenndauer und Luftvolumen

Wenn du verstanden hast, was beim Brennen der Kerze passiert, kannst du sicher jetzt voraussagen, ob eine Kerze um so länger oder um so kürzer brennt je größer das Glas ist, das du über sie stülpst. Überlege erst und überprüfe dann!

  1. Du brauchst: 3 Kerzen oder Teelichter, 3 verschieden große Glasgefäße, ein Streichholz oder Feuerzeug
  2. Was musst du tun? Du zündest die drei Teelichter an und stülpst die drei verschieden großen Gläser gleichzeitig über die Teelichter
  3. Du kannst beobachten: Die Kerze, die unter dem kleinsten Glas steht, geht zuerst aus, dann die in dem mittelgroßen Glas und zuletzt die in dem größten Glas. Das geschieht innerhalb von Sekunden. Die Gläser beschlagen auch wieder von innen.
  4. Wie kannst du das erklären? Da bei der Verbrennung Sauerstoff benötigt und verbraucht wird, der zu ca. 21% in der Luft enthalten ist, geht die Kerze um so schneller aus je kleiner das Volumen des Glases ist, je weniger Sauerstoff also zur Verbrennung zur Verfügung steht.

Experiment: Verbrennung einer Kerze in Luft und vergleichend in Atemluft

  1. Hypothese: Was meinst du? Brennt die Kerze länger in Luft oder in Atemluft? Kannst du das begründen?
  2. Zur Überprüfung brauchst du: Zwei gleich große Gläser, zwei Teelichter oder Kerzen, einen Luftballon, ein Streichholz oder Feuerzeug.
  3. Was musst du tun? Du zündest die Teelichter oder Kerzen an. Du bläst einen Luftballon auf und füllst die ausgeatmete Luft in eines der Gläser. Dann stülpst du gleichzeitig beide Gläser über je ein Teelicht bzw. eine Kerze und beobachtest.
  4. Was kannst du sehen? Das Teelicht, das unter dem Glas mit der ausgeatmeten Luft aus dem Ballon steht, geht etwas schneller aus als das andere.
  5. Wie kannst du das erklären? Auf der web-Seite der Universität Rostock von Dr. Gabriele Lange auf S. 19 von "Feuer und Flamme, Experimente und Informationen rund um die Kerze" findest du die Erklärung, dass die Ausatemluft nur noch 16% Sauerstoff und 4% Kohlendioxid enthält. Aus den anderen Experimenten weißt du ja schon, dass die Luft aber 21% Sauerstoff und ca. 0,04% Kohlendioxid enthält. Der Sauerstoff ist aber notwendig zur Verbrennung und Kohlendioxid erlischt Flammen.

Experiment: Minifeuerwerk zur Adventszeit

Dieses Experiment findest du z.B. auf der web-Seite kids science, Experimente für Kinder. Da wir in der Adventszeit gerne Orangen und Mandarinen essen, können wir mit den dabei anfallenden Schalen auch ein schönes Experiment machen.

Du brauchst: 1 Orange, Mandarine oder Zitrone, eine Kerze, ein Streichholz oder Feuerzeug.

Was musst du tun? "Man nimmt ein Stück Schale, hält es mit der  Außenseite in die Nähe der Kerzenflamme und knickt es schnell zusammen."

Was kannst du beobachten? Du siehst wie aus der Schale kleine Tröpfchen spritzen, riechst den typischen Geruch der Zitrusfrüchte intensiv und "... wenn diese Tröpfchen in die Flamme gelangen, gibt es ein leise knisterndes Minifeuerwerk."

Wie kannst du das erklären? Diese Früchte von Zitruspflanzen enthalten ätherische Öle, die brennbar sind und den Duft hervorbringen, den ich so sehr mag. Besonders als fein verteilte Tröpfchen brennen und verbrennen sie so gut, da durch die feine Verteilung die Oberfläche groß ist und somit die Reaktion mit Luftsauerstoff erleichtert wird.

Gerne hätte ich auch ein Foto von den sprühenden Funken zugefügt, den richtigen Zeitpunkt zum Fotografieren abzupassen bei dem Versuch war schwer. Du findest aber schöne Fotos dazu auf der web-Seite von kids science und von der Universität Rostock Feuer und Flamme, Experimente und Informationen rund um die Kerze (S. 25)

Fazit und Ausblick

Du findest vier verschiedene Experimente mit Kerzen. Du erfährst, warum in diesem geschlossenen Gefäß die längste Kerze zuerst erlischt, warum in Ausatemluft eine Kerze eher erlischt als in Atemluft, dass und warum die Brenndauer einer Kerze abhängig ist vom Luftvolumen und dass du mit einer geknickten Orangenschale und einer Kerze ein Minifeuerwerk herstellen kannst, weil fein verteilte ätherische Öle, die in die Flamme geraten, funkensprühend verbrennen.

Den Kerzendimmer-Versuch möchte ich noch einmal in einem größeren Gefäß durchführen, um zu sehen, inwieweit das Ergebnis unabhängig von der Gefäßgröße ist. In weiteren blog-Artikeln möchte ich dir nach und nach auch noch weitere Kerzenversuche vorstellen, die du auch zu Hause leicht durchführen kannst.

Di

07

Okt

2014

Herbstzeit ist Kranichzeit, Zeit für die Vögel des Glücks (2014)

"Kraniche machen süchtig. Wenn man ihre Tänze, Rufe und ihren Anmut einmal richtig erlebt hat, kann man keine Rastsaison verpassen und kommt immer wieder zurück." Diese Worte der Kranichrangerinnen A. Kettner und R. Linde in dem Heft "Kraniche - Vögel des Glücks" sprechen mir aus der Seele, nachdem ich so viele Kraniche im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft beobachten konnte. Von dem kleinen Hafen Schaprode aus, im Norden der Insel Rügen haben wir eine beeindruckende Kranichfahrt zu einigen ihrer Schlafplätze gemacht und alleine auf dieser Fahrt, laut Schätzung des begleitenden Kranichexperten, 12000! Kraniche gesehen; teils im Wasser stehend, teils im Minutentakt in großen Zügen einfliegend. Auch bei unseren Spaziergängen zum Hafen Schaprode, zum Beobachtungsturm "Kranichrast in der Udarser Wiek, auf der Fahrt nach Hiddensee und über Stralsund nach Groß-Mohrdorf konnten wir immer wieder große Züge der Kraniche, in den typischen Formationen, fliegen sehen. Ein unvergessliches Erlebnis. Ich erkenne sie schon von weitem an ihren charakteristischen trompetenartigen Rufen und beim Näherkommen an den lang ausgestreckten Beinen, im Vergleich zu den mE in ähnlichen Formationen fliegenden Graugänsen, die auch immer wieder in großen Zügen über uns nach Süden zogen. Nahe der Beobachtungsplattform am Günzer See konnten wir dann, ganz nah, viele Kraniche sehen, die gerade nach Nahrung suchten. In meinem Artikel kannst du noch Genaueres über diese faszinierenden Vögel und unsere Kranichfahrt lesen.

Unsere Kranichfahrt

Kranichfahrten in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, zu den Schlafplätzen der Kraniche bei Pramort, werden von Schaprode, Stralsund und Zingst aus vom 11. September bis 22. Oktober, ab 16 Uhr angeboten. Für uns ging es am 30.9. um 16.30 Uhr am Hafen Schaprode mit der MS"Gellen" los, moderiert vom Kranichexperten Karsten Peter vom Kranich-Informationszentrum, der uns während der vierstündigen Fahrt so viel Interessantes über die Kraniche und die Boddenlandschaft erzählt und uns dazu wunderschöne Fotos gezeigt hat. Wir haben natürlich so viel wie möglich mit unseren Ferngläsern draußen gesessen, aber auch von innen konnten wir durch die sehr großen Fenster wunderbar sehen. Das Wetter war zwar nicht optimal, da es stark bewölkt war und ab und zu regnete, aber das konnte unsere Begeisterung nicht mindern. Wir fuhren zwischen Hiddensee und Ummanz durch den sehr flachen, meist nur 1,5 m tiefen Schaproder Bodden, vorbei an der Insel Heuwiese und sahen bereits nach 1 1/2 Stunden, überraschend zwischen den ehemaligen Leuchtfeuern von Stralsund, die ersten 500 Kraniche im Wasser stehen. Das ist laut Herrn K. Peter eher selten, da die Kraniche Niedrigwasser benötigen, was an dieser Stelle nicht oft der Fall ist.

 

Nachts schlafen Kraniche stehend in flachen Bereichen von Feuchtgebieten, um sicher vor ihren Fressfeinden, Greifvögeln, Füchsen und Wildschweinen zu sein. Da bestimmte Kranichpopulationen wohl in der Regel die gleichen Sammelplätze aufsuchen, die möglichst bis zu 20 km, höchstens 30 km von den Futterplätzen entfernt sein dürfen, ist diese Boddenlandschaft ideal.

 

Unterwegs sahen wir auch Hunderte von Gänsen, darunter sehr viele Kandagänse und Hunderte von Höckerschwänen, die mit ihrem weißen Gefieder so deutlich auf dem Wasser und in der Dämmerung zu sehen waren; das waren auch sehr schöne Beobachtungen.

 

Dann, gegen 19 Uhr, in der Dämmerung, kamen die Augenblicke, die ich nie mehr vergessen werde: Die Schlafplätze bei Pramort, wo wir insgesamt 12000! Kraniche sahen, so die Schätzung des Experten. Am ersten Platz sahen wir ca. 7000, am zweiten ca. 4000 und an zwei weiteren Schlafplätzen in der Nähe jeweils noch einmal 500 Kraniche. Die meisten standen bereits im Wasser, aber im Minutentakt flogen weitere Kranichzüge dazu. Was für ein Erlebnis!

Der Flug der Kraniche

Kraniche machen bereits mit 10 Wochen ihre ersten Flugversuche und können, wenn sie ausgewachsen sind, im Extremfall 2000 km nonstop fliegen. Sie haben eine Flügelspannweite von 2,20 m und fliegen durchschnittlich in 300 bis 1500 m Höhe, abhängig von den Luftströmungen. Mit Rückenwind können sie sogar eine Geschwindigeit von 100 km/Stunde erreichen; meist beträgt ihre Fluggeschwindigkeit allerdings zwischen 40 und 60 Stundenkilometer. Dieses und weitere erstaunliche Informationen erhielten wir auf unserer Kranichfahrt.

 

In der Rügen-Bock-Region, an der Ostseeküste, treffen sich im Herbst bis zu 70000 Kraniche aus Skandinavien, Finnland, dem Baltikum und Polen, bevor sie spätestens Ende November weiter nach Süden fliegen. Deshalb ist es so interessant sich im Herbst aufzumachen an die Ostsee, wo sich auch einige der wichtigsten Rast- und Sammelplätze Europas befinden. "Wie Trompeten in der Luft - Den Herbstzug der Kraniche beobachten" so ein Waz-Artikel vom 9.10.2014, in dem die Rügen-Bock-Region, der Kranichtag in Linum, das Kranichzentrum in Groß Mohrdorf, Kranichsafaris in der Lausitz, Kranichritte an der Boddenküste und die Kranichwoche im Internationalpark Unteres Odertal als mögliche Orte und Aktivitäten für Kranichbeobachtungen vorgeschlagen werden. Auch in der Diepholzer Moorniederung lassen sich die Vögel des Glücks bei ihrer Zwischenlandung auf dem Weg nach Süden beobachten. Das las ich heute im Reisejournal der WAZ. Nachlesen kannst du Genaueres online unter "Vögel des Glücks finden ins Bett zurück. Mit Kranich-Zählerin Birgit Klöpper durchs Goldenstedter Moor – Rast auf Wiesen und abgeernteten Maisfeldern." B. Klöpper meint wir Menschen seien auch so fasziniert von Kranichen, weil sie etwas Exotisches hätten. Sie seien intelligent und verfügten über einen ausgeprägten Familiensinn.

 

Milderes Klima, eisfreie Winter und ein ausreichendes Nahrungsangebot haben dazu geführt, dass nicht mehr alle Kraniche aus Skandinavien und Deutschland in die spanische Extremadura fliegen, s. auch die Karte "Kraniche in Europa", oben auf dem Foto, sondern dass einige bereits nördlich der Pyrenäen, in Südwest- und Nordostfrankreich überwintern.

 

Zur Erforschung des Zugverhaltens der Kraniche gibt es ein interessantes europaweites Projekt, die Farbberingung. Seit 1988 wird dazu in Europa ein Drei-Farben-Code verwendet: Am linken Bein ist anhand der Farbkombination das Land zu erkennen, z.B.blau-gelb-blau für Deutschland und am rechten Bein hat der beringte Kranich eine Individualkombination, zusammengestellt aus sechs möglichen Farben.

 

Wie Trompeten in der Luft - Den Herbstzug der Kraniche beobachten

Wie Trompeten in der Luft - Den Herbstzug der Kraniche beobachten | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/reise/wie-trompeten-in-der-luft-den-herbstzug-der-kraniche-beobachten-id9833895.html#plx1202981832
Wie Trompeten in der Luft - Den Herbstzug der Kraniche beobachten

Wie Trompeten in der Luft - Den Herbstzug der Kraniche beobachten | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/reise/wie-trompeten-in-der-luft-den-herbstzug-der-kraniche-beobachten-id9833895.html#plx1202981832
Wie Trompeten in der Luft - Den Herbstzug der Kraniche beobachten

Wie Trompeten in der Luft - Den Herbstzug der Kraniche beobachten | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/reise/wie-trompeten-in-der-luft-den-herbstzug-der-kraniche-beobachten-id9833895.html#plx1202981832

 

Fazit und Ausblick

Kraniche zu beobachten ist so fasziniernd und kann süchtig machen. Im Herbst lassen sie sich in Deutschland mE besonders gut im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft beobachten, bei ihrer Rast auf ihrem Flug  nach Süden. Ein unvergessliches Erlebnis war eine Kranichfahrt von Schaprode  aus nach Pramort. Auch die Häfen von Stralsund oder Zingst bieten Kranichfahrten an. In der Rügen-Bock-Region treffen sich im Herbst bis zu 70000 Kraniche und lassen sich an ihren Schlafplätzen im Bodden und/oder bei ihrer Nahrungssuche auf abgeernteten Getreidefeldern, besonders Maisfeldern, gut beobachten. Aussichtstürme zum Beobachten dieser anmutigen Vögel des Glücks gibt es z.B. auf Ummanz und in Schaprode auf Rügen, da sie gerne auch in der Udarser Wiek schlafen und in 20-30 km Entfernung nach Futter suchen. Die Beobachtungsplattform am Günzer See eignet sich deshalb so gut zum Beobachten und dort konnten wir die Kraniche deshalb dort so nah sehen, da hier sogenannte Ablenkfütterungsflächen zur Verfügung stehen, ein Projekt, um die Kraniche und gleichzeitig die Neusaat der Landwirte zu schützen. Beobachter_innen sollten unbedingt darauf achten die scheuen Vögel nicht aufzuscheuchen; denn die Kraniche brauchen unseren Schutz.

 

Im nächsten Artikel möchte ich euch den in Europa vorkommenden Graukranich (Grus grus) und sein Verhalten näher bringen, euch noch weitere Kranicharten sowie Projekte zum Schutz dieser scheuen und anmutigen Vögel vorstellen, euch dadurch auch für ihren Schutz sensibilisieren.

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Sa

20

Sep

2014

Faszination Tiefsee - Leben bis 10000m Tiefe - Wiege des Lebens? (2014)

„The Alecton attempts to capture a giant squid in 1861“. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Alecton_attempts_to_capture_a_giant_squid_in_1861.jpg#mediaviewer/File:The_Alecton_attempts_to_capt
„The Alecton attempts to capture a giant squid in 1861“. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Alecton_attempts_to_capture_a_giant_squid_in_1861.jpg#mediaviewer/File:The_Alecton_attempts_to_capt

Die Tiefsee macht mehr als die Hälfte des Lebensraums unserer Erde aus, enthält mit dem mittelatlantischen Rücken ein Gebirge länger als Anden, Himalaya und Rocky Mountains zusammen, weist riesige Schluchten auf, enthält Wasserfälle und ist ähnlich vielfältig wie der Regenwald, einfach faszinierend und es gibt noch so viel zu entdecken. Schon als unsere Söhne noch klein waren, war eines der Bücher, die wir uns zu viert am liebsten angesehen haben, dasjenige über die Meeresbewohner_innen. Wir erinnern uns z.B. noch gut an den Anglerfisch, den Mondfisch, den Pottwal und den Putzerlippfisch. Vor Kurzem stieß ich auf das Was ist Was: Geheimnis Tiefsee, Leben in der Finsternis, für die nächste Generation in unserer Familie, und die Faszination war sofort wieder da. Kennst du z.B. den Riesenkalmar, der bis zu 18 oder sogar 22 m lang wird, in 300 bis 1000m Tiefe lebt, den Schuppendrachenfisch, den du in der Dämmerungszone, zwischen 100 und 1500m tief, finden kannst, den Wolfsfallen-Anglerfisch, in dessem Maul ein Köder leuchtet, der im Nordatlantik in 1300 bis 3600m Tiefe lebt und somit einen Druck von 130 bis 360 Atmosphären aushält oder  die Helmqualle, die in 7000m Tiefe zu sehen ist, nur nachts nach oben kommt, Licht selbst erzeugt und bis zu 30 Jahre alt wird? Ich möchte dir gerne einige der Lebewesen der Tiefsee vorstellen, die mich so faszinieren mit ihrer Anpassung an diese für uns so unwirtliche Umgebung. Auch die Geschichte der Erforschung der Tiefsee, schon 1521 von Magellan, 1960 Tauchen zum tiefsten Punkt des Meeres, mit dem Tauchboot Trieste, 10916 m tief, ist so beeindruckend und spannend. Wie können Lebewesen in der Tiefsee, also minus 1000m überleben, funktioniert der Lebensraum der hydrothermalen Quellen, erzeugen die Fische der Tiefsee Licht? Die Erforschung der Tiefsee hat gerade erst richtig begonnen und ständig werden neue Arten entdeckt. 

Gestern las ich dann in der taz in dem Artikel "Leben unter der Eisdecke" dass in der Antarktis Forscher_innen bei Temperaturen bis minus 65 Grad Celsius, eisigen Winden und langen Phasen der Dunkelheit, 800m unter der Eisdecke ein buntes Ökosystem entdeckt haben mit 130000 Zellen pro Milliliter und darin 4000 verschiedenen Mikrobenarten fanden. Lassen wir uns nicht am ehesten von der Notwendigkeit des Umweltschutzes überzeugen, wenn wir die faszinierende Umwelt kennen und erforschen? Dazu möchte ich gerne beitragen. Vielleicht hast du ja Lust mit mir durch die Licht- und Dämmerungszone in die faszinierende Tiefsee ein wenig einzutauchen.

 

Tiefsee-Bewohner_innen

Die Tiefsee beginnt ab einer Tiefe von 1000m unter dem Meeresspiegel und ihre Bewohner_innen, die teilweise so aussehen, als würden sie Science-Fiction-Filmen enstpringen, ernähren sich vom abgestorbenen Plankton aus der Lichtzone, abgestorbenen Fischen aus der Dämmerlichtzone, die nach unten sinken und von den Nährstoffen, die schwefelverzehrende Bakterien erzeugen. Laut wikipedia in dem Artikel über schwarze Raucher: "Hydrothermale Tiefseequellen und ihre Umgebung bilden ein eigenes Biotop mit vielen, meist nur in dieser Umgebung lebenden Arten." Wissenschaftler_innen nehmen an, dass in der Tiefsee das erste Leben auf der Erde entstanden ist.

In der Dämmerzone, 200 bis 1000m tief, stellt das Buch "Geheimnis Tiefsee", mit tollen Fotos, das Perlboot Nautilus, den Ruderfußkrebs, Schuppendrachenfisch, Silberbeilfisch, die glasklare Krake Vitredonella, den Kinderwagen-Krebs Phronima, die gläserne Qualle, den Kragenhai und den gefährlich aussehenden Viperfisch vor. Unterhalb von 1000m, also in der Tiefsee, lernst du hier einen riesigen Muschelkrebs, eine Tiefseequalle von 15cm Durchmesser, den Pelikanaal, den Schwarzen Schlinger, den Wolfsfallen-Anglerfisch (I) und die hochspezialisierte und vielgestaltige Staatsqualle kennen, die am 11.3.2013, beim Tauchen auf La Palma gefilmt wurde.

Leben unterhalb von 4000m unter dem Meeresspiegel - auf dem Meeresboden und in den Tiefseegräben

Bevor es möglich war zum Meeresboden zu tauchen, waren die Menschen der Meinung, dass am Meeresgrund kein Leben möglich wäre. Aber "Das wenige, das von der Wasseroberfläche nach unten sinkt, genügt, um eine Tierwelt zu ermöglichen, die viele Millionen Arten umfasst" (Geheimnis Tiefsee, S. 16). Im Sediment des Meeresbodens befänden sich kleine Würmer, Schnecken, Muscheln, Schlangensterne, von denen 2008 in der Tiefsee Australiens unzählige gefunden wurden, kleine Krebstiere, Seegurken, die oben auf dem Schlick wandern und laut wikipedia 90 % der bodennahen Biomasse ausmachen, und du siehst in dem Buch so schöne Bilder von dort lebenden Seefedern, dem Dumbo Octopus, dem räuberischen Manteltier dem Zwitter Stelzenfisch, der gleichzeitig Eier und Samen produzieren kann, der Riesenassel, die bis zu 40cm groß wird, Seeigeln von 12cm Durchmesser und Tiefsee-Gurken.  "Gefährliche Schönheiten", verschiedenste Quallen, stellt das Buch auf der Seite 20f. vor: Eine mit durchsichtigem Schirm, eine mit klebrigen Tentakeln, eine mit einem Meter Durchmesser, eine, die Licht erzeugen kann, eine nur 4 cm große mit bis zu 2000 Tentakeln, eine, die mit einem roten Lichtschutz ausgekleidet ist, damit sie durch leuchtende Beute im Magen nicht sichtbar wird und eine mit Haltetentakeln. Toll finde ich auch die Seiten über die Riesenkalmare und über die Tiere, die in besonderen Leuchtorganen Licht erzeugen wie z.B. den Laternenfisch mit Leuchtzellen in der Haut, den Tiefseeanglerfisch, der am Ende seiner Angelrute Leuchtbakterien beherbergt, einen Fisch, der Leuchtorgane hinter dem Auge hat und den Drachenfisch, der "...neben blauen auch rote Scheinwerfer am Kopf ..." trägt. (Geheimnis Tiefsee, S. 25)

Auf der web-side "Die Tiefsee" kannst du neben vielen anderen verständlich geschriebenen Informationen über die Tiefsee einiges über den Tiefsee-Anglerfisch, Zigarrenhai, Fangzahn, das Tiefsee-Manteltier, den Nasenhai, Pottwal, der bis 18m lang und 50 t schwer wird und zu den größten Raubtieren der Erde gehört, den Riesenkalmar (s. Video), die Sackmäuler, die Staatsqualle (s. Video), die Vipernkrake und den Viperfisch erfahren, auch wieder mit faszinierenden Fotos.

Der Meeresboden befindet sich zwar im Durchschnitt in einer Tiefe von ca. 3800m, aber an einigen Stellen, in den Tiefseegräben, geht es hinunter bis auf ca. 11000 Meter Tiefe, vorwiegend im Pazifik. Der bekannteste Tiefseegraben ist der 1500 m lange und durchschnittlich 70 km breite Marianengraben, mit dem Challengertief, seiner tiefsten Stelle, zu der im Januar 1960 Jacques Piccard und Don Walsh mit der Trieste hinabtauchten und einen einzigen Fisch entdeckten. Hier finden sich wie fast an jedem Ort unseres Planeten viele Bakterien, aber auch Seegurken und Xenophyophoren; das sind ziemlich große Einzeller.

In die "Wunderwelt Ozeane" kannst du z.B. auch so schön eintauchen mit der Blu-ray in 3D, präsentiert von Jean-Michel Cousteau. Was für tolle Aufnahmen, für Groß und Klein "Eine faszinierende Tauchfahrt in die unzulänglichen Tiefen der Weltmeere." Das kann doch ein schönes Weihnachtsgeschenk sein, zusammen mit dem Buch "Geheimnis Tiefsee."

 

Tiefseeforschung heute

"Die Tiefsee ist auch heute noch ein unentdecktes Land“ so Kai Horst George & Pedro Martínez Arbizu. Die ersten Forscher_innen hätten noch wissen wollen, ob es in der Tiefsee überhaupt Leben gäbe, heute dagegen bemühten sich die Wissenschaftler_innen darum die "...Fauna im größten zusammenhängenden Ökosystem der Welt" systematisch zu erfassen und zu beschreiben (Fauna, Ökosystem). Seit 2000 gibt es ein internationales Tiefseeprojekt DIVA und seitdem wären ca. 500 neue Tiefseearten entdeckt worden, alleine 683 Ruderfußkrebsarten auf einem Quadratkilometer, von denen 99% bis dahin unbekannt waren und die Erforschung habe gerade erst richtig begonnen. In dem obigen Video kannst du Wissenschaftler_innen zum Teil bei der Arbeit sehen sowie tolle Aufnahmen der Unterwasserwelt mit den Bergen, Schluchten, Wasserfällen und einigen faszinierenden Lebewesen.

Ein aktueller Tipp von Arne: "Hier ein erst kürzlich gefundenes, abgefahrenes Schwarmquallen-Exemplar:"

 

Fazit

Die Tiefsee ist ein faszinierender Lebensraum, der noch weniger entdeckt ist als der Mond, obwohl er mehr als die Hälfte des Lebensraums der Erde ausmacht und das größte zusammenhängende Ökosystem darstellt, das wir kennen. Seit 2000 gibt es ein internationales Tiefseeprojekt, DIVA, mit vielen neuen Entdeckungen und Erkenntnissen. Während es zu Beginn der Erforschung der Tiefsee noch um die Frage ging, ob es dort Leben überhaupt geben kann, entdeckten Forscher_innen der Challenger 1872-76 bereits unterseeische Gebirgsketten und über 4700 neue Tierarten, die sie aus 5500m Tiefe mühsam nach oben geholt haben, und geht es heute eher um eine systematische Erfassung und Beschreibung der extrem artenreichen Tiefsee. Bis heute wurden insgesamt etwa 1,5 Million Tierarten beschrieben und können Wissenschaftler_innen immer noch nicht die Größenordnung der Artenzahlen für die Tiefsee des Weltozeans voraussagen.

Das Buch "Geheimnis Tiefsee", Was ist Was, Band 133 und die Blu-ray 3D "Wunderwelt Ozeane" bieten meines Erachtens tolle Möglichkeiten diesen Lebensraum ein wenig kennen zu lernen und es bleibt spannend zu verfolgen welche Geheimnisse der Tiefsee noch entdeckt werden. Vielleicht denkst du ja auch, dass sich beides gut als Geschenk eignet und ich verbinde mit dem Kennenlernen dieses spannenden Lebensraums die Hoffnung, dass wir uns für den Schutz dieses faszinierenden Teils der Erde einsetzen.

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Fr

11

Jul

2014

Kosmetika ohne Mikroplastik - das erste Gesetz und Hersteller_innen reagieren (2014)

Anfang Juli las ich in zwei taz-Artikeln, dass die Hersteller_innen von Zahnpasta und Make-up auf die Kritik von Umweltschützer_innen und vor allem Verbraucher_innen reagieren und an Alternativen zur Verwendung von Mikroplastik arbeiten. Dr. Michael Meyberg, für den Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel: „Ich gehe davon aus, dass sich der Einsatz in drei Jahren drastisch reduziert hat." In den USA gibt es laut der taz "Es geht auch ohne Mikroplastik" bereits das erste Gesetz, im Bundesstaat Illinois, das ab 2019 Mikroplastik verbietet. Also, wir Verbraucher_innen können etwas tun, auch sofort.

Meine eigenen Versuche, nur noch Kosmetikprodukte ohne Mikroplastik zu kaufen, sind schon ziemlich mühsam, nicht nur, weil das Kleingedruckte so schwer zu lesen ist. Es ist leider teilweise sehr schwer Alternativen zu finden und es erstaunt mich immer wieder in wie vielen und welchen Produkten Mikroplastik steckt. Im Juni versuchte ich z.B. Flüssigseife und einen Sonnenschutz ohne Mikroplastik zu finden und stieß auf große Probleme. Jetzt suche ich nach einer reichhaltigen Tagescreme mit UV-Schutz und einem anderen Waschmittel.

Die Produktpalette, vor allem in meinem Bad, hat sich seit der ersten Berührung mit diesem Thema stark verändert. "Die schwarze Liste des Umweltverbands BUND verbreitet sich rasch" schreibt die taz in dem Artikel "Kosmetik löst das Problem nicht" und sie ist noch lange nicht vollständig. Mittlerweile sollen laut taz mehr als 200 000 Menschen sie heruntergeladen haben, enthält sie schon 12 Seiten mit folgenden Produkten: Zahnpasten, Kontaktlinsenreiniger, Peelings/Gesichtsreiniger,Gesichtspflege, Dusch-/Waschgel, Puder/Make-up/Concealer/Rouge, Shampoo, Lidschatten/Mascara/Eyeliner/Augenbrauenstift, Lippenstift/Lipgloss/Lipliner, Fußpflege und Handpflege. Ihr könnt mitmachen, in dem ihr Produkte ohne Mikroplastik kauft und diejenigen mit Mikroplastik, die ihr findet, die noch nicht auf der schwarzen BUND-Liste stehen, an den BUND meldet. Jede_r Verbraucher_in kann etwas ändern; s."Umweltbewusst einkaufen – Konsumenten in der Verantwortung" so lautete z.B. ein Programmpunkt der Tagung in Köln "Mikroplastik  in der Umwelt", auf der die BUND-Meeresschutzreferentin Nadja Ziebarth laut taz, s.o., - einen ersten Erfolg gemeldet hat: "Colgate-Palmolive hat uns mitgeteilt, dass er keine Plastikpartikel mehr in seiner Zahnpasta verwendet."

Lies zu diesem Thema auch meine beiden Artikel:

Wie kommt Plastik durch uns in Milch, Honig, Leitungswasser, Tiermägen... - Was kannst du tun? und Plastik in Milch und Honig durch viele Kosmetikprodukte - Was können wir tun? Teil II

 

Alternativen zur Mikroplastik in Kosmetika

In dem taz-Artikel "Es geht auch ohne Mikroplastik" erfuhr ich, dass das Frauenhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Sulzbach-Rosenberg an "Biowachspartikel als Alternative zu Mikroplastik" forscht: "Bienenwachs, Karnaubawachs oder Candelillawachs sind nachwachsende Rohstoffe und – im Gegensatz zu Kunststoffen und Biokunststoffen – in Wasser relativ schnell biologisch abbaubar. Wir nehmen solche Wachse übrigens als Bestandteil vieler Lebensmittel, beispielsweise in Form von Überzügen von Süßigkeiten, nahezu täglich auf."

 

Handlungsbedarf

In dem taz-Artikel "Kosmetik löst das Problem nicht" las ich, dass 500 Tonnen Mikroplastikpartikel in der kosmetischen Industrie, allein in Deutschland, jedes Jahr eingesetzt werden - laut Roland Essel vom Forschungsinstitut Nova. Weitere Informationen aus diesem Artikel: Weltweit würden jährlich 288 Millionen Tonnen Plastik hergestellt, unter anderem für Verpackungen, Autoteile, Textilien und Baumaterial. 13000 Plastikmüllartikel würden pro Quadratkilometer auf der Wasseroberfläche schwimmen, weitere 15 Prozent würden an die Küsten gespült und 70 Prozent würden auf den Meeresboden sinken. Stefanie Werner vom Umweltbundesamt: "Meerestiere verenden. Wir essen mit Schadstoffen belastete Fische. Der Handlungsbedarf ist also unübersehbar." Eine Plastikflasche benötigt laut taz 450 Jahre und ein Fischernetz aus Nylon 600 Jahre, um sich zu zersetzen. Dipl.-Phys. Michael Carus, Geschäftsführer des Nova-Instituts, laut taz: "Technisch sind wir in der Lage, 90 Prozent der petrochemischen Polymere zu ersetzen." (Petrochemie: Herstellung chemischer Produkte aus Erdöl und Erdgas; Polymere: Sehr große Moleküle, die aus vielen gleichen Untereinheiten bestehen. Synthetische Polymere kennen wir meist als Kunststoffe)  Doch nicht jeder Biokunststoff sei wirklich geeignet.

Bis es auch in Deutschland ein Gesetz gegen Mikroplastik in Kosmetika gibt und dieses greift, kann jede_r von uns durch verantwortungsbewusstes Konsumieren handeln und dadurch auch offensichtlich Druck auf die Kosmetikindustrie erzeugen. Mach mit!

 

 

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Sa

21

Jun

2014

Eil-Appell gegen Fracking unterzeichnen (2014)

Aktuelles:

Entsetzt las ich gerade in der aktuellen mail von campact, dass die Bundesregierung plant schon am kommenden Mittwoch einen Gesetzesentwurf ins Kabinett einzubringen, der Fracking ermöglicht und zwar, laut campact, auf über 80 % der Fläche der Bundesrepublik.

 

Was tun?

"Zusammen mit unseren Kooperationspartnern BUND, dem Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz und der Korbacher Resolution wollen wir jetzt eine breite Protestwelle lostreten – dann wird Gabriel das Gesetz im Schnellverfahren kaum durchbringen können. Dafür brauchen wir Sie!" schreibt die Nichtregierungsorganisation campact in ihrer mail. Macht mit, um nicht zuzulassen, dass entgegen den bisherigen öffentlichen Verlautbarungen der SPD Fracking eine Chance in Deutschland erhält, unser Trinkwasser bedroht wird, während wir vielleicht eher mit der Fußballweltmeisterschaft beschäftigt sind; das wirkt wie eine durchschaubare Taktik, um die bisherigen Proteste gegen Fracking zu umgehen.

 

Hier könnt ihr den Appell an die Bundesregierung "Fracking stoppen" unterschreiben. Bisher haben ihn

108 929 Menschen unterschrieben.

 

 

Pressestimmen:

In dem Artikel der Frankfurter Rundschau "Fracking im Eiltempo" kannst du Genaueres über die Planungen zum Fracking-Gesetz nachlesen, zum Beispiel, dass Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel das Gesetz zur Erdgasgewinnung gegen den Widerstand von Parteifreund_innen vorantreiben will und die Abstimmung im Bundestag nach der Sommerpause und im Bundesrat für September plant.

"Fracking-Gesetz jetzt - und zwar schnell. Einpressen von Chemikalien in den Untergrund zur Erdgasförderung soll im Eilverfahren kommen." schrieb Matthias Brake am 09.06.2014 bei Telepolis. Hier kannst du auch genaueres über die Planungen, das Fracking, Prognosen zu den Reichweiten des so gewonnenen Gases nachlesen und, dass Fracking in der Praxis bereits auch in Deutschland eingesetzt wird.

In "Deutsche Wirtschaftsnachrichten" vom 4. Juni las ich in dem Artikel "Deutschland folgt Amerika: Bundesregierung erlaubt Fracking" u.a.: " Trotz gegenteiliger Äußerungen sind die Energiekonzerne intensiv darum bemüht, die wichtigen Politiker von der Ungefährlichkeit des Fracking zu überzeugen."

 

Gefahren:

Wie gefährlich das Fracking eingeschätzt wird, kannst du auch in meinen Blog-Artikeln nachlesen. In dem Artikel "Fracking stoppen? Was sagen uns die Chemikalien?" vom 27. Februar erfährst du Genaueres über die Auswirkungen der verwendeten Chemikalien, soweit sie bekannt sind. Vieles wird aber geheim gehalten.  Im Blog-Artikel "Fracking ist gefährlich für das Trinkwasser" vom 19. Juni 2013 steht u.a. die Einschätzung des Sachverständigenrates für Umweltfragen, dass der Wissensstand zu dieser Methode noch gravierend lückenhaft ist und Fracking keinen Beitrag zur Energiewende darstellt, sowie die Position einiger Parteien zum Fracking. Daran hat sich meines Wissens noch nichts geändert. Im Gegenteil, in meinem Blog-Artikel vom 24.September 2013 "Folgeschäden von Fracking" kannst du nachlesen, dass die verheerenden Folgen des Fracking in den USA immer deutlicher werden.

 

 

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Mo

16

Jun

2014

Sommerzeit, Eis-Zeit, Zeit für Eis-Experimente und Eis-Rezepte (2014)

Juchhu, es ist Sommer! Viel Licht und Sonne, draußen frühstücken, Eis schlecken, Wasserspass, laue Sommerabende geniessen. Da sind doch Eis-Experimente und Eis-Rezepte genau das Richtige. Wenn Du Lust dazu hast, lohnt es sich weiter zu lesen. Du bekommst Anregungen zum Experimentieren mit Eis - Eisberge im Glas, Eis-Ausdehnung, Deformation und Sprengkraft durch Eis, mit einer selbst hergestellten "Eismaschine" ein einfaches Joghurt-Eis herstellen - und erfährst von meinen beiden Lieblingsrezepten, nach denen ich Eis selbst zubereite.

Zusätzlich kannst du etwas über die besonderen Eigenschaften des Wassers, die sogenannte Anomalie des Wassers, und deren Bedeutung für das Leben und den Alltag erfahren. Wasser, Grundlage des Lebens, ist Lebensraum vieler Organismen und ohne Wasser und seine besonderen Eigenschaften ist Leben so nicht möglich. Wasser bedeckt drei Viertel der Erdoberfläche und kommt in drei Zustandsformen, Aggregatzuständen, vor: Als Eis (fest), Wasser (flüssig) und Wasserdampf (gasförmig). In allen drei Formen begegnet es uns im Alltag, ist es bedeutsam für das Leben auf der Erde und bietet es so viele interessante Freizeitmöglichkeiten. Laut "Gletscher-Info: Während sich in Grundwasser, Seen, Flüssen, im Boden und in der Luft nur 30 Prozent der Süßwasserreserven finden, sind etwa 70 Prozent des Süßwassers, das heißt 24 Millionen m³, als Eis und Schnee im Inlandeis der Pole und in den Gletschern gebunden."

Experimente

 

1. "Eisberge im Glas"

  • Was brauchst du? Ein Glas, wenige Eiswürfel und Wasser.
  • Was musst du tun? Gib ca. 5 Eiswürfel in das Glas, fülle es dann mit Wasser bis zum Rand auf und beobachte!
  • Was erwartest du? Glaubst du, dass das Glas überläuft, wenn das Eis schmilzt?
  • Was kannst du beobachten? Die Eisstückchen schwimmen auf dem Wasser und ragen zu einem kleinen Teil aus dem Wasser heraus. Mit der Zeit werden die Eisstückchen immer kleiner bis sie nach ca. 1 Stunde, je nach der Umgebungstemperatur, ganz geschmolzen sind. Das Glas läuft nicht über.
  • Wie kannst du das erklären? Wenn Wasser gefriert, dehnt es sich aus (siehe dazu auch das nächste Experiment). Es verändert dabei nicht sein Gewicht sondern nur sein Volumen. Da sich das gleiche Gewicht jetzt auf ein größeres Volumen verteilt, hat Eis eine geringere Dichte als Wasser und somit schwimmt Eis auf dem Wasser. So ergeben 10 Liter Wasser z.B. 11 Liter Eis. Da die 11 Liter Eis genau so schwer sind wie 10 Liter Wasser, verdrängen sie deshalb auch 10 Liter, wenn sie schwimmen und nehmen nach dem Schmelzen den Platz ein, den sie vorher verdrängt haben. (s. Kinderbrockhaus Experimente, S. 11). Naturwissenschaftler_innen sprechen auch von der "Anomalie des Wassers", weil dieses Verhalten im Gegensatz zu fast allen anderen Stoffen steht, die beim Abkühlen oder Gefrieren ihr Volumen verringern. Siehe dazu auch die Experimente 2. "Eis-Ausdehnung" und 3. "Deformation durch Eis". Wenn du dich genauer dafür interessierst, bietet das youtube-Video anschauliche "Erklärungen zur Anomalie des Wassers" auf der anspruchsvolleren molekularen Ebene. Hier werden die Bedeutung des Dipols und der Wasserstoffbrücken für dieses Phänomen modellhaft gezeigt und die Ursache für die Anomalie meines Erachtens sehr schön und verständlich dargestellt, s. unten.
  • Bedeutung für den Alltag: Aufgrund dieser Anomalie des Wassers schwimmen Eisberge auf dem Wasser, gefrieren Gewässer von oben zu und ermöglichen ein Leben unter dem Eis im Wasser, kann gefrorenes Wasser Boden und Gestein sprengen. Genauer kannst du Einiges zur Anomalie  des Wassers und dessen Bedeutung für den Alltag z.B. bei "klasseWasser", im "Schülerlexikon" und bei "chemie-master" nachlesen.
  • Zu den Gefahren der Eisberge für die Schifffahrt aufgrund der Tatsache, dass der größte Teil sich unter Wasser befindet, oft in horizontaler Form ausgebreitet, mit anschaulichen Fotos, kannst du auf der wikipediaSeite "Eisberg" nachlesen. Im Kinderbrockhaus, S.11, steht dazu, dass die Eisberge höchstens zu einem Fünftel aus dem Wasser ragen und somit ihre Größe, genaue Lage und Form deshalb oft schwer einzuschätzen ist. "So sank am 15. April 1912 das damals größte Schiff der Welt, die "Titanic", auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York in den USA. Es war auf einen Eisberg gelaufen, der nicht rechtzeitig gesehen wurde. 1503 Menschen kamen ums Leben, nur 703 konnten gerettet werden."

 

2. "Eis-Ausdehnung"

  • Was brauchst du? Ein Glas mit Deckel, ein Gefrierfach
  • Was musst du tun? Fülle das Glas bis zum Rand mit Wasser und stelle es in das Gefrierfach. Lege den Deckel nun auf das Glas ohne das Glas zuzuschrauben.
  • Was kannst du beobachten? Wenn du am nächsten Tag nachschaust, kannst du sehen, dass das Wasser gefroren ist, das Eis sich bis über den Rand des Glases ausgedehnt und den Deckel angehoben hat.
  • Wie kannst du das erklären? Eis hat ein größeres Voumen als die gleiche Menge Wasser. Die Erklärung liegt also in den besonderen Eigenschaften des Wassers, in seiner Dichteanomalie, die in dem obigen Video anschaulich dargestellt wird.
  • Rätsel mit Anwendung im Alltag: Was meinst du passiert, wenn du eine Glasflasche, die mit Wasser, Limonade, Bier oder einem anderen Getränk gefüllt ist, zum Abkühlen in die Tiefkühltruhe legst oder sie im Winter, bei Frost, draußen stehen lässt? Warum muss man im Winter bei Wasserleitungen, die dem Frost ausgesetzt sind, das Wasser ablassen?
  • Des Rätsels Lösung liegt wieder in der Anomalie des Wassers: Da Eis, wie du oben lesen konntest, mehr Volumen einnimmt als Wasser, kann es die Glasflasche, in der Wasser oder wasserhaltige Getränke sind, sprengen. Uns ist das leider mit einer vergessenen Flasche, die wir im Sommer schnell mal abkühlen wollten, passiert. Aus dem gleichen Grund können Wasserleitungen durch Frost platzen.

 

3. "Deformation durch Eis"

  • Was brauchst du? Eine verschließbare Plastikflasche (PET-Flasche) und kleine Eisstücke
  • Was musst du tun? Du zerkleinerst das Eis so, dass es durch die Öffnung der Flasche passt. Ich habe die Eiswürfel dazu auf ein Brett gelegt und mit einem Hammer klein geschlagen. Verschliesse die mit Eisstückchen gefüllte Flasche, schüttel sie kräftig, lege sie dann hin und beobachte. Besonders deutlich wird der zu beobachtende Effekt, wenn du die leere, genauer nur mit Luft gefüllte, Plastikflasche erst in die warme Sonne legst und dann möglichst schnell die Eisstückchen einfüllst und die Flasche verschliesst.
  • Was kannst du beobachten? Schon nach wenigen Sekunden hörst du ein Knistern der Plastikflasche und die ersten Dellen/Verformungen sind deutlich zu erkennen.
  • Wie kannst du das erklären? Die meisten Stoffe dehnen sich beim Erwärmen aus und ziehen sich beim Abkühlen zusammen. Die abgekühlte Luft nimmt also weniger Volumen ein als warme oder sogar heiße Luft. Dadurch entsteht in der verschlossenen Flasche ein Unterdruck und die Dellen entstehen. Dieses Phänomen kannst du auch beobachten, wenn du die Tiefkühltruhe öffnest, wieder schliesst und nach wenigen Sekunden erneut öffnen willst. Die Tiefkühltruhe lässt sich dann merklich schwerer öffnen, da die beim Öffnen eingeströmte warme Luft sich durch die Abkühlung in der Truhe zusammenzieht und dadurch einen Unterdruck erzeugt, s.o.!
    Weitere Vertiefungen, Veranschaulichungen, Erklärungen, Experimente und Übungen zu den Aggregatzuständen und ihren Übergängen findest du z.B. hier: "Aggregatzustände im Teilchenmodell"
  • Rate mal! Kannst du dir jetzt vorstellen, was passiert, wenn du über die durch die Eisstücke verbeulte, verschlossene Flasche heißes Wasser laufen lässt und was, wenn du die Flasche anschließend in die Tiefkühltruhe legst?
  • Des Rätsels Lösung: Wenn du heißes Wasser über die verschlossene Plastikflasche gießt, hörst du sofort wieder ein Knacken und die Dellen verschwinden zum Teil wieder, da die Luft sich in der Flasche beim Erwärmen wieder ausdehnt. Legst du die Plastikflasche dann in die Tiefkühltruhe entstehen wieder unter Knistern die Dellen, da die abgekühlte Luft sich wieder zusammenzieht. Das kannst du beliebig oft wiederholen.

Experiment: Eis herstellen mit einer selbst gemachten Eismaschine

  • Was brauchst du? Eiswürfel, ca. 20 Stück, 4 Eßlöffel Salz, Joghurt, Früchte, eventuell Honig oder Zucker oder Fruchtmarmelade deiner Wahl (Du kannst natürlich auch einfach einen Fruchtjoghurt nehmen; das finde ich aber nicht so kreativ), eine kleine Metallschüssel, eine größere Schüssel und einen Rührlöffel.
  • Was musst du tun? Stelle dir, wenn du magst, zuerst einen Fruchtjoghurt her. Ich habe dazu meine selbst gemachte Erdbeermarmelade mit Naturjoghurt verrührt. Dann empfiehlt die Kindermax-Seite: "Zerkleinere die Eiswürfel und gib sie in die grosse Schüssel. Vermische das Eis mit etwa 4 Esslöffel Salz. Drück die kleine Schüssel tief in die Eismischung, aber achte darauf, dass keine Eissplitter hineinfallen. Fülle vorsichtig etwas Fruchtjoghurt in die kleine Schüssel. Jetzt immer wieder gut rühren – und nach 15 bis 20 Minuten hast du leckeres Eis."
  • Wie kannst du das erklären? Zum bzw. beim Schmelzen des Eises und Lösen des Salzes wird der Umgebung Wärme entzogen. Deshalb sinkt die Temperatur der Salz-Eis-Mischung und zwar mehr als die einer Salz-Wasser-Mischung. Ausführlichere und genauere Erklärungen und Informationen findest du auf der Seite von Prof. Blume zur Kältemischung. Bei wikipedia kannst du neben genaueren Informationen zur Kältemischung erfahren, dass bei der Mischung aus 100g Eis mit 23g Kochsalz (Natriumchlorid: NaCl) Temperaturen bis -21Grad erreicht werden können.

 

Zusammenfassung und Ausblick

Dieser Artikel bietet vier Anleitungen zum Experimentieren mit Eis, auch gerade für und mit Kindern: 1. Eisberge im Glas, 2. Eis-Ausdehnung und Sprengkraft, 3. Deformation durch Eis und 4. Rezept zur Herstellung von Joghurt-Eis mit einer Kältemischung. Du kannst etwas über die Dichteanomalie des Wassers und ihre Bedeutung für das Leben und den Alltag erfahren; z.B. warum Fische in gefrorenen Gewässern überleben können, Eisberge für die Schifffahrt so gefährlich sind, Wasserleitungen bei Frost platzen können usw..

Im nächsten Artikel wird es weitere Eis-Experimente, meine beiden Lieblings-Eis-Rezepte, Anananas-Basilikum-Eis und Zabaione-Eis und das Rezept für eine köstiche Torte, Semifreddo, für den Sommer geben.

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Di

20

Mai

2014

Der Schmetterlings-Kräuter-Garten - ein Fest für die Sinne (2014)

Schmetterlinge, diese hübschen, filigranen Wesen, sind für mich immer wieder so schöne Anzeichen von Frühling, von Wärme und Sonne und wecken die Vorfreude auf den Sommer. Bereits im Februar haben wir an der Halde Hoheward den ersten Zitronenfalter gesehen und auch in unserem Garten ist er der erste Schmetterling, der mir die Lust auf laue Sommerabende, auf den Aufenthalt im Freien, vermittelt. Hast du einen Balkon, eine Terasse oder einen Garten und interessierst dich dafür wie du sie so gestalten kannst, dass sie nicht nur hübsch aussehen, sondern auch Schmetterlinge anlocken und ihnen nützen? Da sie auch auf Kräuter fliegen, hast du zusätzlich noch frische, herrliche Zutaten für die Küche. Der WAZ-Artikel "Schmetterlinge fliegen auf Lila" bzw. "Wie wir den Schmetterlingen im Garten Gutes tun können" und die herrlich sonnigen Tage haben mich zu diesem Artikel angeregt. Vielleicht überlegst du ja gerade was du noch pflanzen oder verändern willst und lässt dich von diesem Artikel inspirieren.  Kennst du z.B. den Schmetterlingsflieder? Im Sommer sehen wir an ihm in unserem Garten regelmäßig Admirale, kleine Füchse und Tagpfauenauge. Für viele Schmetterlinge sind naturnahe Balkone und Gärten in den Städten, auch ehemalige Bergbauhalden im Ruhrgebiet, besser als überdüngte Flächen auf dem Land. Auf dem Bild siehst du z.B. den Zitronenfalter auf einer lila Flockenblume, den wir im Sommer letzten Jahres, im Schwarzwald gesehen und fotografiert haben.

Ein Paradies, auch für Schmetterlinge

Auf den Fotos siehst du, beispielhaft für eine schmetterlingsfreundliche Bepflanzung, von links nach rechts und von oben nach unten: Brennesseln, Geißblatt, Lavendel, Nachtkerze, Salbei und Schlüsselblume. 

 

Wie schön ist es, wenn das ganze Jahr über auf dem Balkon, der Terasse oder im Garten etwas blüht und ich gleichzeitig auch noch Kräuter für die Küche immer frisch ernten kann, garantiert ohne Pestizide. Daran haben nicht nur wir Freude und können "auftanken", unsere Sinne erfreuen, Erholung suchen, sondern es ist auch gut für Schmetterlinge. In dem WAZ-Artikel "So wird der eigene Garten für Schmetterlinge attraktiv" kannst du nachlesen, dass die tollen Küchenkräuter Majoran, Salbei (s.o.), Thymian und Ysop auch den Schmetterlingen gut tun. Ich habe sie, neben anderen Kräutern, in meinem Garten und sehe, rieche und nutze sie gerne. Über einige Kräuter erfährst du mehr in meinem blog-Artikel zum Kräutergarten "Endlich Frühling und Lust auf frische Kräuter".

 

Der Naturschutzbund NABU hat in dem Artikel "Ein Garten für Schmetterlinge", meines Erachtens schön beschrieben wie du dir und den Schmetterlingen Gutes tun kannst: Im Frühling sind danach Blaustern, Schlüsselblume (s.o.) und Margerite, im Herbst Purpur-Fetthenne oder Neubelgische Aster blühende Pflanzen, mit denen du den Schmetterlingen Gutes tun kannst. Zwei verschiedene Fetthennen haben wir deshalb vor Kurzem in unserer Trockensteinmauer am Gartenteich gepflanzt. Da, laut diesem Artikel, die meisten Schmetterlinge, mehr als 80%, nachtaktiv sind, sind auch das Geißblatt (s.o.), die Nachtkerze (s.o.), Nachtlichtnelke und das nickende Leimkraut wichtige Pflanzen. An dem Geruch und Aussehen des Geißblattes in unserem Garten haben nicht nur die Falter  Freude. Es blüht und duftet jetzt gerade wieder.

 

Schmetterlinge oder Lepidoptera verwandeln sich vom Ei über eine Larve bzw.Raupe und eine Puppe bis zum sogenannten Imago, dem geschlechtsreifen Tier. "Die Raupe ist das eigentliche Fressstadium des Schmetterlings" wie du im wikipedia-Artikel nachlesen kannst. Deshalb ist es natürlich sehr wichtig für einen schmetterlingsfreundlichen Garten Pflanzen zu setzen, von denen sie sich ernähren können. Laut NABU, s. o., braucht z.B. die Raupe des Schwalbenschwanzes die wilde Möhre oder Petersilie (s.o.). Letzere ist ja auch eine tolles Küchenkraut. Wenn du den Admiral, den C-Falter, den Distelfalter, den Kleinen Fuchs und das Tagpfauenauge gerne siehst, solltest du für deren Raupen auch den Brennnesseln einen Platz in deinem Garten einräumen (s. o.). Du musst sie ja nicht anfassen. Sobald in unserem Garten der Sommerflieder blüht, der auch als Schmetterlingsflieder bezeichnet wird, sehen wir die kleinen Füchse und Tagpfauenauge fast täglich; manchmal auch einen Admiral.

 

Im Sommer erfreue nicht nur ich mich am weißen und pinkfarbenen, vielblühenden Phlox, auch Flammenblume genannt, der in unseren Breiten prima überwintert, dem hübschen und duftenden Lavendel, der mich an südliches Flair, an unsere schönen Frankreich-Urlaube erinnert, aber auch an den gelben Nachtkerzen (s.o.). Sie duften abends schön und es ist immer wieder spannend zu sehen, wie einzelne Blüten abends aufgehen. Mittags sind sie dann meist schon wieder verblüht. Jetzt gerade blühen pinkfarbene und rosa Pfingstrosen in meinem Garten - was für eine Pracht, fast verschwenderisch. Wie schön, dass auch diese Blumen alle einen wichtigen Platz in einem Schmetterlingsgarten haben. Auf den Seiten "Mein schöner Garten - Gedeckter Tisch für Schmetterlinge" und "Der Weg zum Schmetterlingsgarten"  findest du eine weitere Auswahl von reich blühenden Pflanzen, verschiedenster Farben und Kräutern, mit denen du auch noch Schmetterlinge anlocken kannst.

Schmetterlinge kennen lernen

Diese vielen Schmetterlinge auf einem Doldenblütler, wahrscheinlich einem Wald-Engelwurz, haben wir auf einem Spaziergang in Kärnten, in der Nähe von Greifenburg gesehen. Dank des BLV-Naturführeres von Wolfgang Dierl "Schmetterlinge" konnten wir sie als Kaisermantel identifizieren - was für ein schöner Name - und über diesen Edelfalter Merkmale, Vorkommen, Nahrung, Entwicklung und Lebensweise nachlesen. Diese Buch findest du z.B. bei "Neuere Bücher zum Thema " Schmetterling / Raupe " Auf der Bildergalerie oben siehst du weitere Schmetterlinge, die uns während der Spaziergänge an der Nahe oder im Schwarzwald aufgefallen sind und bei denen es uns gelungen ist sie zu fotografieren und mit dem Buch zu bestimmen; von links nach rechts: Silbergrüner Bläuling, Russischer Bär, wahrscheinlich Rapsweißling und Segelfalter.

 

In dem WAZ-Artikel "Wie wir Schmetterlingen Gutes tun können" kannst du lesen, dass es alleine in Deutschland ca. 3600 Schmetterlingsarten gibt, die hauptsächlich von April bis August unterwegs sind. Zoologisch gehört die Ordnung der Schmetterlinge zu der großen Klasse der Insekten, Hexapoda, der artenreichsten Klasse der Gliederfüßer, Arthropoda, welche 80% aller Tierarten ausmachen.

 

Wenn du dann bald Schmetterlinge in deinem Garten oder in deiner Umgebung siehst und wissen möchtest, wie sie heißen, kannst du das z.B. mit den oben angegebenen Büchern, mithilfe der Fotos von 45 alphabetisch geordneten Schmetterlingen im Natur-Lexikon.com oder mit der Bestimmungshilfe "Die Schmetterlinge Deutschlands" versuchen. In der Insektenbox  findest du neben Abbildungen vieler Schmetterlinge Informationen über besondere Kennzeichen, Größe, Lebensraum, Entwicklung, Futterpflanzen der Raupen und Verbreitung. Neben den Steckbriefen vieler Schmetterlinge gibt es hier noch eine Insektenfibel, wissenswertes zum Insektengarten und z.B. auch einen Wissenstest. Damit kannst du, wenn du magst, noch gezielter versuchen einige Schmetterlinge anzulocken und mehr über diese hübschen Tiere erfahren. Meine Erfahrung ist außerdem, dass ich Pflanzen und Tiere öfter sehe, wenn ich mich mit ihnen beschäftige. Ich werde dann einfach aufmerksamer, auch für die kleinen Schönheiten und die Vielfalt der näheren Umgebung.

 

Sehr gut finde ich auch das "Portal für Schmetterlinge/Raupen"des BUND. Hier kannst du zusätzlich zu den Fotos vieler Schmetterlinge die der zugehörigen Raupen sehen, erfährst du welche Schmetterlinge und Raupen in verschiedenen Monaten zu sehen sind und kannst dich an dem Projekt beteiligen interessante Arten, die du entdeckt hast, zu melden, "...immer mit möglichst genauen Fundangaben wie Datum, Ort, PLZ, gerne mit Bild (falls vorhanden)." Die Seite richtet sich ausdrücklich sowohl an Laien, die sich für die Natur interessieren, als auch an Fortgeschrittene, die sich über Schmetterlinge und Raupen informieren wollen und an Profis. Vielleicht bist du ja interessiert an diesen hübschen Tieren und wirst bald ein_e Schmetterlings-Profi.

 

Fazit

Wenn du Schmetterlinge toll findest und/oder Lust daran hast deinen Balkon, deine Terasse oder deinen Garten so zu gestalten oder zu verändern, dass immer etwas blüht und du gleichzeitig Schmetterlinge anlocken kannst, dann findest du hier viele Tipps. Gleichzeitig erfährst du welche Kräuter du nicht nur als aromatische, frische Zutaten in der Küche nutzen kannst, sondern zusätzlich Schmetterlinge Gutes tun. Diejenigen, die mehr über Schmetterlinge erfahren und ihre Namen wissen möchten, finden in dem Artikel mögliche Bücher und web-Seiten zum Bestimmen und Kennenlernen, auch der zugehörigen Raupen. Auf dem "Portal für Schmetterlinge/Raupen" des BUND kannst du dann zusammen mit Laien, Fortgeschrittenen und Profis deine Beobachtungen und eventuellen Fotos austauschen. Vielleicht kann ich dich ein wenig motivieren noch mehr zu sehen von den Schönheiten, die die Natur auch in deiner näheren Umgebung bietet und du kannst mit dazu beitragen das Artensterben zu verringern, indem du Lebensräume schaffst und, wenn es dir finanziell möglich ist, mehr Bioprodukte kaufst.

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Mi

16

Apr

2014

Eier färben mit Naturfarben (2014)

In meinem vorigen Artikel "Ei-Experimente: Das nackte Ei und das Osterei" habe ich ja schon beschrieben mit wie viel Freude meine Familie Ostern traditionell Eier bemalt und dass wir dabei gerne immer mal wieder etwas Neues ausprobieren. Dieses Mal wurden die Eier mit Brennnessel, Kurkuma, Petersilie, Rote Beete, roter Zwiebel, Rotkohl, Safran und schwarzem Tee gefärbt. Ergebnisse dieses spannenden Experiments kannst du auf dem Foto erkennen. Ich bin überrascht wie intensiv die Farben geworden sind und freue mich, dass sie sich von den gekauften Eiern angenehm und deutlich unterscheiden. Uns gefallen am besten: Kurkuma-, Rote-Zwiebel-, Rotkohl- und Schwarzer-Tee-Eier. Mir hat dieses Experiment Lust gemacht im nächsten Jahr weitere Möglichkeiten auszuprobieren; denn das Prinzip, das wir dieses Mal beim Färben angewandt haben, scheint prima zu funktionieren. Hast du auch Spass daran, Eier selbst zu färben, am besten mit anderen, und dabei mal etwas Neues auszuprobieren?  Dann solltest du bedenken, dass die Eier nach dem Kochen, acht Minuten, am besten ein paar Stunden in dem Sud abkühlen sollten, um eine intensive Färbung zu bekommen. Den jeweiligen Sud habe ich ca. 30 Minuten köcheln lassen; das kann ja parallel geschehen.

1. Der Einkaufszettel bzw. du benötigst

Kurkuma (ca. 5-10 g), Rote Beete (2), rote Zwiebeln (3-4), Rotkohl (4-5 äußere Blätter), Safran (5-10g), schwarzer Tee (10-15g), Haushaltsessig oder Essigessenz

Tipp: Statt einen ganzen Rotkohl zu kaufen, für den ich keine Verwendung hatte, habe ich gefragt, ob ich einfach ein paar äußere Blätter für einen Versuch haben könnte. Das war kein Problem und ich musste nichts dafür bezahlen.

Eier, möglichst Bio, möglichst weiße.

Damit du besser entscheiden kannst, welche bzw. wie viele Eier du wie färben möchtest, die Zuordnung zu dem Foto oben, im Uhrzeigersinn: Das blaue Ei wurde mit Rotkohl, das dunkelbraune mit schwarzem Tee, gelb mit Kurkuma, helbraun mit Rote Beete, orangebraun kreativ ( Brennessel + Petersilie gefiel mir nicht, deshalb noch nachträglich mit Roter Zwiebel und Kurkuma; also ein kreatives Gemisch), mit Safran, mit roter Zwiebel und dann wieder mit Kurkuma.

 

2. Die Eier vorbereiten

Zur Farbintensivierung habe ich die Eier, die ich färben wollte, ca. 5 Minuten in Haushaltsessig bzw. entsprechend verdünnte Essigessenz eingelegt. Durch die Essigsäure wird die kalkhaltige Eierschale etwas angerauht und die Farbe kann besser haften.

Die Reaktion kannst du daran erkenne, dass kleine Bläschen aufsteigen. Wenn du genauer wissen willst, was bei dieser Reaktion passiert, kannst du das in dem vorigen Artikel "Ei-Experimente: Das nackte Ei und das Osterei" nachlesen.

 

3. Den Sud herstellen

Bei den Mengen habe ich mich zum Teil an dem Artikel bzw. der Tabelle "Ostereier natürlich färben - Materialen, Rezepte und Techniken" orientiert, zum Teil aber einfach improvisiert. Hier findest du auch Ideen für weitere Farbstoffe aus Küche und Garten. Ebenso in dem Artikel "Naturfarben für Ostereier". Aber, Vorsicht, natürlich gibt es auch giftige Pflanzen, siehe z.B. den Artikel "Ostereier natürlich färben mit Pflanzenfarben".  So wird hier vom Färben mit Efeu und Kermesbeere abgeraten, da sie giftig seien und es werden nicht zugelassene Färbedrogen für Lebensmittel wie z.B. rotes Sandelholz und Krapp erwähnt.

 

Die Rote Beete und die Rotkohlblätter habe ich in kleine Stücke geschnitten und in je einem Topf in ca. 500 ml Wasser ca. 30 Minuten geköchelt. Von den roten Zwiebeln habe ich die äußeren Blätter entfernt, die man beim Kochen ja sonst gar nicht verwendet und sie ebenfalls in einem Topf in ca. 500ml Wasser ca. 30 Minuten geköchelt. Für Safran- und Kurkuma- Sud gilt die gleiche Kochzeit. 

Nach dem Kochen werden alle Sude durch ein Filter gegossen, um nur die Lösungen, ohne Feststoffe, zum Färben zu verwenden.

 

4. Das Färben

Die vorbereiteten Eier in dem jeweiligen Sud 8 Minuten kochen und dann in dem Sud abkühlen lassen. Da ich die Färbeflüssigkeiten am Tag vorher hergestellt habe und die Eier somit im kalten Wasser aufgesetzt habe, mussten sie nicht angestochen werden und sind nicht geplatzt. Nach dem Kochen habe ich die Eier einer Färbung dann vorsichtig mit dem Löffel in ein kleines Einmachglas gelegt, mit dem heißen Sud übergossen und sie darin ein paar Stunden ziehen lassen. Am besten stellst du dir vorher für jeden Sud ein beschriftetes Glas fertig.

Zum Färben findest du auch andere Angaben: Sie 20 Minuten im Sud kochen lassen, sie anschließend abwaschen bzw. abschrecken usw.. Mich hat aber überzeugt, dass beim Abwaschen die Färbung weniger intensiv wird. Laut dem Artikel "Naturfarben für Ostereier" sollen die Eier durch das Abschrecken außerdem weniger haltbar sein. Ich las beim langen Kochen verändere ein chemischer Prozess das Eigelb am Rand, sichtbar an der dunkleren Farbe, und daher sei es besser sie nur 8 Minuten zu kochen und sie stattdessen, zur Farbintensivierung, in dem jeweiligen Sud abkühlen zu lassen. Die Farbintensität der von mir gefärbten Eier hat mich begeistert, wie sie innen aussehen werde ich nach Ostern berichten.

Fazit und Ausblick

Das Färben von Eiern mit Naturfarben hat nach dem von mir durchgeführten Rezept überwiegend prima geklappt und Spass gemacht. Am schönsten finde ich die Eier, die mit Kurkuma, Rotkohl, roten Zwiebelschalen und schwarzem Tee gefärbt wurden. Das Färben mit Brennnessel und Petersilie fand ich vom Ergebnis enttäuschend. Im nächsten Jahr möchte ich gerne noch schöne Rot-und Grüntöne versuchen. Informationen zu den von mir verwendete Naturstoffen werde ich noch ergänzen. Ich will den Artikel aber gerne noch so rechtzeitig veröffentlichen, dass du noch, wenn du magst, für Ostern deine eigenen Versuche machen kannst. Viel Erfolg!

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Mo

14

Apr

2014

Ei-Experimente: "Das nackte Ei" und das Osterei (2014)

In unserer Familie ist es eine mit Spass gepflegte Tradition zu Ostern Eier zu färben. Die gefärbten Eier, die wir, auch schon so lange vorher, kaufen könnten, finden wir eher hässlich. Außerdem macht es uns so viel Freude gemeinsam Eier zu färben und wir lassen uns jedes Jahr etwas Neues einfallen. Mal haben wir die Eier mit Acrylfarben bemalt, mal mit Aquarellstiften, mal mit Wasserfarben. mal einfach mit den Farben gespielt, mal Blumen gemalt, mal Macke-Bilder als Vorbild genommen usw.. Dieses Mal habe ich die Idee das Färben mit Naturfarben auszuprobieren. Da das Färben mit Naturfarben besser gelingt, wenn die Eier vorher ein wenig in Essig eingelegt werden, beginne ich mit dem Experiment, das ich in dem Buch "Der Kinderbrockhaus, Experimente, Den Naturwissenschaften auf der Spur" auf Seite 90f. gefunden habe: "Das nackte Ei". Außerdem habe ich schon Färbesud aus Safran, Rote Beete und roten Zwiebeln hergestellt und gerade köchelt das Kurkuma. Kann ich dich motivieren?

Experiment: Das nackte Ei

Was brauchst du dazu?

Ein rohes Ei, am besten ein braunes, ein Trinkglas und Haushaltsessig oder Essigessenz

 

Was musst du tun?

Lege das Ei vorsichtig in das Glas, damit es nicht zerbricht. Wenn du das Glas etwas schräg hälst, ist es einfacher. Gieße dann so viel Essig in das Glas, bis das Ei gerade bedeckt ist. 

 

Was kannst du beobachten?

Ziemlich schnell siehst du, dass an der Eierschale Blasen entstehen, die nach oben steigen. Nach ca. einer halben Stunde ist die Gasentwicklung ziemlich stark. Nach ca. zwei Stunden kannst du die äußere braune Schale bereits abreiben und das Ei sieht jetzt eher wie ein weißes Ei aus. Nach ca. einem Tag kannst du die nur noch ganz dünne Schale unter Wasser ganz abwaschen. Dann hast du nur noch das nackte Ei, ohne Schale, übrig, das du eindrücken kannst und das fast durchscheinend wirkt.

 

Wie lässt sich das erklären?

Eierschalen bestehen wie z. B. auch die Schalen von Muscheln und Seeigeln, hauptsächlich aus Kalk, chemisch Calciumcarbonat, ein Salz der Kohlensäure. Säuren reagieren mit Carbonaten unter Gasentwicklung. Diese Reaktion nutzen wir z. B. auch bei der Herstellung von Brausepulver, beim Entkalken von Haushaltsgeräten und bei einem Hausmittel gegen Verstopfung von Waschbecken aus, wie du in meinem blog-Artikel "Säuren nützen im Haushalt - einige Beispiele und Rezepte" nachlesen kannst.

Im Haushaltsessig ist Essigsäure enthalten, zu ca. 5%. Die Essigsäure reagiert mit der Eierschale, also dem Calciumcarbonat, unter Entwicklung des Gases Kohlendioxid. Dieses Gas kennst du unter dem Namen Kohlensäure von vielen Getränken wie z.B. Mineralwasser, Limonaden, Cola-Getränken, Bier und Sekt. Aus dem Kalk oder Calciumcarbonat entsteht, z.B. durch die Essigsäure, Kohlendioxid, Wasser und Calciumacetat, das Calcium-Salz der Essigsäure. Das Salz löst sich im Wasser farblos und klar auf. Deshalb siehst du es nicht. 

Beim Färben der Eier mit Naturfarben nutzen wir diese Reaktion nur kurz aus, so dass die Eierschalen nicht aufgelöst sondern nur leicht aufgerauht werden. Dann haftet die Farbe besser.

 

Das Endergebnis - das nackte Ei

An diesem Bild von dem Endergebnis, dem "nackten" Ei, kannst du erkennen wie elastisch die Haut ist, die das Ei jetzt noch umgibt und es zusammenhält, wenn die Schale aufgelöst ist. Diese Haut lässt sich nun ganz leicht eindrücken. Aufgrund der Durchsichtigkeit der Eihaut kannst du den gelben Eidotter sehr schön sehen. Selbst die gitterähnliche Struktur dieser dünnen Eihaut lässt sich meines Erachtens ganz gut erkennen.

Die Versauerung der Meere schadet auch den Meeresbewohner_innen

Die Schalen der Krusten- und Schalentiere, also z.B. von Korallen, Muscheln, Schnecken und Seeigeln, werden ebenfalls von Säuren angegriffen. Auch dazu kannst du ein kleines Experiment machen.

 

Experiment:

Lege ein Stück vom Seeigel-Skelett oder eine kleine Muschel oder Schnecke, die du z.B. am Meer gefunden hast, in ein Glasgefäß und bedecke sie ebenfalls mit Haushaltsessig. Dann kannst du, wie beim Ei, sofort eine deutliche Gasentwicklung erkennen und nach wenigen Stunden haben sich die Schalen, zuerst die sehr dünne Schale des Seeigels, aufgelöst.

 

"Die Versauerung der Ozeane lässt die Meeresbewohner anfälliger für Feinde werden" so zu lesen in dem taz-Artikel von heute. Hier kannst du nachlesen, dass die Versauerung der Meere nicht nur für Krustentiere schädlich ist, da Säuren den Kalk aufweichen, aus dem ihre Skelette und Schalen bestehen, sondern dass auch die Fische direkt betroffen sind. Das durch die Einwirkung von Säuren auf Kalk entstehende Kohelndioxid, s.o., wirke laut taz auf das Nervensystem und die Sinne der Fische, so dass sie ihr Verhalten ändern und den Geruch von Fressfeind_innen als verlockend wahrnehmen würden. Da sie also nicht mehr zwischen sicheren und feindlichen Umgebungen unterscheiden könnten, würden sie schneller gefressen.

 

 

Fazit und Ausblick

Durch Säuren, z.B. den im Haushalt benutzten Essig, lösen sich die Schalen von Hühnereiern, Muscheln, Seeigeln unter Entwicklung des Gases Kohlendioxid auf. Die Versauerung der Meere schadet allen Krusten- und Schalentieren, da ihre Skelette und Schalen aufweichen und wirkt direkt auf die Fische, da das Kohlendioxid auf ihr Nervensystem, ihre Sinne wirkt, so dass sie schneller gefressen werden.

Hier ist schon einmal ein kleiner Ausblick auf den nächsten blog-Artikel "Ostereier färben mit Naturfarben". Die Fotos oben zeigen, aus welchen Schalen, Blättern oder Knollen du z.B. einen Färbesud herstellen kannst. Wie du den Färbesud genau herstellst, was du beim Färben mit Naturfarben beachten solltest und die Ergebnisse der Versuche kannst du dann demnächst auf meinem blog lesen und sehen.

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Sa

15

Feb

2014

Plastik in Milch und Honig durch viele Kosmetikprodukte - Was können wir tun? Teil II (2014)

Im November 2013 wurde ich zum ersten Mal auf dieses Problem aufmerksam und war entsetzt zu lesen in wie vielen Kosmetikprodukten sich Mikroplastikteilchen befinden und welche Auswirkung sie haben. Leider habe ich Mikroplastik dann auch in einigen von mir verwendeten Produkten gefunden. Heute las ich nun in der WAZ, dass der BUND eine Liste mit Kosmetikprodukten erstellt hat, auf denen du, alphabetisch sortiert, nachlesen kannst in welchen Kosmetika sich Plastik befindet. Mit unserer Hilfe kann diese Liste regelmäßig aktualisiert werden. Außerdem gibt es eine neue, kostenlose APP, die Mikroplastik in Kosmetika anzeigt. Das finde ich sehr hilfreich; denn meine Freund_innen sagten mir, dass es für sie nicht so einfach sei, die auf den Packungen angegebenen Inhaltsstoffe darufhin zu überprüfen, ob sie Plastikteilchen enthalten, da ihnen die Namen fast alle fremd seien. Es ist leider, nach meiner Erfahrung, nicht so leicht alternative Produkte zu finden und die Art der verwendeten Plastikteilchen hat sich bereits seit November 2013, seit meinem ersten blog-Artikel dazu, wieder geändert. Hier die aus meiner Sicht neuesten Informationen und mögliche Alternativen.

In dem aktuellen WAZ-Artikel vom 15.2.2014 "Plastikteilchen in Milch und Honig" von Jonas Erlenkämper, den ich online leider nicht gefunden habe, steht, dass Forscher_innen und Umweltverbände ein Verbot von Mikro-Kunststoff fordern. Sascha Regmann von der Herner Umweltorganisation Projekt Blue Sea sagt laut diesem Artikel: "Die Folgen für den Menschen sind noch nicht genug erforscht. Wir wissen aber, dass ganz kleine Partikel in der Lage sind, in die Zellstruktur einzudringen. Welche Langszeitschäden das verursacht, kann niemand voraussagen."  Zu der Wirkung in Peeling-Produkten sagt Sascha Regmann in dem WAZ-Artikel: "Der Peeling-Effekt ist reines Marketing. Plastik ist einfach ein günstiger Füllstoff." Leider ist auch in dem aktuellen Kommentar immer noch zu lesen, dass das Umweltbundesamt sich gegen ein Verbot ausspricht und weiterhin auf einen freiwilligen Verzicht setzt. Deshalb können wir erst einmal nur selber handeln und alternative Produkte kaufen.

 

In meinem blog-Artikel vom 19. November "Wie kommt Plastik durch uns in Milch, Honig, Leitungswasser, Tiermägen... - Was kannst du tun?" kannst du nachlesen wie diese Mikroplastikkügelchen in den Kosmetikprodukten auf Haut, Haare und Zähne wirken sollen, dass und warum sie Flecken in der Wäsche erzeugen können, die nicht mehr zu entfernen sind, dass sie bei Miesmuscheln innerhalb kürzester Zeit Entzündungen und Verkapselungen hervorrufen und bereits unter dem Mikroskop in Milch, Honig und Leitungswasser sichtbar sind.

In diesem Artikel werden Polyquaternium-7 und Polyethylen als Mikroplastik-Inhaltsstoffe genannt, die Du vermeiden solltest und ich habe darauf hingewiesen, dass du Produkte mit  Inhaltsstoffen, die mit Poly- beginnen, meiden oder dich speziell über diesen Inhaltsstoff informieren müsstest. Mittlerweile sind bereits wieder neue Mikroplastikteilchen, also neue Namen, dazugekommen, wie z.B. Copolymer.

 

Da es außerdem sehr mühselig ist, die oft sehr klein gedruckten Inhaltsstoffe alle zu lesen, finde ich die "Produktliste von Kosmetika und Reinigungsmitteln, die Mikroplastik enthalten" vom BUND äußerst hilfreich. Hier findest Du auch die Namen und Abkürzungen der neun momentan verwendeten Mikroplastikteilchen. Auf der webside von Project Blue Sea findest Du zudem den Hinweis auf eine neue, kostenlose APP, die Mikroplastik in Kosmetika anzeigt.

 

Bei meinem letzten Einkauf von Duschgel war ich ziemlich frustiert, da ich in dem Drogeriemarkt kaum ein Duschgel fand, dass kein Mikroplastik enthielt und trotzdem einigermaßen angenehm roch. Deshalb habe ich auf dem Foto oben schon einmal die Produkte gezeigt, die ich gefunden habe, nicht nur im Bio-Markt, sondern auch in einem Drogeriemarkt. (Duschgels: Pflegedusche von Alverde, Olive, Aloe Vera und Erfrischungsdusche von Weleda, Citrus; für die Haare: Color-Glanz-Shampoo  und Trauben-Pflegekur, jeweils von von Lavera und Haarspray-Seidenglanz von Logona.)  Mit Deiner Hilfe können wir so vielleicht auch eine Positivliste erstellen und an den BUND schicken.

 

Meine Anfrage an Bündnis 90/Die Grünen zu einem Engagement der Partei in dieser Sache wurde sehr schnell beantwortet. Die Partei hat bereits 2012 mit einer Anfrage im Bundestag das Thema aufgegriffen: "Mikroplastik im Wasser - Von der Bundesregierung fahrlässig ignoriert". Über weitere Aktivitäten in diesem Bereich in Berlin und Brüssel werde ich informiert.

Fazit:

Wenn Du mit dazu beitragen willst, dass weniger Plastik durch Deine Kosmetikprodukte in unsere Nahrungskette, in die Umwelt gelangt, dann hilft dir die "Produktliste von Kosmetika und Reinigungsmitteln, die Mikroplastik enthalten" vom BUND und die neue kostenlose APP, die Mikroplastik in Kosmetika anzeigt. Wenn Du Genaueres über die Wirkung der Mikroplastikkügelchen wissen möchtest sowie einige Ideen zur Vermeidung von Plastik im Alltag kennenlernen möchtest, lies meinen blog-Artikel "Wie kommt Plastik durch uns in Milch, Honig, Leitungswasser, Tiermägen... - Was kannst du tun?" Ich würde mich freuen, wenn Du mithelfen würdest eine Positivliste über mikroplastikfreie Kosmetikprodukte zu erstellen sowie eine Ideensammlung zur Vermeidung von Plastik im Alltag.

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Mo

10

Feb

2014

Kerzen löschen wie von Geisterhand (2014)

Ein Essig-Backpulver-Gemisch als Feuerlöscher

Essig und Backpulver finden sich wahrscheinlich in jedem Haushalt. Hast Du eine Idee was passiert, wenn Du sie miteinander mischt? Kennst du ein durchsichtiges Gas, das Du ausgießen kannst? Was hat das mit der Hundsgrotte in Italien, mit dem Backen, mit Limonaden, mit dem Klimawandel zu tun? Vielleicht hast Du ja Lust auf ein kleines, einfaches Experiment, mit dem du eine Kerzenflamme wie von Geisterhand löschen kannst und interessierst Dich für die Hintergründe dieses Experiments.

Das Experiment

Du brauchst: Ein Teelicht, ein Trinkglas, einen Esslöffel Backpulver, eine Kanne und ca. ein halbes Glas Essig.

 

Durchführung: Stelle das Teelicht in das Glas und zünde es an. So hast Du eine windgeschützte Flamme. Gib nun in die Kanne ein Glas Essig, ca. zwei Fingerbreit und einen Esslöffel Backpulver. Sobald die deutlich sichtbare Reaktion vorüber ist, hälst du die Kanne mit der Öffnung schräg über die Kerzenflamme. Stelle Dir vor, dass sie mit einer unsichtbaren Flüssigkeit bis zum Rand gefüllt ist, die Du über die Kerzenflamme gießen willst.

 

Beobachtung: Die Mischung aus Essig und Backpulver schäumt sofort heftig; das starke Schäumen lässt aber ziemlich schnell nach. Wenn Du nun den darüberstehenden unsichtbaren Stoff auf die Kerzenflamme gießt, nicht die Flüssigkeit, flackert die Flamme kurz und geht dann aus. Willst Du erst überlegen, was passiert sein könnte, bevor Du weiter liest?

 

Erklärung/Deutung: Backpulver enthält unter anderem Natriumhydrogencarbonat, ein Salz der Kohlensäure. Der Haushaltsessig enthält ca. 5% Essigsäure. Die Schaumbildung, die Du bei dem Experiment beobachten kannst, deutet daraufhin, dass sich ein eine Gas entwickelt hat: Aus Carbonaten, den Salzen der Kohlensäure, entsteht durch Zugabe von Säuren, hier Essigsäure, das Gas Kohlendioxid.

Aus Natriumhydrogencarbonat und Essigsäure entstehen Kohlendioxid, Wasser und Natriumacetat, ein Salz der Essigsäure: NaHCO + CH3COOH CO2 + H2O + Na(CH3COO)

Da Kohlendioxid ein durchsichtiges, geruchloses Gas ist, das schwerer ist als Luft, verdrängt es diese und du kannst es wie eine Flüssigkeit ausgießen. Da Flammen zum Brennen/Verbrennen eine bestimmte Konzentration des Gases Sauerstoff benötigen, die durch die Verdrängung durch Kohlendioxid zu gering geworden ist, gehen sie aus.

Mehr Informationen zum Brennen/Verbrennen findest du in meinem blog-Artikel:

Weihnachtszeit ist Kerzenzeit - Kerzen-Experimentier-Zeit

Mehr Informationen über Säuren und eine Möglichkeit wie Du Dir selber Brausepulver herstellen kannst, erfährst Du in meinem blog-Artikel:

Säuren im Haushalt - einige Beispiele und Rezepte

Wo begegnet uns das Kohlendioxid?

Alltägliches:

  • Kohlendioxid ist in vielen Getränken, hier meist als Kohlensäure bezeichnet, da es sich, abhängig von der Temperatur, in Wasser mehr oder weniger stark auflöst. Dabei entsteht dann Kohlensäure. Du findest es im Bier, im Sodawasser, es bewirkt das Prickeln der Brausen, Mineralwässer, Limonaden, Schaumweine und des Sekts.

 

Besonderes:

  • Hundsgrotte: In der Hundsgrotte in Italien, nahe Neapel, findest Du eine so hohe Konzentration an Kohlendioxid, dass kleine Tiere, z.B. Hunde, die sich näher am Boden befinden, ersticken können. Daher hat die Grotte ihren Namen. Wie Du oben lesen konntest, hat das Gas eine höhere Dichte als Luft und reichert sich deshalb am Boden an.
  • Bedeutender Ausgangsstoff für die Photosynthese, für unsere Lebensgrundlage: Pflanzen, Algen und Cyanobakterien können mit Hilfe von Sonnenlicht als Energiequelle aus Kohlendioxid und Wasser Kohlenhydrate und Sauerstoff herstellen (6 CO2 + 12 H2O →C6H12O6 + 6 O2 + 6 H2O). Diese Kohlenstofffixierung durch Photosynthese ist die Grundlage der meisten Nahrungsketten. Bei wikipedia wird ihre Bedeutung für das uns bekannte Leben mE gut beschrieben.  "Sie treibt durch die Bildung organischer Stoffe mittels Sonnenenergie direkt und indirekt nahezu alle bestehenden Ökosysteme an, da sie anderen Lebewesen energiereiche Baustoff- und Energiequellen liefert." Eine ausgwachsene Buche z.B.,  die ca. 200.000 Blätter besitzt, produziert pro Tag ca. 12 kg Kohlenhydrate, nimmt dabei 9000 Liter Kohlendioxid auf und gibt 9000 Liter Sauerstoff ab.
  • Bedeutung des Vulkanismus: Vulkanismus ist verantwortlich für anhaltende Verfügbarkeit von Kohlendioxid in der Atmosphäre und somit die Voraussetzung für Leben. Im Carbonat‐Silikat‐Zyklus wird aus Kohlendioxid und Regenwasser Kohlensäure gebildet ( CO2 + H2O → H2CO3), erodiert diese die Silikate im Boden, so dass Calcium-Ionen und Hydrogencarbonat-Ionen entstehen. Aus Calcium‐ ( Ca2+) und Hydrogencarbonat‐Ionen (HCO3) entsteht dann Calciumcarbonat (CaCO3), unter anderem durch viele Lebewesen wie Muscheln, Schnecken, Krebse, Kieselalgen etc.. Das Calciumcarbonat lagert sich am Boden ab, wird im Erdmantel aufgespalten und es entsteht Kohlendioxid, welches durch Vulkanismus in die Atmosphäre gelangt.

 

Fazit:

Vermischt Du Backpulver mit Essig so entsteht das farb- und geruchlose Gas Kohlendioxid. Da es spezifisch schwerer als Luft ist, kannst Du es gießen und da es dadurch den Sauerstoff verdrängen kann, kannst Du die Kerze damit wie von Geisterhand löschen. In der Hundsgrotte befindet sich durch Vulkanismus eine so hohe Konzentration an Kohlendioxid in Bodennähe, dass kleinere Tiere, wie Hunde, ersticken.

Kohlendioxid begegnet uns oft im Alltag: Es ist in der Luft, wir atmen es aus, es ist ein Verbrennungsprodukt von Autos, Flugzeugen, Fabriken, Heizöfen etc., ist in vielen Getränken, es lässt Kuchen- und Brotteig schön aufgehen, macht Obst und Gemüse länger haltbar usw..

Kohlendioxid ist unverzichtbar für unser Leben, da es Ausgangsstoff der Photosynthese, der Nahrungskette ist.

Durch Vulkanismus gelangt es immer wieder in die Atmosphäre, und aus ihm wird im Carbonat-Silikat-Zyklus durch Muscheln, Schnecken, Krebse und Kieselalgen u.a. Kalkstein gebildet.

 

Ausblick: Hast Du eine Idee was passiert, wenn Du ein rohes Ei in Essig legst? Dazu später in meinem blog.

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So

05

Jan

2014

Sex und Evolution - ein faszinierendes Thema, eine faszinierende Ausstellung (2014)

"Sex ist ein Erfolgsrezept", "Ohne Sex gäbe es weder uns noch eine belebte Welt, wie wir sie kennen." Die Ausstellung im LWL-Museum für Naturkunde in Münster hat uns begeistert. Ich finde sie so vielfältig, spannend und anschaulich. Die Ausstellung macht Lust auf eigene Bebachtungen und Fragen und neugierig auf Antworten. Sie bietet allen Altersgruppen etwas. Hier ein paar Impressionen, die vielleicht Euer Interesse wecken können:

  • Aufgrund des anschwellenden Penisknotens im Weibchen, bleiben Fuchs und Fähe 5-20 Minuten nach dem Akt Rücken an Rücken miteinander verbunden (s. Foto).
  • Der Liebespfeil der Weinbergschnecke verweiblicht eine andere Weinbergschnecke. Weinbergschnecken sind Zwitter.
  • Es gibt tolle Beispiele wie Männchen versuchen Weibchen zu beeindrucken.
  • Kreativität gilt als sexy
  • Evolution des Penis: Ausschließlich Männchen der eigenen Art besitzen den "Schlüssel" zum "Schloss" des Weibchens.
  • Weibchen können den Immunstatus der männlichen Bewerber erschnuppern.
  • Wie versuchen Männchen ihrem Sperma den Vorrang zu geben?
  • Das indianische Gewürz Chili soll die Sexualität anheizen.
  • Beim Truthuhn entstehen durch Jungfernzeugung nur Männchen.
  • Gelegentlich treten bei manchen Tieren, vor allem bei Insekten, Individuen auf, die auf jeder Körperhälfte ein anderes Geschlecht besitzen. In der Ausstellung ist das sogar bei einem Dompfaff zu sehen.
  • Bereits eine einzellige Grünalge entwickelt Geschlechtszellen bei Nährstoffmangel.
  • Der Mehlkäfer begattet ein Weibchen indirekt über homosexuelles Verhalten ...

Zur Ausstellung:

Die Ausstellung Sex und Evolution im Naturkundemuseum in Münster, das direkt neben dem Allwetterzoo, nahe dem Aasee, liegt, ist noch bis zum 19. Oktober 2014 zu sehen. Die beiden Zitate zu Beginn meines Artikels sind der Ausstellung und dem Begleitbuch zur Ausstellung entnommen (Grusswort von Dr. W. Kirsch, dem LWL-Direktor).

Die Fotos oben, vom Dompfaff, (von links nach rechts: Weibchen; halb Männchen, halb Weibchen; Männchen), der Heckenbraunelle, bei der das Männchen vor dem Paaren die weibliche Kloake mit dem Schnabel massiert, damit das Weibchen das Sperma des Vorgängers ausscheidet, der Wespenspinne, die ihren Paarungspartner tötet und verspeist, den Venusfigurinen der Altsteinzeit, habe ich in der Ausstellung gemacht.

 

Evolution:

Evolution ist das zentrale Konzept in der Biologie und das Wissen darüber, das für viele sicher mit dem Namen Charles Darwin eng verbunden ist, ist bis heute immer differenzierter geworden. Warum ist die sexuelle Fortpflanzung so verbreitet, so erfolgreich? In der Ausstellung kannst Du nachlesen, dass die sexuelle Fortpflanzung eine ständige Neukombination/Rekombination der Gene ermöglicht, sowohl bei der Bildung als auch bei der Verschmelzung von Spermium und Eizelle. Dadurch entsteht eine große Variabilität, eine große genetische Vielfalt, als Ausgangspunkt für Selektion und Evolution. Sex kann  vorteilhafte Mutationen zusammen bringen, ermöglicht eine stete Anpassung an eine sich verändernde Umwelt. Sexuelle Fortpflanzung ist andererseits mit hohen Kosten, Zeit und Energie, für das Individuum verbunden und ihre Vorteile gegenüber der asexuellen Fortpflanzung immer noch nicht vollständig geklärt. Wie schaffen es z. B. die Bakterien, die sich asexuell fortpflanzen, sich den veränderten Umweltbedingungen offensichtlich schon so lange so gut anzupassen? Auch dazu gibt die Ausstellung eine mögliche Erklärung. Evolution ist so ein ungeheuer spannendes Thema, weil es viele Einblicke in die unglaubliche Vielfalt der Natur und ihre Entwicklung liefert. Da es auch oft ungenaue Vorstellungen von diesem spannenden Entwicklungsprozess gibt, der Veränderung vererbbarer Merkmale, der Artbildung, finde ich es toll, dass hier anschaulich, für fast jedes Alter, versucht wird, einen komplexen Eindruck von der Entwicklung der Welt, wie sie heute ist, zu geben.

 

Sexuelle Selektion

Selektion: Der unterschiedliche Fortpflanzungserfolg verschiedener Phänotypen/Erscheinungsbilder der Population/Gruppe einer Art, der letzendlich zu einer Veränderung der relativen Allelhäufigkeit im Genpool der Population führt. (Allele sind verschiedene Zustandsformen eines Gens pro Locus; als Genpool bezeichnet man die Gesamtheit aller Gene, Allele, an einem Locus). Selektion setzt also an den Individuen an. Eine Voraussetzung dafür, dass Selektion zu Evolution führt, ist eine genetische Variabilität der Population.

 

Sexuelle Selektion ist laut Ausstellung eine Ergänzung  zu der natürlichen Selektion, die die Auswahl des Sexualpartners, die Durchsetzung gegen Konkurrenten, beschreibt. Sie bewirkt beim konkurrierenden Geschlecht, meist den Männchen, die Ausbildung von Ornamenten. Sie erklärt also auch das Entstehen von sekundären Geschlechtsmerkmalen, die nicht direkt zur Fortpflanzung nötig sind. Hierzu habe ich in der Vorlesung "Grundlagen der Naturwissenschaften", an der UNI Münster, so faszinierende Beispiele kennengelernt, die ein wenig zeigen mit welch hohen Kosten die sexuelle Fortpflanzung verbunden ist. Einige davon, die in der Ausstellung nicht zu sehen oder lesen sind, möchte ich kurz skizzieren.

 

Beispiele sexueller Selektion:

Hier unterscheidet man, laut einer Freundin, "zwischen male-male competition – intrasexuelle Selektion (Bsp. 1u.2) und female choice – intersexuelle Selektion (Bsp. 3 u.4), die auf sehr unterschiedliche Weise wirken".

  • Die Hirschkäfer-Männchen haben so große Mundwerkzeuge, Mandibeln, um ihren Platz im Konkurrenzkampf um Weibchen zu behaupten, dass sie sich nicht mehr selbst ernähren können, also eine Entwicklung gegen die natürliche Selektion.
  • Der Nördliche See-Elefant, der in der Paarungszeit im Harem lebt (ein Bulle mit 10 - 20 Kühen), ist, um die Harem-Kontrolle zu behaupten, so groß und dick (6,5 m groß und 3500kg schwer), dass er mit 14 Jahren eine deutlich geringere Lebenserwartung hat als das kleinere und dünnere Weibchen. (18 Jahre, 3,5m, 900kg). Dabei ist er erst mit 8-9 Jahren stark genug, um sich einen Harem zu halten.
  • Bei den Laubenvögeln baut das Männchen einen auffälligen Tanzplatz, um das Weibchen zu beeindrucken.
  • Bei den Rauchschwalben bevorzugen Weibchen die Männchen mit längeren Schwanzfedern, auch wenn diese, bei einem Versuch, nur angeklebt waren.

Beispiele für Spermienkonkurrenz, einem Sonderfall der intrasexuellen Selektion (Konkurrenz zwischen den Mitgliedern eines Geschlechts um Gewinn von Paarungspartner_innen), der noch nicht so lange bekannt und erforscht ist bzw. für Strategien, um dem eigenen Spermium Vorrang vor dem der Konkurrenten zu verschaffen:

  • Zur Laich-Zeit besteht das Lachs-Männchen im Innern fast nur noch aus Hoden und stirbt danach.
  • Die Hoden der Schimpansen-Männchen, bei denen es keine Paarbeziehungen gibt, sind, laut wikipedia zur Spermienkonkurrenz, deutlich größer im Vergleich zu ihrer Körpermasse  als die von Gorilla-Männchen, die in einer Harem-Struktur leben. Während Gorilla-Männchen also mit Muskelkraft gegen ihre Konkurrenten kämpfen, verschiebt sich die Konkurrenz bei den Schimpansen-Männchen auf die Ebene der Samen.
  • Das Männchen der Azurjungfern, das während der Paarung mit dem Weibchen ein Paarungsrad bildet, bewacht das Weibchen bis zur Eiablage und vertreibt andere Männchen (Mate guarding, s. auch Praktikumsbericht: Libellenkartierung am Stiefelweiher (Brühl-Badorf, S. 5). So versucht es die Verpaarung mit anderen Männchen zu verhindern. Beide Formationen konnte ich im Garten, am Teich, schon gut beobachten.
  • Libellen-Männchen und einige Vogelarten entfernen die Spermien des Konkurrenten aus dem Geschlechtstrakt des Weibchens.
  • Einige Insektenarten, Spinnentiere, sogar Vögel und Säugetiere verstopfen die weibliche Geschlechtsöffnung nach der Paarung: Copulatory plugs
  • Kohlmeisen versuchen z.B. durch häufiges Kopulieren, mehrmals am Tag, eine Fremdbefruchtung zu verhindern. Trotzdem sind durchschnittlich nur ca. 70% der Nachkommen von dem Männchen, das sie füttert.
  • Weitere Strategien sind: Abschreckende Pheromone, Widerhaken am Kopulationsorgan für längere Kopulationen, Füll- oder "Killer"-Spermien ...

Spannend sind auch hierzu wieder verschiedenen Erklärungsansätze. Zwei möchte ich kurz skizzieren:

  • Runaway-Prozess (Runaway selection), die älteste Erklärung, laut wikipedia ein Selbstläuferprozess, der "...durch sensorische Präferenzen bei der Partnerwahl, z. B. wenn Weibchen männliche Träger eines vererblichen Merkmals zur Paarung bevorzugen", entsteht. Bei den männlichen Nachkommen liegt dann eine Kopplung von Präferenz und Merkmal vor; es stehen mehr Männchen mit dem bevorzugten Merkmal zur Verfügung.
  • Handycap-Hypothese/Handycap-Prinzip: Die Merkmale dienen dazu die genetische Qualität der Männchen abzuschätzen. Nur besonders gut angepasste Männchen können sich dieses Handycap/Ornament leisten.

 

Fazit:

Ein Besuch des LWL-Museums für Naturkunde in Münster lohnt sich, um einen interessanten Einblick in die spannende Vielfalt des Lebens auf anschauliche Art zu gewinnen. Sie ist dort bis zum 19. Oktober 2014 zu sehen.

Die Verbindung von Sex und Evolution, dargestellt für alle Altersstufen, ist meines Erachtens ein gelungenes Projekt. Das Thema Evolution ist ein zentrales Konzept der Biologie, mit ungeheuer spannenden Informationen, Beispielen, immer wieder neuen Beobachtungen, Fragen und Erkenntnissen, die unseren Blick auf die Welt enorm bereichern kann. Die weit verbreitete sexuelle Fortpflanzung, die eine genetische Variabilität ermöglicht, ist im Vergleich zur asexuellen Fortpflanzung mit hohen Kosten für das Individuum verbunden ist. Dazu gibt es viele anschauliche Beispiele und verständliche Erklärungen. Die Nachkommen der sexuellen Fortpflanzung haben ja nur die Hälfte der eigenen Gene und aus zwei Zellen wird nur ein Individuum.

Auch die bis zum 27.4.2014 parallel zu sehende Ausstellung 'Wale - Riesen der Meere' hat mich fasziniert und ist sicher auch für Kinder toll. Wir finden, das Planetarium, das sich im gleichen Gebäude befindet, ist ebenfalls einen Besuch wert.

 

 

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Do

02

Jan

2014

Feuer unter Wasser - ein Wunderkerzen-Versuch zum neuen Jahr (2014)

Wunderkerzen sind für mich immer noch faszinierend und verbunden mit vielen schönen Momenten wie  Geburtstagen, Weihnachten, toller Stimmung bei verschiedensten Festen und wunderbarer Musik, aber auch mit der jährlichen Begrüßung des neuen Jahrs durch die faszinierende Feuershow am Himmel. In meinem Artikel zu Beginn des letzten Jahres "Wunderkerzen, Feuerwerk - chemisches Farbspiel der Metalle" habe ich beschrieben wie diese wunderbaren Lichteffekte zustande kommen, dass dabei verschiedene Metalle mit jeweils charakteristischen Farben mit Sauerstoff zu ihren Oxiden (Sauerstoffverbindungen) verbrennen.

 

Feuer unter Wasser - ein nicht ganz ungefährliches Experiment im Freien

In diesem Jahr zeige ich dir wie du in einem einfachen Versuch sehen kannst, dass die Wunderkerzen Metalle enthalten, die unter Wasser brennen, meist Aluminium und Eisen. Sie brennen auch deshalb unter Wasser, weil sie Verbindungen enthalten, die den Sauerstoff für die Verbrennung liefern, die Nitrate. Das sind sauerstoffreiche Stickstoffverbindungen, Salze der Salpetersäure. In den Wunderkerzen ist meist das Bariumnitrat enthalten, in den Raketen und Böllern des Feuerwerks das Schwarzpulver, das als Sauerstofflieferant das Kaliumnitrat enthält. Früher wurde das Schwarzpulver für Schusswaffen verwendet.

Was brauchst du für den Versuch?

Elf Wunderkerzen, eine große Glasschale, Wasser, Klebefilm, ein Feuerzeug und eine_n Erwachsene_n, falls du noch ein Kind bist, einen Platz im Freien, z.B. Terasse oder Balkon

 

Wie gehst du vor?

Fülle die Glasschale mit Wasser, binde zehn Wunderkerzen mit einem Klebestreifen zusammen, so dass die Spitzen frei bleiben. Stelle die Glasschale nach draußen. Zünde zuerst nur eine Wunderkerze an und tauche sie, sobald sie brennt, ins Wasser, beobachte. Zünde dann das zusammengebundene Wunderkerzen-Päckchen an, warte bis alle brennen und tauche sie dann ebenfalls schnell in die Wasserschüssel.

 

Was kannst du beobachten?

Die einzelne funkensprühende Wunderkerze erlischt sofort nach dem Eintauchen in Wasser. Die zehn zusammengebundenen Wunderkerzen, sprühen intensiv Funken, brennen auch unter Wasser einige Sekunden weiter, das Wasser sprudelt und Rauch steigt aus der Schüssel auf. Am Ende ist in der Wasserschüssel eine Suspension aus Wasser mit fein verteiltem weißgrauem Feststoff zu sehen und auf der Wasseroberfläche schwimmen wenige dunkelgraue bis schwarze Feststoffteilchen.

 

Erklärung/Deutung:

Wunderkerzen verbrennen in einer exothermen Reaktionen, also unter Freisetzung von Energie, erkennbar an den Funken. Das Wasser kühlt so weit ab, dass eine einzelne Wunderkerze erlischt. Die zehn zusammengebundenen Wunderkerzen brennen eine Zeit unter Wasser weiter, weil sie den Sauerstoff, den sie zum Brennen brauchen in Form von Bariumnitrat enthalten und weil ihre Verbrennung so viel Energie freisetzt, dass das Wasser eine Zeit braucht, um sie unter die sogenannte Zündtemperatur abzukühlen. Durch die bei der Verbrennung frei werdende Energie verdampft ein Teil des Wassers, das in Gasblasen aufsteigt. Bei der Verbrennung entstehen vor allem die Verbrennungsprodukte weißes Aluminiumoxid und schwarzes Eisenoxid.

 

Löschen von Metallbränden

Metallbrände, also auch größere Mengen von Aluminium als in diesem Wunderkerzen-Versuch, lassen sich weder mit Wasser noch mit Kohlendioxid oder Pulverlöschern löschen, da diese Metalle heftig mit ihnen reagieren. Deshalb verwendet man zum Löschen von Aluminium-, Kalium-, Lithium-, Magnesium- und Natriumbränden sowie deren Legierungen Sand, Salz oder Zement. Diese Feststoffe erwärmen sich durch die Metallbrände so stark, dass sie zum Teil schmelzen und verkrusten. Die Kruste unterbricht dann die Zufuhr von Sauerstoff, der für die Verbrennung benötigt wird.

 

Weisst du das?

  • Brennen Wunderkerzen auch im Weltraum?
  • Wie funktionieren die Seenotfackeln?
  • Wie funktioniert das Unterwasserschweißen?
  • Vorschau auf das nächste Sylvester: Versuch "Der Zauberdocht" und "Wunderkerzen selbst gemacht"

 

Fazit:

In den Wunderkerzen und im Feuerwerk verbrennen Metalle  mit jeweils charakteristischen Farben zu den jeweiligen Sauerstoffverbindungen, den Oxiden. Bei der Verbrennung wird Energie frei, sichtbar an den Funken. Der für die Verbrennung notwendige Sauerstoff wird von den sauerstoffreichen Nitraten, die enthalten sind, geliefert. Metallbrände lassen sich nicht mit Wasser oder Kohlendioxid löschen, da sie mit ihnen heftig reagieren. Zum Löschen von Metallbränden eignen sich z.B. Sand, Salz oder Zement.

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Do

26

Dez

2013

Weihnachtszeit ist Kerzen-Zeit - Kerzen-Experimentier-Zeit (2013)

Die Weihnachtszeit ist sicher für viele Menschen in Deutschland und insgesamt auf der Nordhalbkugel, eine Zeit, in der wir das Licht der Kerzen gerne geniessen, als Kontrast zu der dunklen Jahreszeit aber auch zu der lärmenden, neonlichtdurchfluteten Konsum- und Arbeitswelt. Neben dem warmen Licht, der Wärme und der Ausstrahlung von Ruhe und Muße bietet Kerzenlicht zusätzlich sehr schöne, einfache, kreative Möglichkeiten, zu experimentieren. Nur mit einer Kerze können wir schon lernen zu beobachten, Fragen zu stellen, Experimente zu planen und gemeinsam durchzuführen, naturwissenschaftliche Erkenntnisse spielerisch und mit Spass gemeinsam erwerben:

  • Wie heiß ist eine Kerzenflamme?
  • Brennt bei der Kerze der Docht, das feste, das flüssige Wachs, der Wachsdampf?
  • Ein Teelicht geht schwimmen oder "Eine Kerze als Wasserpumpe"
  • Vorschau: Eine Kerze löschen wie von Geisterhand

Kerzenflamme und Temperaturen, mit Experimenten

Hast du dir eine Kerzenflamme schon einmal genau angesehen? Bei genauer Betrachtung kannst du drei verschiedene Zonen erkennen. Die innerste Zone, direkt um den Docht herum, ist ein ziemlich dunkler Kegel. Direkt darüber befindet sich der hellste und leuchtendste Teil der Flamme und der Flammensaum ist wieder etwas dunkler. Kannst du dir vorstellen, dass in drei unterschiedlichen Bereichen auch verschiedene Temperaturen zu messen sind? Hast du eine Idee für ein Experiment, um das zu untersuchen?

Experiment Temperaturzonen: Du brauchst eine Kerze und ein Streichholz oder einen Zahnstocher:

a) Wenn du ein Holzstäbchen, z.B. einen Zahnstocher oder ein Streichholz ohne Kopf, kurz in die Flamme, direkt über den Docht, hältst, so kannst du erkennen, dass das Holzstäbchen nur rechts und links schwarz geworden ist, ca. 1/2 cm in der Mitte aber weiter unverändert ist (s. Foto rechts oben).

b) Halte ein Streichholz in das untere Ende der Flamme und danach ein Streichholz in den mittleren Bereich der Flamme. Du wirst sehen, dass eines der beiden Streichhölzer mit Verzögerung brennt. Welches?

Kannst du dir das erklären?

 

Hintergrundwissen: Was brennt bzw. verbrennt denn eigentlich bei der Kerze?

Kerzenwachs, ob aus tierischem, pflanzlichem oder synthetischem Wachs hergestellt, besteht hauptsächlich aus einer Verbindung der Elemente Kohlenstoff und Wasserstoff. Als tierisches Wachs kennst du wahrscheinlich das Bienenwachs, als pflanzliches Wachs kennst du eventuell das Carnaubawachs. Das synthetische Wachs wird meist aus Erdoel gewonnen und besteht hauptsächlich aus Paraffin.

Beim Verbrennen verbinden sich die Stoffe mit dem Sauerstoff der Luft und es entstehen dabei Sauerstoffverbindungen, Oxide. Dabei wird Energie frei; es sind also exotherme Reaktionen. Luft besteht zu 21% aus Sauerstoff, der Hauptbestandteil der Luft ist allerdings, verblüffenderweise,  zu ca. 78% der Stickstoff.

Beim Verbrennen der Kerze ensteht also vor allem Kohlendioxid und